Raymond Engelbrecht, Chief Executive Officer (CEO) von EBM-Papst St. Georgen, sieht im Verkauf der Division Industrielle Antriebstechnik an Siemens eine große Chance für alle Beteiligten. Foto: Helen Moser

EBM-Papst verkauft seinen Geschäftsbereich Industrielle Antriebstechnik an Siemens – damit sorgte das Unternehmen jüngst für Aufsehen. Raymond Engelbrecht, Chief Executive Officer (CEO) von EBM-Papst St. Georgen, verrät weitere Details zum Verkauf.

Ein Drittel Automotive, ein Drittel Lufttechnik und ein Drittel industrielle Antriebstechnik (IDT) – diese Aufteilung kannte man bei EBM-Papst St. Georgen jahrelang. Doch sie ist stark im Wandel: Perspektivisch rückt die Lufttechnik in den Fokus. Aus IDT und Automotive zieht das Unternehmen sich zurück.

 

Große Veränderungen stehen an – und eine Nachricht vom vergangenen Donnerstag ist dabei zentral: EBM-Papst trennt sich von seinem Geschäftsfeld Industrielle Antriebstechnik (IDT) und verkauft die Sparte an Siemens – mit massiven Auswirkungen für die St. Georgener Tochtergesellschaft. Raymond Engelbrecht, der neben weiteren Funktionen auch Chief Executive Officer (CEO) von EBM-Papst St. Georgen sowie der Division IDT ist, erklärt, warum er eine gute Zukunftsperspektive sieht.

Was ist geplant?

Bis Mitte 2025 will EBM-Papst die IDT-Sparte an Siemens abgegeben haben. Das Unternehmen zieht sich damit komplett aus dem Bereich zurück. Neben den Mitarbeitern in der Produktion sind auch die in Entwicklung, Vertrieb und Produktmanagement betroffen – in Summe etwa 650 in St. Georgen, Lauf an der Pegnitz und Oradea, die alle von Siemens übernommen werden.

Welche Mitarbeiter sind am Standort St. Georgen betroffen? Wie sieht ihre Perspektive aus?

Indirekt berührt der Verkauf auch 65 Mitarbeiter, die aktuell im EBM-Papst-Werk im Hagenmoos in der Produktion für den IDT-Bereich beschäftigt sind. Diese Produktionskapazitäten sollen aber im Zuge des Verkaufs von Peterzell ins rumänische Oradea ausgelagert werden. Für die Beschäftigten hat das eine inhaltliche Veränderung zur Folge: Sie bleiben bei EBM-Papst, werden aber künftig in der Produktion für den Bereich Lufttechnik eingesetzt, in dem Kapazitäten aufgebaut werden. „Damit ist die Mannschaft dort sicher ausgelastet“, betont Engelbrecht.

Wie geht es nun weiter?

Die Vorbereitungen für den Übergang der Sparte zu Siemens sollen bald beginnen. Die entsprechenden Projektstrukturen befänden sich schon in der Anfangsphase, erklärt Engelbrecht. „Es wird viel Arbeit geben.“ Zum einen beinhaltet das die Verlagerung der IDT-Produktion vom Hagenmoos nach Rumänien, was in etwa sechs bis neun Monaten zu schaffen sein sollte, schätzt Engelbrecht. Aufwendiger ist die IT-Verlagerung, die innerhalb von 15, höchstens 18 Monaten, über die Bühne gehen soll.

Wieso wird die Sparte verkauft?

Die Veränderungen im Bereich IDT seien „strategisch von sehr langer Hand aufgegleist“ gewesen, sagt Engelbrecht. Seit 2022 fokussiert sich EBM-Papst auf das Kerngeschäft Luft- und Heiztechnik – bereits Mitte 2022 wurde IDT daher als eigenständige Division ausgegliedert. Es sei klar gewesen, dass in dem Bereich neue Vertriebsstrukturen gebraucht wurden – fraglich war bislang nur, ob EBM-Papst diese selbst aufbauen würde, oder ob der neue Vertriebszugang durch einen neuen Eigentümer zustande kommen sollte. Deshalb sei die konkrete Nachricht des Verkaufs an Siemens für einige Mitarbeiter schon eine Überraschung gewesen, sagt Engelbrecht. Doch dass sich im IDT-Bereich etwas ändern werde, sei klar gewesen.

Der Verkauf des IDT-Bereichs ist nicht der einzige Veränderungsprozess bei EBM-Papst St. Georgen. Wie läuft der Automotive-Ausstieg?

Im Zuge der Konzentration aufs Kerngeschäft treibt EBM-Papst seit 2022 auch den Ausstieg aus dem Automotive-Geschäft voran. Die Transformation läuft noch, wie Engelbrecht informiert. EBM-Papst lässt die Automotive-Aufträge auslaufen. Der Umsatz liegt in diesem Bereich mittlerweile noch etwa bei der Hälfte des früheren Umsatzes. In St. Georgen seien die meisten Mitarbeiter aus dem Automotive-Bereich bereits ins Lufttechnik-Geschäft übergegangen. Im Werk in Herbolzheim, das ebenfalls zu EBM-Papst St. Georgen gehört und früher komplett für Automotive produzierte, habe etwa die Hälfte der Mitarbeiter den Übergang schon hinter sich.

Künftig liegt der Fokus auf Luft- und Heiztechnologie. Ist die Konzentration aufs Kerngeschäft ein Risiko?

Nicht aus Sicht von Engelbrecht. Denn innerhalb der Luft- und Heiztechnik vertreibt EBM-Papst auf acht verschiedenen Geschäftsfeldern 19 000 unterschiedliche Produkte. Dadurch sei man trotz allem auf vielen verschiedenen Märkten vertreten, betont Engelbrecht.