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Empfingen Gottesdienst ohne Tänze undenkbar

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Kaplan Ghislain Eklou berichtete über sein Heimatland Togo.Foto: Schwind Foto: Schwarzwälder Bote

Mit einem jährlichen Aktionsmonat organisiert das katholische Hilfswerk "Missio" eine Solidaritätsaktion, mit der sie Kirchenbezirken in armen Ländern helfen möchten. Besondere Aspekte dazu gab es in Empfingen: Kaplan Ghislain Eklou referierte über sein Heimatland Togo.

Empfingen. Den Höhepunkt und somit auch den gleichzeitigen Abschluss bildete in diesem Jahr der "Sonntag der Weltmission".

Mit dieser Unterstützung können bedürftige Diözesen ihre Seelsorge, soziale Arbeit, Infrastruktur und Ausbildung von Mitarbeitern finanzieren. In Westafrika ist es meist die Kirche, die, so gut sie kann, auf die medizinischen und pastoralen Bedürfnisse der Menschen eingeht.

Weltmission 2020

"Selig, die Frieden stiften – Solidarisch für Frieden und Zusammenhalt" lautete das Leitwort, unter dem der Monat der Weltmission 2020 stand. Das Päpstliche Missionswerk "Missio", eines der großen katholischen Hilfswerke, organisierte im Vorfeld zum Sonntag der Weltmission (25. Oktober) Veranstaltungen rund um die Arbeit der Kirche in Westafrika.

Kaplan Eklou

Da Kaplan Ghislain Eklou seit 2019 in der Kirchengemeinde Empfingen-Dießener Tal tätig ist, lag es auf der Hand, dass er zum Thema "Kirche in Togo – Herausforderungen einer Friedenstifterin" vergangenen Freitagabend im katholischen Gemeindehaus in Empfingen über sein Heimatland Togo referierte.

Ghislain Eklou wurde im Jahr 2019 in Freiburg zum Priester geweiht. Aufgewachsen ist er in Kpalimé in Togo. Um die Zusammenhänge besser zu verstehen, stellte Ghislain Eklou sein Heimatland den zahlreichen Anwesenden zunächst vor.

Land

Vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 fand im Reichskanzlerpalais in Berlin die Berliner Konferenz, auch Westafrika-Konferenz genannt, statt.

Dabei legten die anwesenden Großmächte die Kriterien für die völkerrechtliche Anerkennung von Kolonialbesitz fest. Ohne Beachtung der Lebensräume der Bevölkerungsgruppen und ohne Rücksicht auf bestehende Staaten wurden die Kolonien festgelegt. Dabei fiel die heutige Kolonie Togo in die deutschen Hände. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, eroberten die Briten und die Franzosen Togo in kürzester Zeit von ihren benachbarten Kolonien aus. Seit 1967 ist die Staatsform in Togo eine Republik als Präsidialrepublik. Mit seinen rund 8 Millionen Einwohnern, verteilt auf eine Fläche von 56 785 Quadratkilometern ist Togo, wie man eigentlich vermuten könnte, nicht überbevölkert. Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von nur 58 Jahren liegt dieser Wert doch deutlich unter dem von Deutschland.

Religionen

In dem Westafrikanischen Land besteht Religionsfreiheit. Der größte Bevölkerungsteil mit rund 50 Prozent bekennt sich zu Naturreligionen. Ein Viertel kann man der römisch-katholischen Religion zuordnen, neben 20 Prozent Islam ist die evangelische Kirche mit acht Prozent vertreten.

Kommunale Struktur

Fast zwei Drittel der Erwerbstätigen und damit der ärmere Teil lebt auf dem Land und sichert sich das Auskommen mit der Landwirtschaft. Zu den angebauten Grundnahrungsmitteln zählen Yams, Maniok, Mais, Hirse, Erdnüsse und Sorghum (Sorgho), zudem ist die Viehzucht ein weiteres Standbein. Auf dem Land werden die Traditionen noch gepflegt, so haben die Stämme auch noch einen Häuptling als eine Art Bürgermeister. Bei besonderen Anlässen wird in der besten Kleidung getanzt und gesungen.

Katholische Kirche

Die katholische Kirche in Togo wurde am 28. August 1892 mit dem ersten Gottesdienst von deutschen Missionaren geboren und ist damit eine noch recht junge Kirche. Die Cathédrale du Sacré-Cœur de Lomé, zu deutsch Herz-Jesu-Kathedralkirche, ist während der deutschen Kolonialherrschaft errichtet worden und befindet sich im historischen Zentrum der togoischen Hauptstadt Lomé. Die rund zwei Millionen Katholiken sind auf sieben Diözesen verteilt. Die Priester erhalten keine Bezahlung, sondern müssen von Spenden leben. Eine große Unterstützung sind die ehrenamtlichen Katecheten, die als Religionslehrer besonders für die kirchliche Christenlehre außerhalb der Schule zuständig sind. Die Kirchengemeinden in Togo haben enorme finanzielle Probleme. Es gibt in dem Land keine Kirchensteuer. In Dörfern ohne Kirche wird ganz einfach im Freien gefeiert. Trotzdem versprühen die Menschen Lebenslust, und ein Gottesdienst ohne Tänze ist undenkbar.

Alltag

Da die finanziellen Mittel zum Hausbau fehlen, leben viele Priester als eine Art WG zusammen und haben dann aber weite Wege in ihren jeweiligen Kirchenbezirk, wodurch manche Gebiete gar nicht erreicht werden können.

Religiöse Konflikte

Ein großes Problem sind die vielen Religionen, vor allem auf dem Land, wo die Animisten ein deutliches Übergewicht haben. Animisten glauben an eine beseelte Natur. Christen glauben an Gottvater, Sohn und heiligen Geist. In den Natur-Elementen steckt für Animisten ein Stück des umfassenden Schöpfers, quasi seine Seele. Deshalb verehren sie Flüsse, Bäume und auch Tiere wie Gottheiten. Alles in der Natur ist ihnen heilig und wird mit komplizierten Ritualen und Zeremonien geehrt. "Um dieser Kultur das Evangelium erklären zu können, müssen wir die Kultur anhand des Evangeliums erklären", so der Vikar.

Sprachenvielfalt

Mit mehr als 30 Sprachen im Land ist es fast unmöglich, jeden Gläubigen in seiner Muttersprache an seinem Heimatort zu erreichen. In den unterschiedlichen Gebieten leben die Menschen auch verschiedene soziale Verhalten mit verschiedenen Wertvorstellungen der sozialen und kulturellen Einstellung. Diese Eigenarten des Zusammenlebens sorgen immer wieder für Reibungspunkte.

Politik

Die Bischöfe des Landes rügen die derzeitige Politik ihrer Regierung. "Ohne eine ernsthafte Reform der Rahmenbedingungen für Wahlen im Hinblick auf freie, transparente, glaubwürdige und friedliche Wahlen kann die Demokratie in Togo nicht wirklich gedeihen", sagten die Bischöfe von Togo in einer Erklärung. "Die Regierung ignoriert zwar die Vorwürfe nicht, möchte aber, dass sich die Bischofskonferenz um ihre Kirche kümmert", erklärt Ghislain Eklou. Er ist sich sicher: "Um den Frieden zu fördern und ihn zu bewahren, muss eine Gerechtigkeit in der Gesellschaft geschaffen und die sozialen Spannungen ausgeglichen werden."

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