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Donaueschingen Ohne ihn sähe Donaueschingen anders aus

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Foto: Jakober Foto: Schwarzwälder Bote

Es war vor 46 Jahren, als Bernhard Everke einen kleinen Zettel entfaltete, ihn las und zu seiner Charlotte in die Küche ging. "Charlotte, wollen wir nach Donaueschingen gehen?", fragte der heute 80-Jährige damals.

Donaueschingen (jak). Charlotte Everke dachte nicht lange nach und antwortete ohne Fragen und Diskussionen mit Ja.

Wäre die Antwort damals anders ausgefallen, hätten nicht nur die Everkes in Donaueschingen keine neue Heimat gefunden, die Stadt würde auch anders aussehen.

31 Jahre lang prägte und entwickelte Bernhard Everke zuerst als Bürgermeister und dann ab 1993 als Oberbürgermeister die Stadt. Dabei war die Ausgangsbasis bei Amtsantritt alles andere als gut. Donaueschingen hatte gerade seinen Kreissitz verloren, das Stadtbewusstsein hatte einen kräftigen Dämpfer erhalten. Es gab kaum Wirtschaft und kaum Arbeitsplätze, ganz zu schweigen von den Finanzen der Stadt.

Seine Visionen umgesetzt

Everkes Masterplan: Förderprogramme, Firmen ansiedeln, Infrastruktur ausbauen. Er hatte eine Vision von Donaueschingen und hat vieles getan, um diese umzusetzen. Da wurde auch mal bis auf die höchsten Ebenen telefoniert, um das nötige Geld zu beschaffen, um die Musiktage zu retten. Für den Bau der Reitturnierbühne wurde er in Stuttgart für die nötigen Mittel vorstellig. Und dass der damalige Bundespräsident Roman Herzog gleich zweimal seinen Besuch in Donaueschingen abgesagt hatte, konnte Bernhard Everke nicht hinnehmen. Ein langer Brief mit deutlichen Worten und einem Augenzwinkern veranlasste Herzog letztendlich doch, zum Donaueschinger Regionalgespräch zu kommen. Ein Format, das sich damals schon etabliert hatte. Im ersten Jahr war es allerdings nicht so einfach, die regionalen Größen aus Wirtschaft und Politik nach Donaueschingen zu locken. Villingen: ja, Tuttlingen: ja. Aber Donaueschingen, da geht man doch nicht hin. Das kann nicht sein, sagte sich Everke, putzte Klinken und fuhr die eine oder andere hohe Persönlichkeit selbst zur Veranstaltung.

Hatte sich Everke etwas in den Kopf gesetzt, kämpfte er dafür: Etliche Prügel musste er beispielsweise für die beiden Pferde auf dem Kreisverkehr am Stadteingang einstecken. Everke hielt es aus, als der Künstler kurzfristig sein Kommen absagte, stand Everke morgens selbst am Kreisverkehr und dirigierte die Pferde in die richtige Position. Zurück im Rathaus wartete schon ein Telegramm des Fürsten Joachim zu Fürstenberg auf ihn. Joki gratulierte ihm zu dem gelungenen Kunstwerk, heute kritisiert niemand mehr den Pferdekreisel, der zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Damals war das Verhältnis zwischen Stadt und Fürstenhaus noch ein anderes. Wenn es ein Problem gab, sprach man miteinander. "Joki rief an und fragte, ob er zu mir kommen soll oder ich zu ihm komme." Und so wurde manches auf der persönlichen Ebene aus der Welt geräumt.

Menschen sind ihm wichtig

Doch über all dem stand immer die Begegnung mit den Menschen. "Es ist wichtig, zu wissen, wo der Schuh die Leute drückt und auch wenn man eine klare Idee hat, muss man den Leuten das erklären", sagt der Donaueschinger Ehrenbürger. In einer Zeit, in der Transparenz noch nicht das große Modewort war, führte er die Bürgergespräche ein. War in der Stadt unterwegs und in den Dörfern und sprach mit den Leuten. Und das hat sich bis heute nicht gelegt. "Die Besuche freitags auf dem Wochenmarkt dauern etwas länger", gibt er zu. Everke kennt viele und viele kennen Everke.

Das Zeichen, dass er und seine Charlotte irgendwann im Laufe der Jahrzehnte zu Donaueschingern geworden sind? "Wenn wir junge Leute treffen, kennen wir mittlerweile die Großeltern und die Eltern", sagt Charlotte Everke. Gemeinsam ist das Ehepaar auch bei allen wichtigen Veranstaltungen in der Stadt stets dabei und gern gesehen. Ein bisschen verändert hat sich das Verhalten der Donaueschinger gegenüber Bernhard Everke schon: Die Leute gehen davon aus, dass heute sein Terminkalender nicht mehr ganz so voll ist und suchen auch mehr von sich aus das Gespräch und vertrauen sich dem Alt-Oberbürgermeister an. Auch wenn sein Auftreten während der Amtszeit stets das eines Oberbürgermeisters war, Everke war immer menschlich und herzlich und das hat er bis heute beibehalten. Dabei schiebt Bernhard Everke auch mit 80 Jahren noch lange keine ruhige Kugel: "Fidel und voller Tatendrang" ist er auch heute noch. Langweilig wird's ihm sicher nicht.

Immer voller Tatendrang

"Was steht heute an", fragt er gerne morgens seine Charlotte. Man kann eben nicht so ganz aus seiner Haut heraus, wenn man sein Leben lang etwas bewegt hat und die Dinge vorangetrieben hat: "Aber ich bessere mich von Jahr zu Jahr", sagt Everke und grinst schelmisch. Die 15 Jahre seit er nicht mehr im Chefsessel im blauen Rathaus sitzt, hat er für seine persönlichen Leidenschaften genutzt: Kunstgeschichte und Philosophie. In Tübingen und Konstanz hat er die Universitäten besucht. In der Stuttgarter Staatsgalerie war er oft zu Gast und hat sich fortgebildet. Und sich nicht nur mit seiner Liebe zur Kunst, sondern auch mit seinen Kontakten eingebracht: Für ein Werk über den Eiffelturm stellte er über Adrian Zeller, den ehemaligen Bürgermeister der französischen Partnerstadt, den Kontakt zum Enkel des Ingenieurs, der für die Erbauung verantwortlich ist, her. Netzwerke hat man eben, um sie zu nutzen.

Ohne seine treue Assistentin Regina Wenzler, die er im Rathaus zurücklassen musste, galt es für Everke auch, sich die Welt der Computer und des Internets zu erschließen. E-Mail, Digitalfotografie und vieles mehr ist nach dem Besuch von Volkshochschulkursen heute kein Problem mehr.

40. Sportabzeichen

Sportlich ist er immer noch. Schwimmen und Radfahren, das Sportabzeichen, für das ihn vor Jahrzehnten der damalige Verkehrsamtsleiter Hans Peter Probst begeistert hat, legt er immer noch ab. In diesem Jahr zum 40. Mal. Und Gold sollte es dann auch wenigstens sein. Da stellt sich der "Knall" beim 50-Meter-Lauf auch schon einmal als Adduktoren-Muskel-Abriss heraus. Und dann ist da noch sein Garten, in dem er sich nicht nur gerne aufhält, sondern auch die nötige Arbeit erledigt. Und die Familie: Oft führt das Ehepaar Everke heute der Weg nach Hamburg – zur Familie von Sohn Johannes und den Enkelkindern Clemens, Constantin und Margarethe. Oder zu Tochter Claudia nach Stuttgart.

In Donaueschingen fühlt sich das Ehepaar Everke zu Hause. Doch was ist mit der Kommunalpolitik? Juckt es da nicht gelegentlich doch noch in den Fingern, wenn man so lange die Geschicke eine Stadt geprägt hat? "Doch. Aber das würde ich nie zugeben", sagt Everke.

Bernhard Everke kam am 12. Februar 1939 in Hagen in Westfalen zur Welt. Aufgewachsen ist er in Konstanz. Von 1958 bis 1963 studierte er in in Tübingen Rechtswissenschaften und Staatswissenschaften. 1964 wurde er promoviert. Nach dem zweiten Staatsexamen war er ab 1968 Leiter des Stadtrechtsamts und der Abteilung für Wirtschaftsförderung in Idar-Oberstein. Im Oktober 1973 wurde Everke Bürgermeister in Donaueschingen und im Jahr 1993 wurde er Oberbürgermeister als Donaueschingen zur Großen Kreisstadt erhoben wurde. 2004 trat Everke in den Ruhestand und wurde ein Jahr später zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Außerden erhielt er 2004 das Verdienstkreuz 1. Klasse und das der Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold.

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