Hoher Besuch bei der Eröffnung von La Samaritaine. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bestaunt die Architektur. Foto: AFP/CHRISTOPHE ARCHAMBAULT

Das Luxuskaufhaus La Samaritaine hat nach 16 Jahren Umbauzeit seine Pforten geöffnet.

Paris - Paris ist die Heimat von Luxus und Eleganz. In Frankreichs Hauptstadt sind die großen Modemarken zuhause und die ausladenden Boulevards bieten die passenden Laufstege, für die Reichen und Schönen. Zuletzt hat der Ruf dieser einzigartigen Glitzerwelt allerdings etwas gelitten. Sogar auf den mondänen Champs-Élysée buhlen immer mehr Billigläden und Burger-Restaurants um die Gunst der Touristen.

Der reichste Mann Frankreich

Das soll sich in Zukunft wieder ändern und der reichste Mann Frankreichs hat einen sehr beeindruckenden Anfang gemacht. Bernard Arnault, Besitzer des französischen Luxuskonzerns LVMH mit Marken wie Louis Vuitton, Givenchy oder Kenzo, hat das Kaufhaus La Samaritaine eröffnet. Wobei das Wort Kaufhaus für diesen Luxustempel eine Untertreibung ist. Allein das Gebäude unweit der Pont Neuf dürfte für kunstinteressierte Architekten einen Besuch wert sein. Und wer auf teuren Bling-Bling steht, kommt auf seine Kosten. Wurde Ende des 19. Jahrhundert in dem traditionellen Gemischtwarenladen noch vom Streichholz bis zum Büstenhalter alles verkauft, liegen heute Designerkleidung, teure Kosmetik und Luxusuhren in den Auslagen.

Ein Gebäude aus der Jugendstilzeit

Über 16 Jahre lang wurde der 150 Jahre alte, denkmalgeschützte Bau mit Glasdach aus der Jugendstilzeit prunkvoll restauriert. Die Treppen aus verziertem Stahl geben dem Innenraum eine verspielte Leichtigkeit und im obersten Stockwerk können die Besucher ein golden leuchtendes Pfauen- und Blumendekor an den Wänden bewundern. Die zur Seine gewandte Fassade ist im strengen Art-Déco-Stil gehalten. Ein hochpreisiges Restaurant mit Blick über Paris darf natürlich nicht fehlen. Geschätzte 750 Millionen Euro hat der französische Multimilliardär für die Sanierung in die Hand genommen.

In dem Gebäude kommt es allerdings auch zu einer Art sozialem Experiment. Die Stadt hat zur Auflage für die Sanierung den Bau von Sozialwohnungen in dem Komplex gemacht. Auf diese Weise haben knapp hundert Familien und eine Kinderkrippe in dem Jugendstilgebäude Platz gefunden. Deren Bewohner leben in unmittelbarer Nachbarschaft zu Gästen des ebenfalls neu errichteten Luxushotels „Cheval Blanc“, die pro Zimmer weit über 1000 Euro pro Nacht bezahlen müssen.

Die Champs-Élysées sollen aufgewertet werden

Das La Samaritaine ist aber nur ein Prestigeprojekt des Milliardärs Arnault, der natürlich auch bei der geplanten Aufwertung der Champs-Élysées seine Finger im Spiel hat. So wird die zu seinem Konzern gehörende Luxusmarke Dior dort schon in diesem Sommer auf 1500 Quadratmetern präsent sein, direkt neben seinem Label Louis Vuitton. Das Traditionsunternehmen Yves Saint Laurent möchte seinen Rivalen natürlich nicht das Feld auf der berühmten Flaniermeile überlassen und plant die Eröffnung eines großen Geschäftes, ebenso wie der italienische Modemacher Moncler. Und am Fuß des Boulevards plant der Sofitel-Konzern ein Luxushotel, direkt neben der zukünftig neuen Filiale von Lacoste.

Die Luxusmarken kehren zurück

Seit drei, vier Jahren hätten viele Immobilienunternehmen damit begonnen, ihre Gebäude entlang der Straße zu sanieren, beobachtet Jean-Noël Reinhardt, ehemaliger Vorsitzender des Champs-Élysées-Komitees, das für die Entwicklung der Boulevards zuständig ist. Dadurch würde viel qualitativ hochwertige Einzelhandelsfläche entstehen, die dann die entsprechenden Luxusmarken anzögen. Dieser Trend ist wohl auch mit den Plänen der Bürgermeisterin Anne Hidalgo zu erklären, die die Flaniermeile in den nächsten Jahren ziemlich radikal zu einer Art verkehrsberuhigten Fußgängerzone umbauen und damit stark aufwerten will.

Keine Frage, dass sich Anne Hidalgo auch bei der Eröffnung des La Samaritaine freudestrahlend neben Bernard Arnault im Blitzlichtgewitter der Fotografen ablichten ließ. Allerdings spielte die Bürgermeisterin an jenem Vormittag nur die zweite Geige. Im Rampenlicht stand Emmanuel Macron, der die Aufgabe übernommen hatte, das Kaufhaus feierlich einzuweihen. Im Falle eines solchen Prestigeobjekts unterbricht Frankreichs Präsident sogar seine Regierungsgeschäfte.

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