Seit der verheerenden Flut im Ahrtal macht Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sich für eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden stark. Warum tut er das, wo Baden-Württemberg doch eine hohe Versicherungsquote hat?
Baden-Württemberg nimmt gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen einen neuen Anlauf in Sachen Pflichtversicherung gegen Elementarschäden. Beide Länder bringen eine Initiative in den Bundesrat ein. „Wir müssen bei diesem wichtigen Thema endlich vorankommen“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) unserer Zeitung. „Es ist schon zu viel Zeit verloren gegangen, Unwetter warten nicht auf die Politik – und sie machen auch nicht vor Ländergrenzen halt.“
Nach der Flut im Ahrtal hatte sich Kretschmann für eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden stark gemacht, obwohl in Baden-Württemberg mehr als 90 Prozent der Immobilienbesitzer dagegen versichert sind. Denn bis in die 1990er Jahre hinein gab es hierzulande eine Pflicht zur Versicherung.
Länderchefs für bundesweite Pflichtversicherung
Im vergangenen Jahr hatten die Regierungschefs der Länder sich für eine Pflichtversicherung ausgesprochen und den Bund gebeten, eine konkrete Regelung auszuarbeiten. Der Bund hatte sich aber für Regelungen auf Länderebene ausgesprochen.
Doch ein Flickenteppich würde Immobilienbesitzer benachteiligen, die bereits eine Versicherung haben, so das Argument der Landesregierung. Denn im Katastrophenfall, wenn bundesweite Solidarität gefragt ist, zahlen sie im Zweifel doppelt. Im Ahrtal beteiligt sich Baden-Württemberg mit rund einer Milliarde Euro an Hilfen.
Versicherungswirtschaft propagiert Opt-Out-Modell
Die Versicherungswirtschaft hatte ein Gegenmodell entworfen, bei dem sich die Immobilienbesitzer aktiv gegen eine Versicherung entscheiden müssen. Der Chef der SV Sparkassenversicherung, Andreas Jahn, geht im Gespräch mit unserer Zeitung davon aus, dass so hohe Quoten erreicht würden.