Clemens Hummel ist in der Region der erste Kfz-Sachverständige für E-Automobile. Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder Bote

Clemens Hummel ist als Sachverständiger für E-Autos ein Vorreiter in der Region. Ab 60 Volt steigt die Spannung.

Clemens Hummel liebt Oldtimer. Er sagt: "Der Sound eines V8-Motors ist schon etwas Besonderes". Er sagt aber auch: "In ein paar Jahren empfinde ich das wahrscheinlich als Lärm-Belästigung." Der 37-Jährige ist in der Region einer der ersten Kfz-Sachverständigen für Elektrofahrzeuge. Warum dieser Job jedoch sehr gefährlich ist, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

 

VS-Villingen - Seine berufliche Vita liest sich geradlinig und ambitioniert. Da er schon als Zehnjähriger am liebsten bei der Reparatur von Stock-Cars mithalf, waren nach der Mittleren Reife die Ausbildung zum und einige Berufsjahre als Kraftfahrzeugmechaniker Ehrensache. Auf die Fachhochschulreife folgte das Studium "Product Engineering" an der Hochschule Furtwangen.

Seit 2008 arbeitet Clemens Hummel an der Entwicklung elektrotechnischer Komponenten. Nebenher machte er sich 2012 als Kfz-Sachverständiger selbstständig und schuf sich damit einen Ausgleich zum "eher trockenen" Bürojob. Nach Unfällen im Straßenverkehr wird er von Autowerkstätten, Versicherungen, Anwälten oder privat engagiert, um am betroffenen Fahrzeug seine Expertisen zu erarbeiten.

Manche Werkstätten müssen extra Spezialisten anfordern

In den letzten Monaten ließ er sich nun zur "Elektrofachkraft für Hochvolt-Systeme in Kraftfahrzeugen" weiterbilden und qualifizierte sich zusätzlich für das "Arbeiten unter Spannung" bis hin zu 1500 Volt Gleichspannung. "Über diese Ausbildung verfügen aktuell nur wenige Menschen in der Region", weiß er. "Werkstätten müssen dafür teilweise Spezialisten vom Hersteller kommen lassen".

Als solche bekannt geworden sind die "Flying Doctors" von Porsche. Und das hat seinen Grund. In Elektrofahrzeugen befinden sich Batterien mit einer Spannungsarchitektur von derzeit 400 Volt. Leistungsfähigere Modelle weisen bereits 800 Volt auf. Da die Nutzbarkeit und damit die Akzeptanz für E-Mobile besonders von Kriterien wie Reichweite und Ladeschnelligkeit abhängen, schreitet die Entwicklung in diesem Bereich rasant voran. Schon ab einer Spannung von 60 Volt wird es für den menschlichen Körper aber gefährlich. Daher sind spezielle Kenntnisse im Umgang mit den Batterien verunfallter E-Autos lebensrettend.

In erster Linie gehe es dabei um die Freischaltung der Batterie, sagt Hummel, bevor man sich zur Schadensbeurteilung und später -behebung gefahrlos am Fahrzeug zu schaffen machen kann. Selbst das Personal in Autowerkstätten verfügt momentan noch nicht über die dazu notwendigen elektrotechnischen Kenntnisse und Fähigkeiten.

Elektromobilität ist inzwischen für "Massenmarkt" bereit

Clemens Hummel hat mit seiner Zusatzausbildung schnell auf die enormen Fortschritte bei Elektrofahrzeugen reagiert. 200.000 wurden 2020 in Deutschland verkauft, dreimal so viele wie im Jahr zuvor.

"Elektromobilität hat ihre Startschwierigkeiten hinter sich gelassen. Die Technologie hat eine Schwelle erreicht, die für den Massenmarkt tauglich ist", glaubt er und verweist auf mittlerweile 30 000 Ladestellen und das Vorhaben der Bundesregierung, alle 14 000 Tankstellen dazu zu verpflichten, mindestens eine Ladesäule zu installieren.

Es war nur eine Liebe auf den zweiten Blick

Anschaffungspreise reduzieren sich, Reichweiten werden größer, Ladevorgänge kürzer und seltene Rohstoffe wie Lithium und Kobalt mehr und mehr vermieden. Hersteller geben auf Batterien inzwischen acht Jahre oder 160 000 Kilometer Garantie und selbst dann seien sie "noch zu 70 Prozent leistungsfähig", weiß der Sachverständige.

Die genannten Pluspunkte verfehlten ihre Wirkung auch bei Clemens Hummel nicht, der zugibt, dass es für ihn bei der E-Mobilität "Liebe erst auf den zweiten Blick" war. Als Vater zweier kleiner Töchter sei ihm aber längst klar geworden, "dass wir nicht so weitermachen können wie bisher".

Ein eigenes E-Fahrzeug hat er "noch nicht". Das soll sich aber bald ändern: seinen nächsten Oldtimer, einen Mercedes-Geländewagen, will er jetzt zum E-Fahrzeug umrüsten.