Eine originale Ernennung des Musikvereins Unterkirnach von 1939 hat Edelfried Müller nach jahrelanger Suche in der Ausgabe des Schwarzwälder Boten vom 21. Juni 1939 in Unterkirnach gefunden.Foto: Schimkat Foto: Schwarzwälder Bote

Heimatgeschichte: Edelfried Müller wird bei Recherche im Schwarzwälder Boten von 1939 fündig

Endlich kann Edelfried Müller eine wichtige Lücke in der Chronik des Musikvereins Unterkirnach schließen. Seit Jahren schreibt er an der Chronik des Musikvereins. Für eine der wichtigsten Feiern des Musikvereins fehlten ihm jegliche Unterlagen. Doch jetzt ist Müller fündig geworden.

Unterkirnach. "Das Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen des Musikvereins wurde vom 17. bis 18. Juni 1939 gefeiert und da gab es hier den Schwarzwälder Boten. Haben Sie da noch irgendwo eine Original-Ausgabe?", fragte er hoffnungsvoll – zunächst klang das gar nicht gut, in der Redaktion gab es aus dieser Zeit natürlich nichts mehr, und in Oberndorf fragte man fassungslos: "Wann war das, am 17. und 18. Juni 1939?" "Wahrscheinlich schon" - im Keller in riesigen Wälzern diese zu suchen habe keiner Zeit, lautete die Antwort.

Bei der Gemeinde Unterkirnach wurde Müller nicht fündig, im Archiv der Stadt Villingen konnte er Corona-bedingt nicht suchen und so langsam verzweifelte er. Doch dann – kürzlich – rief er bei unserer Zeitung an und verkündete glücklich, er habe in einem Karton in der hintersten Ecke des Proberaums des Musikvereins Original-Ausgaben des Schwarzwälder Boten vom 17. und 18. Juni 1939 gefunden.

Dort gab es schon als Beilage das "Unterhaltungsblatt des Schwarzwälder Boten", mit mehreren ausführlichen Berichten vom Jubiläum des 100-jährigen Bestehens. Die Einladung an die Festgäste ist vom Festausschuss mit dem Hitlergruß unterschrieben – das habe damals sein müssen, so Müller.

Es gibt eine Ernennungsurkunde, da der Musikverein zur "Fachschaft ›Volksmusik‹" gehört: "Ohne diese Bescheinigung durfte man damals keine Musik machen", erläutert Müller.

Dann wird es kurios: "Unterkirnach zählte damals rund 900 Einwohner, aber zum Jubiläum kamen 4000 Besucher", schmunzelt Müller. Es habe ein Festbankett im Festzelt auf dem Festplatz gegeben, am Sonntag sei um 6 Uhr Wecken gewesen, um 10 Uhr habe das Frühschoppen-Konzert stattgefunden, um 14 Uhr ging der Festzug durch den Ort, und anschließend sei ein Festkonzert mit Massenchören gewesen, liest Müller aus der Zeitung vor.

Schon damals wurde über alles berichtet, was im ländlichen Raum von Interesse ist. Da steht zum Beispiel geschrieben, dass am 19. Juni die ersten KDF-Urlauber (Kraft durch Freude) nach Unterkirnach kamen und dort bis zum 1. Juli blieben. Schade sei gewesen, dass sie an dem großen Jubiläum noch nicht im Ort waren, schrieb das Schwarzwälder Tagblatt. Die Erholungssuchenden kamen aus dem Gau Westfalen-Nord und wohnten größtenteils im Gasthaus Forelle.

Unter der Rubrik "Aus Bezirk und Nachbarschaft" wird berichtet, dass die Gemeinde Unterkirnach ihren Spanienkämpfer Ewald Neugart ehrte. Er, der Sohn des Schuhmachermeisters Reinhold Neugart, habe an vorderster Front in Spanien gekämpft. Die Gemeinde hatte am Montag nach dem großen Jubiläum zu Ehren des Spanienkämpfers noch einmal die gesamte Gemeinde zusammengerufen, um dem Soldaten die Ehre zu erweisen. Der Bürgermeister überreichte ihm eine Kuckucksuhr, gleichzeitig wurden auch die neuen KDF-Urlauber begrüßt, sodass sich auch dieser Abend gelohnt hatte und die Stimmung bestens war.

Ein gemütlicher Ausklang war die Aufführung des Roggenbach-Reigens, der zum ersten Mal zu sehen war und vom Vereinsführer Karl Moser einstudiert worden war.

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