Auch im oberen Bregtal nimmt die Anzahl an Eheschließungen teils ab. (Symbolbild) Foto: KirylV/ Shutterstock

Eine Hochzeit hat früher für fast jedes Paar einfach dazu gehört. Zumindest in Baden-Württemberg scheint dieser Trend jedoch längst auf einem absteigenden Ast zu sein. Doch gilt das auch für den ländlichen Raum? Auf Spurensuche im oberen Bregtal.

Heiraten ist und bleibt zeitlos – oder etwa doch nicht? In Baden-Württemberg sinkt der Anteil verheirateter Menschen trotz einer kürzlich wieder gestiegenen Zahl von Hochzeiten auf ein Rekordtief. Für das vergangene Jahr zeigten statistische Daten, dass nur noch 52 Prozent der erwachsenen Bevölkerung verheiratet sind.

 

„Dieser Anteil ist relativ stetig gesunken“, teilte kürzlich ein Sprecher des Statistischen Landesamtes in Stuttgart in einer Pressemitteilung mit. Und das, obwohl die Bevölkerungszahl im Laufe der Zeit immer weiter gewachsen ist.

Blick in die Vergangenheit zeigt große Unterschiede

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt große Unterschiede auf: 1980 waren noch knapp 63 Prozent der Erwachsenen verheiratet. Der Anteil sank auf 56 Prozent im Jahr 2012, 2017 waren es noch etwa 54 Prozent. Noch rund 4,85 Millionen Frauen und Männer waren laut Statistik Ende vergangenen Jahres verheiratet. Wie sieht es diesbezüglich im ländlich geprägten oberen Bregtal aus? Sind die Menschen auch hier eher heiratsunwillig? Wir haben nachgefragt.

Beate Muckle, Standesbeamtin in Vöhrenbach, kann den Rückgang der Ehen bestätigen. „Es ist viel weniger geworden“, sagt die Standesbeamtin. Bis jetzt habe es in diesem Jahr lediglich sechs Eheschließungen gegeben. „Im vergangenen Jahr waren es 15, da kommen wir auf keinen Fall mehr hin.“ Was könnten die Gründen für die Unwilligkeit zur Hochzeit sein? „Ich habe keine Ahnung“, sagt Muckle und fügt augenzwinkernd hinzu: „Ich würde ja sehr gerne mehr machen.“ Ist die Ehe aus der Mode gekommen? Offensichtlich würde ja weniger Wert auf die Ehe gelegt, meint Muckle, „das muss so sein, sonst würden die Leute ja heiraten.“

Ein Blick auf die statistischen Daten zur Eheschließung in Vöhrenbach zeigen tatsächlich einige Veränderungen auf. So gab es im Jahr 1980 29 Eheschließungen bei 4416 Einwohnern. Im Jahr 2012 war die Einwohnerzahl auf 3862 geschrumpft, die Anzahl der Eheschließungen auf zehn zurückgegangen. 2017 kamen dann 15 Eheschließungen auf 3816 Einwohner. Der Stand von 2023 zeigt lediglich sechs Eheschließungen bei einer weiter gesunkenen Einwohnerzahl von 3684 Einwohnern.

Veränderungen in der Eheschließung

In den vergangenen Jahren waren auch in der kleinen Gemeinde Vöhrenbach einige Veränderungen in puncto Eheschließung wahrzunehmen – so traute Muckle auch gleichgeschlechtliche Paare. „Das kommt immer wieder vor“, berichtet die Standesbeamtin. Die meisten Heiratswilligen seien heute um die 30 – in der Vergangenheit seien sie im Schnitt jünger gewesen. „Früher hat man eben geheiratet, wenn ein Kind unterwegs war – das ist heute ja auch nicht mehr so.“ Auch würde heutzutage häufiger außerhalb des Wohnorts geheiratet. So gebe es immer wieder Paare, die in Vöhrenbach nur die Eheschließung beantragen – geheiratet werde dann jedoch an einem anderen Ort. „Viele heiraten ja nicht mehr kirchlich. Die suchen sich dann ein Standesamt aus, wo die Location passt“, erklärt Muckle.

Keine großen Veränderungen in Furtwangen

Ute Weißer, Standesbeamtin in Furtwangen sieht keine allzu großen Veränderungen in der Heiratsszene. „Wir hatten dieses Jahr genau so viele Hochzeiten wie im vergangenen Jahr“, sagt Weißer, die seit zwei Jahren Standesbeamtin in der Bregstadt ist.

Laut Einwohnermeldeamt sind in Furtwangen aktuell 47,9 Prozent der Bevölkerung verheiratet. Im Jahr 1980 wurden für das Standesamt Furtwangen-Gütenbach 59 Eheschließungen registriert, 39 Paare trauten sich im Jahr 2017, 2022 waren es 42 und in diesem Jahr – aktuell zum Jahresende hin – 32. „Von einem Rückgang kann man also in Furtwangen und Gütenbach – zumindest in den vergangenen Jahren – nicht sprechen“, meint Weißer. Aber auch ihr fällt auf: „Die Paare sind in der Regel nicht mehr so jung wie früher, da oftmals auch Ausbildung und Studium länger dauern“, meint Weißer. Zudem traue sie immer wieder auch ältere Paare, die teilweise schon über 60 seien. „Die leben schon lange zusammen und entschließen sich erst später, zu heiraten“, erklärt die Standesbeamtin. In Furtwangen habe es dieses und im vergangenen Jahr jeweils eine Eheschließung mit gleichgeschlechtlichen Paaren gegeben.

Tätigkeit bietet große Abwechslung

„Vom Gefühl her waren es in den vergangenen Jahren ähnlich viele Hochzeiten“, sagt auch Lisa Hengstler, Bürgermeisterin und Standesbeamtin von Gütenbach. Dort sind 48 Prozent der Bevölkerung verheiratet. Seit sechs Jahre hat Hengstler diese beiden Positionen inne. Zwischen sieben und zehn Paare traut sie jedes Jahr. Das sei natürlich „sehr überschaubar“ – „hat sich aber jetzt bei uns nicht verringert.“ Auch, wenn sechs Jahre noch keine allzu lange Zeit sind, hatte Hengstler schon jede Menge Abwechslung in ihrer Tätigkeit. „Auch in der kurzen Zeit war bei mir alles schon bunt gemischt“, sagt sie – und führt etwa die Trauung eines gleichgeschlechtlichen Paares an. „Das war schon auch etwas Besonderes.“ Was sie noch nie gehabt hätte, sei ein sehr junges Paar. „Die meisten sind eher Ende 20“, sagt sie. „Ich hatte aber auch schon Pärchen, die im oder kurz vor dem Rentenalter waren.“

Ist gerne Standesbeamtin: Gütenbachs Bürgermeisterin Lisa Hengstler Foto: Spath

Geht es im ländlichen Raum traditioneller zu?

Dennoch sieht die Standesbeamtin auch weiterhin Unterschiede. „Ich glaube, dass man bei uns im ländlichen Raum wahrscheinlich schon noch eher etwas traditioneller unterwegs ist als im städtischen Bereich.“ Das zeige sich auch im Bereich der Kinderbetreuung. „Da habe ich gemerkt, dass es für Leute in Gütenbach eher noch eine Ausnahme ist, dass man als Mutter wieder arbeiten geht, wenn das Kind ein Jahr alt ist – und im Städtischen ist das eher schon zum Standard geworden.“ So sei die Einstellung zum Thema Heiraten vielleicht ähnlich „klassisch“ im ländlichen Raum. Der Trend zum zunehmenden Alter sei aber auch hier eindeutig: „Was ich aber schon wirklich faszinierend finde, ist, dass die Leute immer später heiraten, dass es wirklich keine so richtig jungen Ehen gibt“, erklärt die Standesbeamtin.

Immer wieder komme es auch vor, dass Leute von anderen Gemeinden in Gütenbach getraut würden. Das liege auch an der Örtlichkeit, dem Dorf- und Heimatmuseum. „Das ist schon auch beliebt, das kommt gut an.“ Für Hengstler sind die Trauungen, die sie in Gütenbach vornimmt, der perfekte Ausgleich zu ihrer aufreibenden Tätigkeit als Bürgermeisterin. „Standesbeamtin zu sein, ist das Schönste, was mein Job mir gibt“, bekennt sie und ergänzt: „Das möchte ich auch nicht so schnell aufgeben.“