Ein riesiges Puzzle aus 100 Tonnen Stahl und Eisen: Muss die große Dampflok der Eisenbahnfreunde Zollernbahn zum TÜV, geht das nur Teilen. Ein Kraftakt für den Verein – auch finanziell.
Alle acht Jahre muss die große schwarze Lok zum Sicherheitscheck, manche Teile öfters. Dann wird die alte Dame entkleidet, zerlegt und von einem Experten auf Herz und Nieren geprüft. Ein riesiger Aufwand.
Zwei, die dann besonders gefordert sind, sind Marc Teschner und Tobias Grabscheit von den Eisenbahnfreunden Zollernbahn. Auf ihrem Gelände hinter dem Rottweiler Hauptbahnhof steht die glänzend schwarze Dampflokomotive 01519, die liebevoll Liesl genannt wird. Bei den Rottweiler Dampftagen am Wochenende zeigte sie sich noch einmal von ihrer besten Seite. Am Dienstag, 3. Oktober, darf sie noch einmal bei einer Sonderfahrt von Rottweil über den Schwarzwald nach Neustadt an der Weinstraße Dampf ablassen. Danach ist für mindestens ein Jahr Schluss.
Eine Rottweilerin wird restauriert
„Die Demontage und die Montage brauchen am meisten Zeit“, erklärt Teschner. Welche Puzzlearbeit im Zweifel – also je nachdem was ausgetauscht werden muss – auf die Bahnfreunde zukommt, zeigt eine Lok, die nur wenige Meter neben der stolzen 01519 in Einzelteilen auf den Schienen liegt.
Es ist eine alte Bekannte. Die 78246 war viele Jahre auf den Schienen um Rottweil im Einsatz, auch zu Kriegszeiten. In den 70ern wurde sie dann ausgemustert. „Sie fuhr aus eigener Kraft ins Deutsche Dampflokmuseum nach Neuenmarkt. Und seit 2018 ist sie wieder in Rottweil“, erzählt Grabscheit. Aus dem Stückwerk soll wieder ein Ganzes werden, deshalb sind Teile der Heimkehrerin in der Halle bereits in Arbeit. Der Kessel, ein riesiger, genieteter Stahlkörper aus dem Jahr 1922, wird derzeit restauriert.
Das Material ist ganz schön teuer
Seit Monaten sind die Eisenbahnfreunde dran, Teile zu ersetzen. Schweißen ist kein Problem, erzählen Teschner und Grabscheit, aber fürs Nieten, da braucht es einen Profi. „Und der versetzt uns gerade“, sagt Teschner mit einem Schulterzucken.
Das Material, das zum Einsatz kommt, ist teuer. „Hier liegen allein 10 000 Euro“, erklärt Grabscheit und zeigt auf einen kleinen Haufen Stahlrohre, die auf einen Einsatz bei der alten Rottweilerin warten.
Doch auch bei den anderen Loks und den Waggons ist der Erhaltungsaufwand teuer. Mit bis zu 500 000 Euro rechnen die Bahnfreunde, inklusive TÜV für die Liesl. „Da zählt jeder Euro“, gibt Grabscheit zu bedenken. Dabei gibt es für das fahrende Museum nicht einmal Förderungen – weder auf kommunaler Ebene, noch vom Land.
Die Leute stehen Schlange
Am Bekanntheitsgrad kann es nicht liegen, denn an den Dampftagen wie am vergangenen Wochenende und zu Sonderfahrten pilgern Menschen weit über die Region hinaus nach Rottweil zu den Nostalgiezügen. Fotografen drängen sich, um Bilder von den dampfenden Kolossen zu machen, Kinder stehen mit ihren Eltern, mit Oma oder Opa Schlange, um einmal ins Führerhaus linsen zu dürfen. Sich einmal wie Lukas der Lokführer fühlen – das ist für viele ein Erlebnis. Und die Eisenbahnfreunde bieten das gerne.
Bei all der Nostalgie – bei Veranstaltungen wie den Dampftagen geht es natürlich auch darum, Geld zu erwirtschaften, das wieder in die Loks und ihre Waggons fließt. „Wir brauchen das Fahrgeschäft, Gönner und Sponsoren“, fasst Teschner zusammen. Ohne das gehe es nicht.
H0-Modell von Märklin
Eine besonders tolle Zusammenarbeit mit einem Sponsor sei die mit der Firma Märklin gewesen. Die hatten die Liesl sogar als H0-Modell auf den Markt gebracht.
36 historische Eisenbahnfahrzeuge hat der Verein, der vor 50 Jahren gegründet wurde, in seinem Besitz. Zu staunen gibt es für Freunde der dampfenden Rösser also genug – auch wenn die Liesl nun erst einmal in Zwangspause geht.
Info
Letzte Fahrt
Fahrkarten für die Sonderfahrt der Dampflok 01 519 nach Neustadt an der Weinstraße gibt es unter www.eisenbahnfreunde-zollernbahn.de unter Telefon, 0741/17 47 08 18, oder mögliche Restkarten am Bahnsteig vor der Abfahrt um 6.35 Uhr.
Spendenkonto
Volksbank Hohenzollern-Balingen, DE46 6416 3225 0271 5260 25 oder DE24 6416 3225 0271 5260 33 für die Restaurierung der Lok 78 246.