Im eigenen Proberaum üben die vier Musiker und entwickeln dabei ihren speziellen Musikstil. Foto: Graf

Vom schulischen Musiksaal auf die Bühnen des Heubergs – vor wenigen Jahren entstand aus einem Schulprojekt eine vierköpfige Band.

Nusplingen - Der ungewöhnliche Name lässt sich einfach erklären: Die drei "Magictones" sorgen mit ihren Instrumenten für einen melodischen und vielseitigen Klang. Und dann gibt es da noch den Schlagzeuger, den seine Mitmusiker als "dr’ Grausig" betiteln, da er sich nicht um Tonarten schert. Gemeinsam verzaubern die vier Männer vom Heuberg das Publikum mit ihrem besonderen Charme. Zuhause sind sie vor allem in der Jazz- und Swing-Welt.

 

Vielfältige Talente

Dank der vielfältigen Talente der einzelnen Mitglieder profitiert die Band von einer großen Auswahl an Musikinstrumenten. Tobias spielt Schlagzeug und Gitarre, Jonas singt und ist ein Ass am Keyboard. Marcs Herz schlägt für den Bass. Marcel bedient gleich eine Reihe an Instrumenten: Vom Saxofon über Posaune und Trompete bis hin zu Gitarre, Keyboard, Melodica und noch mehr lässt sich alles in seiner Sammlung finden. Mit ihrer Tonkunst spricht die Band ein breites Publikum an; dessen Altersspanne reicht teilweise von 20 bis mehr als 70 Jahre. Und auch mit dem Repertoire an Titeln deckt das Quartett eine beschauliche Zeitspanne von 100 Jahren ab: Von den 1920er-Jahren bis zu aktuellen Songs ist alles dabei.

Musikauswahl abseits des Mainstreams

Die Gruppe zeichnet sich aus durch eine "Musikauswahl abseits des Mainstreams", wie Marc Peter anmerkt. Ihre Musik sei nicht auf eine Stilrichtung herunterzubrechen, ganz nach dem Motto "die Mischung macht’s." Ursprünglich starteten die vier zwar als Jazz-Quartett, machten dann aber auch Ausflüge in andere Richtungen.

Heute spielen sie das, was ihnen gefällt. Darunter finden sich sowohl bekannte als auch einige unbekannte Titel, denen das vierköpfige Musikerteam seinen eigenen Touch verleiht. So wird im Proberaum viel experimentiert und zum Beispiel in den Taktarten variiert. Grundsätzlich besticht die Band durch einen eher leisen Gesangssound, im Kontrast dazu können die Jungs aber auch laut. Für die weiblichen Gesangsparts holen sie sich ab und an Unterstützung von Britta Neher.

Mit einem Schulprojekt hat es begonnen

Angefangen hat alles vor rund drei Jahren mit einem Schulprojekt, als Marcel, Tobi und Jonas das Gymnasium Meßstetten besuchten. Gemeinsam mit ihren Deutsch- und Geschichtslehrer Marc Peter starteten sie im Rahmen der Projekttage der Schule ein dreitägiges Musikexperiment. Dabei hatten sie so viel Spaß, dass sie sich – auch als das Abi bereits in der Tasche war – weiterhin im Musiksaal der Schule trafen, um dort gemeinsam musizierten.

Schnell war klar, dass die Gruppe musikalisch, instrumental und auch menschlich sehr gut harmoniert. Mittlerweile haben sie einen eigenen Proberaum im oberen Stock eines Nusplinger Tankstellengebäudes, wo es auch eine Küche und ein Wohnzimmer gibt, um den Bandzusammenhalt zu pflegen.

Corona erschwert den Start

Pech hatten die Musiker allerdings, als die Bandgründung nahezu mit dem Beginn der Coronapandemie zusammenfiel, sodass die Auftrittsmöglichkeiten lange beschränkt waren. Im Sommer dieses Jahres startete das Quartett dann so richtig durch und absolvierte zum Teil mehrere Auftritte pro Woche. So verzauberte das Quartett ihr Publikum im September bereits zum zweiten Mal mit ihrer eigenen Konzertreihe "Tonkunst an der Tanke".

Aufgrund des vielseitigen Repertoires könne die Band die unterschiedlichen Veranstaltungen und Anlässe bedienen. Mittlerweile seien sie so flexibel, dass sie ihr Programm an das jeweilige Publikum adaptierten. "Wir spielen, was bestellt wird", versichern die Jungs. Im Rahmen ihrer eigenen Konzertreihe freuen sie sich dann aber auch, eigene Schwerpunkte zu setzen. Dabei haben sie den Anspruch, ihrem Publikum jedes Jahr ein komplett neues Konzert zu bieten. Um das zu erreichen, proben die Musiker jeden Samstag für fünf bis sechs Stunden. Dadurch seien sie mittlerweile ein perfekt eingespieltes Team. "Jeder weiß, wie der andere funktioniert", stellen sie fest.

Am gemeinsamen Musizieren schätzen die Mitglieder von "Dr Grausig & the Magictones" vor allem das Miteinander. Geselligkeit Die ehemaligen Hierarchieverhältnisse zwischen Lehrer und Schüler haben sich zu einer Freundschaft auf Augenhöhe gewandelt.

Gemeinsamkeiten trotz unterschiedlicher Vorlieben

Dass sich die vier einmal zu einer gemeinsamen Band mit Jazz-Charakter zusammenschließen würden, hätte man vor ein paar Jahren unter Betrachtung der einzelnen Vorlieben wohl eher nicht erwartet. Deutlich wird dies beispielsweise, wenn Marcel und Tobi von ihren Karrieren erzählen. Auch wenn die ersten Zugänge zur Musik bei beiden in Verbindung mit der Blasmusik standen, schlug Tobis Herz mit der Zeit in Richtung Rockmusik, während Marcel die Kirchenmusik für sich entdeckte und heute unter anderem auch als Organist tätig ist. Jonas sei eigentlich der einzige aus der Gruppe, der mit Swing und Jazz groß geworden sei. Doch so verschieden die Jungs auch sein mögen – in der Stilrichtung der Band haben alle vier einen gemeinsamen Nenner gefunden, in dem sie perfekt miteinander harmonieren und sich gegenseitig ergänzen.

Auf der Homepage www.drgrausig.de erhalten Neugierige eine kleine Hörprobe.