Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Ebhausen Inferno zerstört das Freizeitparadies

Von
Als die Helfer ankamen, konnte nur noch Schadensbegrenzung betrieben werden. Das Gebäude brannte bereits lichterloh. Foto: Bernklau

Ebhausen-Rotfelden - Es war ein Ort des Lachens. Ein Ort, um mit der Familie für kurze Zeit aus dem Alltag auszubrechen und das Wesen dieser außergewöhnlichen Tiere zu erfahren. Doch wo noch vor einigen Tagen Kinder auf dem Rücken von majestätischen Kamelen saßen und durch die wunderschöne Landschaft des Nordschwarzwalds geritten sind, dort steht nun ein ganzer Ort in Schockstarre. Denn wo einst die große Scheune stand, die fast 100 Kamele beherbergte, dort erschließt sich dem Betrachter nur noch ein verbranntes Trümmerfeld. In nur wenigen Stunden brannte in der Nacht zum Donnerstag der größte Stall des Kamelhofs Rotfelden bis zum Erdboden nieder. Dabei verschlangen die Flammen nicht nur das Lebenswerk von Wilhelm Breitling, Eigentümer der Farm, sondern auch 86 der 91 Kamele, die dort untergebracht waren.

Temperaturen von bis zu 1800 Grad

Es war im Jahr 2002 als Breitling seine außergewöhnliche Idee professionell realisierte, im schwäbischen Hinterland eine touristische Kamelfarm zu betreiben. Gegen jeden Widerstand kämpfte er, um seinen Traum zu verwirklichen. Der Erfolg nahm den Zweiflern den Wind aus den Segeln. Über die Jahre entwickelte sich der Kamelhof zu einer der beliebtesten Attraktionen der Region. 30 000 Kinder jährlich kamen, um auf dem Rücken der Kamele und Dromedare zu reiten. Sogar therapeutisch wurden die außergewöhnlichen Tiere eingesetzt. Unvergesslich bleiben die Auftritte von "Blümchen" und "Drusilla" auf der Landesgartenschau in Nagold, oder der Marsch einiger Tiere durch das Brandenburger Tor.

Eine Region trauert – nicht nur um eine ihrer liebsten Attraktionen, sondern auch um 86 Kamele, die alle einen eigenen Namen trugen und die so vielen Kindern schöne Erlebnisse bereitet haben.

Um 2.13 Uhr wurde der Brand bei Polizei und Feuerwehr gemeldet, doch als die Einsatzkräfte eintrafen, kam trotz des beherzten Einschreitens von 115 Kräften der Feuerwehren Calw, Nagold, Altensteig und Ebhausen, jede Hilfe zu spät. "Als wir ankamen, war das Gebäude bereits im Vollbrand", erklärt Udo Zink, Pressesprecher des Kreisfeuerwehr-Verbands.

"Bei etwas abgelegenen Orten wie diesem, steht man vor der großen Herausforderung, die Wasserversorgung sicherzustellen", kommentiert der Pressesprecher den Einsatz. Deshalb mussten innerhalb kürzester Zeit 3,1 Kilometer Schlauch gelegt werden. Durch das Eingreifen konnte ein Übergriff der Flammen, auf ein weiteres Gebäude, das in Windrichtung lag, verhindert werden. Von der Scheune an sich bleibt am Morgen aber nur noch ein fast surreal anmutendes Bild: Vor dem strahlend blauen Himmel ragen noch einige verkohlte Träger in die Luft. Auf knapp 2000 Quadratmetern: verbogene Gestänge, schwarze Klumpen, die einmal Dachträger waren, an einigen Stellen flimmert die Luft aufgrund der Schwelbrände darunter, die, nach Aussage von Feuerwehrsprecher Zink, nun "systematisch gelöscht werden müssen".

Unter den Trümmern begraben liegen die Überreste der Kamele. "Unter Einsatz seines Lebens", gelang es Breitling selbst, noch fünf Tiere aus den Flammen zu retten, erklärt der Pressesprecher. Für die restlichen 86 Tiere kam jede Hilfe zu spät: Sie erstickten oder verbrannten innerhalb kurzer Zeit in den Flammen. Über den Tod der Tiere lässt sich laut Zink nichts Genaueres sagen: "Es waren in der Scheune Temperaturen von 1500 bis 1800 Grad, deshalb kann man darauf hoffen, dass die Tiere nicht lange leiden mussten." Breitling befindet sich mittlerweile in seelsorgerischer Betreuung. "Es ist tragisch, nein, es ist richtig schlimm", selbst an einem erfahrenen Feuerwehrmann wie Zink, geht diese Tragödie nicht spurlos vorbei.

Zu der Brandursache lässt sich bis dato noch nichts Genaueres sagen. Polizeisprecher Winfried König von der Polizeidirektion Calw: "Wir ermitteln in alle Richtungen. Derzeit sieht es nicht nach Brandstiftung aus, wir können aber beim jetzigen Ermittlungsstand nichts ausschließen." Aus diesem Grund suche die Polizei auch Zeugen, die etwas zu dem Geschehen berichten können, so König. "Derzeit sind vier Brandermittler, zwei Brandsachverständige und das LKA Stuttgart im Einsatz. Wir werden jetzt das Gelände Stück für Stück untersuchen, aber falls es Brandstiftung gewesen sein sollte, verhält es sich mit den Ermittlungen, wie mit der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen", erklärt Polizeisprecher König die Schwierigkeiten bei der Ursachenfeststellung. "Die ganze Scheune war voll mit brennbaren Materialien. Ein einziger Zigarettenstummel hätte den Brand verursachen können."

Große Anteilnahme in sozialen Medien

Auch Bürgermeister Volker Schuler war schon in den frühen Morgenstunden vor Ort: "Es ist bedrückend, eine Tragödie für die Familie Breitling. Heute Nacht ist hier ein Lebenstraum niedergebrannt. Wir müssen schauen, dass wir jetzt alles sauber aufräumen, dann werde ich mich mit Herrn Breitling zusammensetzen. Wir werden den zukünftigen Prozess begleiten." Für den Einsatz der Feuerwehr findet Schuler Worte des Stolzes: "Ich war neulich erst auf der Hauptversammlung der Feuerwehr und habe die Kameraden gelobt. Jetzt haben sie ihre Fähigkeiten gleich wieder unter Beweis gestellt", so der Bürgermeister von Ebhausen.

Die Tragik der Geschehnisse lässt sich nicht in Frage stellen, dennoch bleibt der Trost, dass keine Menschen zu Schaden kamen. Die Betreiber-Familie Breitling bleibt in ihrer Trauer jedoch nicht allein: "Ich kann gar nichts sagen, sie ist einfach weg" – Fassungslosigkeit in den Kommentaren der wenigen Passanten. Ein älterer Herr, eine junge Frau mit roten Haaren, beide haben Tränen in den Augen. "Ich habe so viele Erinnerungen an die Farm", heißt es von anderer Seite. Auch, wenn anfangs in einigen Kreisen noch Vorbehalte gegenüber dem Projekt waren, so ist die Welle der Solidarität, die der Betreiberfamilie entgegen gebracht wird rührend. Allein auf der Facebook-Seite des Hofs bekundeten mehr als 250 Menschen innerhalb weniger Stunden ihr Mitgefühl: "Ihr Hof war wunderbar und ein nicht zu ersetzendes Ausflugsziel für Kinder. Ich fühle mit Ihnen", "Es ist unfassbar schrecklich!! Wir sind schockiert und traurig", der Strom der Nachrichten reißt nicht ab. Viele publizieren Bilder mit den schönsten Erlebnissen auf dem Hof. Auch werden die ersten Aufrufe zum Spenden laut.

Große Bagger tragen noch drei bis vier Tage das ab, was einmal ein Symbol für Kinderfreude war. Zurück bleibt Asche, Trauer und das jähe Ende eines Lebenstraums.

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.