Das 110. Infanterieregiment war der französische Teil der Brigade in Donaueschingen, hier ein Appell vor dem Schloss. Foto: Kienzler

Am Montagabend Abschiedsparade durch die Stadt zu den Donauhallen. Bevölkerung eingeladen.

Donaueschingen - Sag zum Abschied leise Servus: Wer kennt ihn nicht? Den Schlager, den unter anderem auch Peter Alexander sang und dessen Text sich mit den Worten "...Tja, also diesmal ist es wirklich soweit..." fortsetzt. Am kommenden Dienstag ist es soweit: Der Auflösungsappell findet statt.

Es halfen keine Hintergrundgespräche, es halfen keine Argumente. Das französische Verteidigungsministerium blieb dieses Mal hart. Der französische Standort Donaueschingen wird aufgegeben. Ab Sonntag bis zum Dienstag finden dazu die "Verabschiedungs-Feierlichkeiten" statt – ob jedoch so vielen zum Feiern zu Mute ist, das sei dahingestellt.

Bereits 1996 war das Bangen um den Standort Donaueschingen groß. Im Februar hatte der damalige Präsident Jacques Chirac eine große Militärreform angekündigt. Es war der Übergang zur Berufsarmee. Chirac gab Planungen bekannt, die Regimenter von 124 auf rund 85 zu verringern und somit auch die Zahl der Mannschaften und Offiziere. Dies betraf auch die französischen Soldaten auf deutschem Staatsgebiet.

Am 11. Juli 1996 wurde es in Paris verkündet: In einem Zeitraum von drei Jahren soll die Truppe von 20 .000 auf 3000 Mann in Deutschland reduziert werden. Es gab ein tagelanges Zittern, bis der damalige Verteidigungsminister Charles Millon bekannt gab, welche Standorte erhalten blieben, darunter war Donaueschingen einer von vieren.

Doch dieses Mal wurde das Aus am 31. Oktober verkündet. Was damals noch weit weg erschien, ist heute um so näher – die Verabschiedung. Insgesamt verlassen rund 750 Soldaten den Standort zusammen mit zirka 1200 Angehörigen. Hinzukommen die Zivilangestellten. Ein Teil der Soldaten ist auch schon aus Donaueschingen abgezogen worden und hat den Dienst in den neuen Einheiten aufgenommen.

Los geht es am Sonntag mit einem Gottesdienst um 11 Uhr in der Stadtkirche St. Johann. Anwesend sind Fahnenträger sowie Abordnungen der Kompanien. Die Messe ist zudem eine Gedenkfeier an 50 Jahre 110. Infanterieregiment in Donaueschingen und zu Ehren der im Dienst und im Auslandseinsatz verstorbenen und gefallenen Soldaten. Die Abschiedsparade startet am Montag, 23. Juni, um 18 Uhr. Auf zwei Marschwegen, von der Friedhofstraße und von der Villinger-/Lehenstraße her,wird das 110. Infanterieregiment in Richtung Festplatz marschieren, sich dort vereinigen und anschließend über die Käferstraße zu den Donauhallen marschieren. Der Marsch wird begleitet durch die Militärmusik "Musique del la 9ème Brigade d´infanterie de Marine", dies ist eine bretonische Formation mit Dudelsack.

Um 18.30 Uhr beginnt der feierliche Appell vor den Donauhallen, die Bevölkerung ist dazu eingeladen, ebenso zum Empfang ab 19.30 Uhr im Bartók Saal. dort wird es Ansprachen von Oberbürgermeister Pauly und Colonel Waché geben. Am Dienstag gibt es eine militärische Zeremonie mit offiziellem Auflösungsappell in der französischen Garnison Foch.

Die Donaueschinger Garnison hat eine lange Geschichte. Früher auf dem Gebiet Linsen­ösch, wurde sie vor und im Ersten Weltkrieg auf das jetztigen Areal verlegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, Donaueschingen war unter französischer Besatzung, zog deren Militär ein.

Das heutige 110. Infaterieregiment der Franzosen hat ebenfalls eine lange Historie. Gegründet am 18. August 1772, kämpfte es an der Seite Washingtons im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, in den darauf folgenden Jahren in Fleurus 1794, Zürich 1799, Verdun 1916, La Marne 1918. Am 1. Juli 1964 nach Einsätzen in Indochina und Algerien in Donaueschingen stationiert, wurden sie am 2. Oktober 1989 Teil der neu gegründeten Deutsch-Französische Brigade. Die wurde in jenem Jahr aufgestellt. Grundlage dafür war der Elysée-Vertrag über die deutsch-französische Zusammen-arbeit, die auf vier Prinzipien beruht: Versöhnung, Solidarität, Freundschaft und Zusammenarbeit.

Von Donaueschingen aus waren die Soldaten in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf Einsätzen in Afrika, zuletzt beispielsweise in der Zentralafrikanischen Republick, Djibouti und Tschad. Zusammen mit dem Jägerbaitaillon 292 war man auch auf dem Balkan. Dort traf die Deutsch-Französische Brigade wohl auch einer der größten Schicksalsschläge der jüngeren Geschichte, als im Mai 1997 zwei Soldaten des deutschen Jägerbataillons 292 im Einsatz ums Leben kamen. Die Donaueschinger sowie die französischen und deutschen Kameraden trauerten am 29. Mai 1997 gemeinsam in den Donauhallen mit den Angehörigen. Dies alles verbindet und schafft Freundschaften, welche jetzt räumlich auseinander gerissen werden. Auch muss die Stadt sich Gedanken machen, was mit den 15 Hektar Gelände passiert, Stichwort: Konversion. Hierzu gibt es am 12. Juli einen Bürgerworkshop.

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