Sven Mislintat im Dezember beim VfB-Auswärtsspiel in Dortmund. Foto: Baumann

Borussia Dortmund zeigt reges Interesse an einer Verpflichtung des VfB-Sportdirektors Sven Mislintat vom Sommer 2022 an. Der Verein aus dem Ruhrpott würde sich damit aber auch ein Problem schaffen, kommentiert Gregor Preiß.

Dortmund/Stuttgart - Auch bei Borussia Dortmund hat Corona Pläne reihenweise über den Haufen geworfen. Eigentlich würde Michael Zorc in diesem Sommer abtreten, hätte es die Pandemie nie gegeben. So aber hängte der Sportchef und das Urgestein der Borussia (seit 1978 im Verein) zur Bewältigung der wirtschaftlichen Herausforderungen ein weiteres Jahr dran. 2022 soll dann endgültig Schluss sein für den 58-Jährigen – ob nur bei der Borussia oder gänzlich, steht noch in den Sternen.

 

Dessen ungeachtet ist die Nachfolgedebatte beim BVB voll entbrannt. Die „Ruhr-Nachrichten“ hatten von einem gesteigerten Interesse an Sportdirektor Sven Mislintat vom VfB Stuttgart berichtet. Nach allem, was man aus Dortmund hört, handelt es sich dabei keineswegs um eine Ente. Mehr noch: Der 48-Jährige gilt inzwischen als Wunschkandidat, nachdem Planspiele mit anderen, wie etwa mit Mönchengladbachs Sportchef Max Eberl, nicht weiterverfolgt wurden.

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Die Gründe für Mislintat liegen auf der Hand: Das Diamantenauge hat für den VfB vielversprechende Talente an Land gezogen und den Club sportlich wieder in die Spur gebracht. Außerdem hat der gebürtige Dortmunder und langjährige Chefscout des BVB einen entsprechenden schwarz-gelben Hintergrund. Noch immer genießt Mislintat in der Heimat hohes Ansehen, allen voran bei Clubboss Hans-Joachim Watzke. Daran konnte auch der Disput mit Ex-Trainer Thomas Tuchel nichts ändern. Verbrannte Erde hat Mislintat nach seinem Abgang zu Arsenal London im Jahr 2017 jedenfalls nicht hinterlassen. Nicht zuletzt hat Mislintat erste Gerüchte über einen möglichen vorzeitigen Abgang aus Stuttgart nicht gerade in Bausch und Bogen dementiert.

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„Ich bin gebürtiger Dortmunder. Das heißt, wenn es da ein Interesse gibt, dann ist das nichts, was mich kalt lässt“, teilte er am Wochenende mit. Mislintat sagte aber auch: „Sie müssten erst mal ein extrem gutes Projekt hinstellen, und in Stuttgart müsste sehr viel falsch laufen, dass ich überhaupt darüber nachdenken würde.“ Im Dezember hat er seinen Vertrag beim VfB bis 2023 verlängert.

Was nichts heißen muss. Grundsätzlich könnte eine Neuauflage in Dortmund ab 2022 wie Deckel auf Topf passen. Könnte – denn ganz so einfach ist die Sache auch aus Dortmunder Sicht nicht. Dabei spielt ein weiteres BVB-Urgestein eine zentrale Rolle: Sebastian Kehl. Der 41-Jährige fungiert als „Leiter der Lizenzspielerabteilung“ als eine Art Teammanager bei der Borussia. Kehl hat das Ohr nah an der Mannschaft, lotet Strömungen aus und soll Konflikte innerhalb des Teams im Keim ersticken. Was in Dortmund nicht immer ganz einfach ist. Kehl soll den Job aber gut bewältigen, weshalb er lange als Zorcs Kronprinz galt. „Insgesamt traue ich mir die Aufgabe natürlich zu und bin davon überzeugt, dass ich das gut regeln kann,“ untermauerte er Anfang des Jahres seine Ambitionen. Watzke sprach davon, dass Kehl sich in der Pole-Position auf den Posten des Sportchefs befinde.

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Doch mehren sich inzwischen die Zweifel, ob dem früheren BVB-Profi die alleinige Verantwortung übertragen – oder besser: zugemutet werden soll. Der komplexe Job des Sportchefs, mit all seinen Auswüchsen in der Spieler- und Beraterszene, könnte für Kehl vielleicht eine Nummer zu groß sein, heißt es. Weshalb die Spur zu Mislintat aufgenommen wurde. An ihm beeindruckt die Verantwortlichen der Borussia vor allem sein Netzwerk, weshalb Watzke und Co. ein Duo Mislintat/Kehl als Ideallösung erscheint. Damit würde sich aber Kehl wenig anfreunden können, da klar sein dürfe, wer dann den Koch und wer den Kellner gibt.

Schon zu seiner Zeit als Scout fühlte sich der selbstbewusste Mislintat zu Höherem berufen. Zorc musste ihn angeblich immer wieder daran erinnern, dass er „nur“ Chefscout und nicht Neben-Sportdirektor ist. In Stuttgart hat der Westfale nun seinen Meister als Kaderplaner und sich damit zur Dortmunder Wunschlösung gemacht. Wenn auch zu einer mit Haken.