Nicht nur Jugendliche können die Nachrichten belasten. Foto: imago//gpointstudio

Erst die Ukraine, jetzt Israel: Nachrichten über Krieg und Terror bestimmen die Schlagzeilen, und viele lesen und gucken sie in Dauerschleife. Wie verhindert man, dass es zu viel wird – und wie bringt man Kindern das Thema näher?

Der Terror in Israel dominiert die Nachrichten. Schon nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine wurde häufig von Doomscrolling gesprochen, ein exzessives, fast schon zwanghaftes Konsumieren von Nachrichten über den Konflikt, das die psychische Gesundheit belasten kann. Die Medienpädagogin Andrea Zeisberg erklärt, wie viel zu viel ist.

 

Frau Zeisberg, wie finde ich das richtige Maß an Nachrichten?

Es gibt Leute, die gewinnen eher Sicherheit dadurch, dass sie immer auf dem neuesten Stand sind. Sehr viele fühlen sich aber auch mit jeder neuen Meldung über Anschläge und Todesopfer verunsichert und leiden dann darunter. Da würde ich raten, dass jeder ein Stück weit auf sich selbst hört.

Wie vermeidet man, dass es zu viel wird?

Wenn man merkt, dass man schlechter schläft, nicht mehr abschalten kann oder im Alltag oft daran denken muss, sollte man versuchen, Abstand zu gewinnen. Etwa, indem man Auszeiten schafft. Man kann zum Beispiel gezielt ein Zeitfenster am Tag festlegen, in dem man Nachrichten liest und sich informiert, danach aber auch wieder alles schließt und etwa die Push-Meldungen der Apps deaktiviert. Das Ziel ist es, Raum für den eigenen Alltag zu schaffen.

Kann zu intensives Lesen der Nachrichten auch zu einer Abstumpfung führen?

Es kann ein Schutzmechanismus eintreten – man lässt nicht mehr an sich ran, was einen emotional belastet. Man sollte nicht sein ganzes Leben von diesen Nachrichtenmeldungen bestimmen lassen, sondern sich auch mit den positiven Aspekten des eigenen Lebens auseinandersetzen. Es kann auch helfen, sich bewusst zu machen, dass Nachrichten dazu da sind, die herausragenden Ereignisse zu publizieren, und deswegen die krassen Sachen präsenter sind.

Manche Eltern versuchen, ihre Kinder zu schützen, indem sie das Thema von ihnen fernhalten. Ist das eine gute Idee?

Man kann ein Kind nicht in Watte packen. Spätestens in der Schule wird dieses Thema aufkommen, auf dem Schulhof werden Bilder rumgehen. Deswegen ist es wichtig, dass man immer mit dem Kind im Austausch ist – damit es sich traut, zu den Eltern zu gehen und zu sagen: „Hey, das macht mir Angst.“ Dann kann man als Elternteil auch informieren, die Ängste nehmen und trösten.

Wie kann man mit Kindern darüber reden, ohne Schockmomente auszulösen?

Es ist gerade bei jungen Kindern wichtig, diese Fragen ernst zu nehmen und zu beantworten. Dabei sollte man sachlich bleiben und darauf achten, die eigenen Emotionen nicht ungefiltert weiterzugeben – weil es Kinder sehr stark verunsichert, wenn die eigenen Eltern auch Angst äußern. In diesen Antworten sollte man altersgerecht bleiben, zu viel Kontext kann überfordern. Kinder-Nachrichtensendungen können dafür hilfreich sein. Etwa ab zehn Jahren darf man ein Kind durchaus auch die „Tagesschau“ gucken lassen. Aber immer begleitet von der Familie, damit man direkt darauf eingehen kann, wenn Fragen aufkommen.

Die Medienpädagogin

Expertin
Andrea Zeisberg leitet die medienpädagogische Beratungsstelle des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg. Das Ziel der Beratungsstelle ist, mit Angeboten die Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern, Lehrern und Eltern zu fördern.

Unterstützung
Das Landesmedienzentrum hat einen detaillierten Ratgeber erstellt, wie man mit Heranwachsenden über Kriegsbilder sprechen kann. Die Inhalte finden Sie hier.