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Dornhan Der Bio-Honig ist ein gefragtes Produkt

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Richard Graf nimmt vorsichtig eine Wabe aus dem Kasten. Die Bienen bleiben friedlich. Foto: Schwarzwälder Bote

Ein Fernsehteam besuchte vor kurzem Richard Graf: Die Kameraleute machten im Auftrag des SWR für die Sendung "Nachgehakt" Aufnahmen von seiner Bio-Imkerei in Gundelshausen.

Dornhan-Gundelshausen. Graf ist Wachslieferant für "Bee food Wraps" – Bienenwachstücher, die eine Firma herstellt und über die der Kontakt zum Fernsehen zustande kam. Seine Imkerei ist nach Demeter zertifiziert, und deshalb muss Graf besonders strenge Richtlinien beachten. Im Mittelpunkt steht nicht die maximale Honigausbeute, sondern das Bienenvolk als ein Organismus.

Wichtig dabei: Der Imker dürfe in den Brutraum keine Zwischenwände einhängen, der Bereich für die Königin müsse ungeteilt sein, erklärt Graf. Die Waben stellen ausschließlich die Bienen mit "ausgeschwitzten Wachsplättchen" her – ein reines Naturprodukt. Die Königin legt dann in die Zellen ihre Eier. Wenn sich die Larven verpuppen, werden sie zugedeckelt. 21 Tage dauert es, bis das fertige weibliche Insekt schlüpft.

Das Geschlecht bestimmen die Bienen, indem sie unterschiedlich große Zellen bauen. Die kleineren lösen bei der Königin einen Reflex am Hinterleib aus, der dazu führt, dass die gelegten Eier befruchtet werden. Das passiert nicht bei den größeren Zellen, aus denen, drei Tage später als die Arbeitsbiene, die Drohne herauskommt.

Graf zeigt auf den untersten Kasten mit den Waben: "Das ist die eiserne Reserve." Die tastet er nicht an. Er entnimmt nur den überschüssigen Honig, der sich im obersten Kasten befindet. Damit verzichtet er freiwillig auf einen wesentlichen Ertrag.

Schmeckt der Bio-Honig besser? "Die Kunden sagen ja", erklärt Graf. Und dafür nehmen sie zum Teil lange Anfahrten in Kauf. Ein Bio-Honig-Liebhaber kommt extra aus Paris nach Gundelshausen. Er deckt sich bei Graf gleich kiloweise mit Tannenhonig ein. Absatzprobleme hat der Imker nicht: "Ich könnte sogar noch mehr Völker halten."

Die Imkerei ist nicht nur eine Wissenschaft für sich, sondern auch ein anstrengender Job. Graf zündet sich seine Imker-Pfeife an und bläst den beruhigenden Rauch auf das krabbelnde Bienenvolk. Dann hebt er einen Rahmen heraus, in dem sich anderthalb Kilo Honig befinden. Er zählt insgesamt sieben verschiedene Schritte, angefangen beim Abfegen der Bienen von der Wabe, dem Schleudern, Sieben und Reinigen, bis der Honig in die Gläser abgefüllt werden kann und schließlich beim Kunden ankommt.

Bio bedeutet nach Demeter nicht nur eine naturgemäße und aufs Tierwohl ausgerichtete Haltung der Völker. Der zertifizierte Bienenzüchter darf mit seinen Bienenkästen auch nicht in Gebiete mit chemisch behandeltem Raps oder gespritzten Obstbeständen wandern.

Graf kann seine Bienen natürlich nicht anbinden. Vor zwei Jahren hat er 60 Prozent seiner Völker verloren – nicht wegen der Varroamilbe. Es war, erzählt er, ein wochenlanger Prozess, bis nur noch die Königin übrig blieb. Tote Bienen lagen nicht im Kasten: "Sie sind alle draußen gestorben." Woran, das kann nur vermutet werden. "Es ist bekannt, dass verschiedene Insektizide bei Bienen einen Gedächtnisverlust hervorrufen und sie dadurch ihre Orientierung verlieren", sagt Graf. Ob das der Grund war für das Bienensterben, kann er nicht beweisen. "Ich musste mich damit abfinden", meint er. Das Phänomen ist seither auch nicht mehr aufgetreten. Auf Landwirte schimpft er jedenfalls nicht. Er weiß, dass sie wirtschaftlich arbeiten müssen, um existieren zu können.

Richard Graf ist Vorsitzender des Bezirksimkervereins Sulz. Zuletzt fand in Fischingen die Waldbegehung statt, andere Veranstaltungen wie etwa die angedachte Jungimkerschulung mussten wegen der Corona-Pandemie ausfallen.

Immerhin: Zwei junge Mitglieder, der eine 24, der andere zwölf Jahre alt, sind dem Verein neu beigetreten. Die Nachwuchsarbeit will der Vorsitzende intensivieren. Vor Corona hat Graf auch einen Projekttag zu Insekten und eine Bienengarten-AG an der Grundschule angeboten.

Angst sollte man bei der Imkerei übrigens nicht haben. Gestochen werden nämlich nur die Ängstlichen, behauptet der Imker.

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