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Donaueschingen Harter Kampf um Auszubildende

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Steven Horn (rechts, nebenLazar Todorovic) hat vor kurzem bei IMS Gear seine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker erfolgreich abgeschlossen. Foto: IMS Gear

Donaueschingen/Hüfingen/ Bräunlingen - Fachkräftemangel gefährdet das Wirtschaftswachstum – wie heimische Firmen mit dem Problem umgehen. Handwerksbetriebe haben es generell schwerer, da die jungen Leute oft lieber studieren gehen.

Bernhard Blenkle von Fahrzeugbau Blenkle kann sich nicht beklagen. Zwar könnte er aufgrund der sehr guten Auftragslage noch zwei oder drei weitere Mitarbeiter gebrauchen. Ein ausdrückliches Defizit an Fachkräften habe er jedoch nicht zu verzeichnen. Auch die Zahl seiner Auszubildenden sei über die vergangenen Jahre recht konstant geblieben. Jedes Jahr bemühe sich sein Betrieb, eine Lehrstelle zu besetzen, worin sein Erfolgskonzept liege, so Blenkle. Während viele größere Unternehmen ihre Lehrstätten einst geschlossen hätten, bilde er seine Arbeiter seit vielen Jahren selber aus. "Oft nehmen Firmen auch nur Lehrlinge aus einem Umkreis von zehn Kilometern an, weil sie befürchten, dass sie sonst nach der Ausbildung woanders hin gehen. Diese Erfahrung kann ich überhaupt nicht teilen", ergänzt er. Dominik Hägert, Auszubildender im zweiten Jahr, kann die Lehre beim Fahrzeugbauer nur weiterempfehlen: "Ich habe noch nie etwas zweimal genau gleich gebaut. Die große Gestaltungsfreiheit lässt es nicht langweilig werden und am Ende des Tages sehe ich, was ich geschafft habe."

Straub Verpackungen: Für das Bräunlinger Unternehmen hat sich die Suche nach geeigneten Auszubildenden zu einem echten Kampf entwickelt, wie Victoria Amann von der Personalabteilung berichtet: "Letztes Jahr konnten wir für zwei Plätze keine passenden Bewerber finden. Dieses Jahr haben wir unsere 17 Plätze zwar besetzt bekommen, aber es war sehr schwierig." Auf dem Stellenmarkt sehe es noch schlechter aus: Rund zehn Mitarbeiter fehlten dem Unternehmen. "Dadurch, dass hier in der Region hauptsächlich die Metallbranche angesiedelt ist, leiden wir unter erschwerten Bedingungen. Insbesondere Packmittel- und Medientechnologen bekommen wir eigentlich nur durch eigene Ausbildung", beschreibt Amann. Die Ursache des Problems sei vielfältig: Zum einen treffen die Unternehmen der demografische Wandel und der Trend zum Studium. Dabei, so Amann, sei die Chance auf eine tolle Karriere in den Ausbildungsberufen oftmals höher. Hinzu komme ihrer Meinung nach eine Orientierungslosigkeit nach der Schule. Mit Dennis Kalinics konnte das Unternehmen dieses Jahr einen Ausbildungsplatz besetzen, der bereits im letzten Jahr ausgeschrieben war. Der 20-Jährige ist nach sechs Wochen Arbeit begeistert: "Bis zum Jahr vor meinem Abitur wollte ich eigentlich Maschinenbau studieren. Aber noch mal vier Jahre reine Theorie wollte ich dann doch nicht. In meiner Ausbildung lerne ich nun gezielt, was ich für meine Arbeit brauche und wende es praktisch an. Während mich ein Studium viel kosten würde, verdiene ich schon. Außerdem werde ich hier gefördert und schätze die große Menschlichkeit."

Maler Baur: "Wir hatten dieses Jahr sehr großes Glück", verrät Jochen Baur aus Donaueschingen. Denn auf der letztjährigen Berufsmesse der Eichendorffschule sei es seinem Malereibetrieb tatsächlich gelungen, eine junge Frau als Auszubildende zu gewinnen. So gut lief es in letzter Zeit nicht immer: "Vor rund fünf Jahren hat diese Entwicklung angefangen, dass wir immer wieder gar keinen neuen Lehrling finden konnten. Das war in den 20 Jahren zuvor noch nie passiert." Weil er aber seinen Mitarbeiterstamm hauptsächlich aus selbst ausgebildeten Fachkräften beziehe, bereite ihm die Zukunft durchaus Sorgen. Noch habe er genug Mitarbeiter, aber bei vielen nahe das Rentenalter. "Ich glaube, das Problem sind vor allem die Eltern und Lehrer. Den jungen Leuten wird vermittelt, dass ein handwerklicher Beruf nichts wert ist und sie lieber studieren sollen", vermutet Baur. Dabei habe das Handwerk einige Vorteile: "Man sieht am Ende des Tages, was man gemacht hat, und wenn ein Auftrag fertig ist, dann freuen sich alle darüber." Die Situation wird sich weiter verschärfen, da ist sich Baur sicher. Dennoch dürfe man nicht aufgeben, dagegen zu steuern. Ein wichtiger Schritt sei schon getan: "Die Meisterprüfung wurde gerade einem Studienabschluss gleichgesetzt, das Handwerk wird wieder mehr wertgeschätzt." Hochzufrieden mit seiner Ausbildung bei Maler Baur ist der 19-jährige Kai Erban. Er schätzt besonders die Kreativität und die Abwechslung.

Frei-Lacke: Auch das Dögginger Unternehmen muss um neue Auszubildende kämpfen. Dieses Jahr konnte die Abteilung von Personalleiter Winfried Klötzer ihre Ausbildungsquote von zehn Prozent zwar einhalten, allerdings nur unter enormem Aufwand. Die Hauptursache sieht Klötzer im demografischen Wandel. Gleichzeitig habe sich der Wettbewerb zwischen den Firmen um Nachwuchs enorm intensiviert.

"Es kommt immer häufiger vor, dass Bewerber zu mir kommen, die schon mehrere Angebote aus anderen Betrieben haben. Da ist es natürlich umso schwieriger, geeigneten Nachwuchs an Land zu ziehen.", erklärt er. Gelungen ist das bei Simon Blank. Der kann in einer Ausbildung zum Lacklaboranten seine chemischen Interessen zur Anwendung bringen. Durchaus bewährt habe sich die Übernahme von Zeitarbeitern in die Ausbildung: "Wenn sich jemand gute Arbeit leistet und Interesse an einer Lehre zeigt, dann sind wir bisher sehr gut damit gefahren, diese Leute zu halten, auch wenn sie schon etwas älter sind." Noch schlechter sehe es jedoch auf dem Stellenmarkt aus. Ausgebildetes Fachpersonal im chemischen Bereich sei in der Region nicht zu bekommen. Neben der Übernahme von Auszubildenden bleibt da nur noch die bundesweite Akquise. Nicht so einfach: "Wir müssen die Fachkräfte von den Vorteilen dieser Gegend überzeugen, ihnen Anreize bieten. Viele möchten nicht in den beschaulichen Schwarzwald ziehen." Dass Döggingen durch die Elektrifizierung der Bahnstrecke nun besser angebunden ist, sei da ein wichtiger Fortschritt, so Klötzer.

Elektro Vater: "Heutzutage möchten die meisten jungen Leute keinen Hammer mehr in die Hand nehmen, sondern lieber einen Kugelschreiber", veranschaulicht Christian Vater die Situation. Der Elektrotechniker kann sich vorstellen, dass viele von der körperlichen Arbeit in handwerklichen Berufen abgeschreckt werden. Dabei müsse man in seinem Beruf heute durch moderne Maschinen längst nicht mehr so viel physische Kraft einsetzten wie in früheren Jahrzehnten, meint Vater. Allerdings erfordere die Arbeit mehr Verstand als so mancher glaube: "Ich würde behaupten, dass die Elektrotechnik eines der anspruchsvollsten Handwerke darstellt." Dabei ist Christian Vater beispielsweise sehr stolz auf seinen Auszubildenden Paul Hommel, der als Jahrgangsbester das erste Ausbildungsjahr beendet hat. Jeden Tag gebe es neue Herausforderungen, was den Alltag sehr abwechslungsreich mache. Eigenständiges Arbeiten, Kommunikation mit dem Kunden sowie eine hervorragende Auftragslage machen den Beruf zusätzlich attraktiv. Dennoch muss Vater um jeden Mitarbeiter kämpfen. "Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz bekommen wir vielleicht eine pro Jahr. Wenn wir dann alle drei Jahre nach Nachwuchs suchen, ist die Auswahl daher sehr gering." Zwei ausgebildete Monteure könne er zudem gut gebrauchen, aber der Markt sei leer. "Nächstes Jahr geht ein langjähriger Mitarbeiter. Wenn ich bis dahin niemanden finde, werde ich weniger Aufträge annehmen können", prognostiziert Vater. Auf lange Sicht könne die Situation nur durch die Erhöhung der Gehälter entspannt werden, was sich dann im Preis der Dienstleistung widerspiegeln werde.

IMS Gear: "Es gelingt uns nach wie vor, sämtliche Stellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen, zum Teil dauert es aber deutlich länger und erfordert mehr Aufwand", berichtet IMS Gear-Personalleiter Benedikt Lenhart. 28 Stellen seien in Deutschland derzeit unbesetzt, wobei der Schwerpunkt bei Fachkräften im technisch-gewerblichen Bereich liege. Die Bewerberzahlen auf Ausbildungsplätze seien auch bei ihnen leicht rückläufig, weshalb es zusätzlicher Anstrengungen bedürfe "um zum Beispiel für ein Studium nicht geeignete Abiturienten oder Studienabbrecher von einer Ausbildung zu überzeugen oder schwieriger auszubildende Kinder zu integrieren." Es bestehe jedoch durchaus noch Interesse an ihren Lehrplätzen, so Lenhart, denn das Unternehmen verfolge bei seinem Ausbildungskonzept über einen ganzheitlichen Ansatz: "Unsere Erfahrung zeigt, dass sich Auszubildende bei ihrer Entscheidung für einen Platz weniger von materiellen Anreizen leiten lassen, sondern mehr Wert auf Aspekte wie die Qualität der Ausbildung, die Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz nach dem Abschluss und attraktive Perspektiven für die weitere berufliche Entwicklung legen." Die Lehrlinge profitierten unter anderem von der Möglichkeit zu Auslandsaufenthalten an den Standorten in den USA, Mexiko oder China. Die Entscheidung für den Verfahrensmechaniker als Ausbildungsberuf bei IMS Gear hat er nie bereut. Das Unternehmen hat ihn nach seinem Abschluss in eine Festanstellung übernommen.

Im Handwerk sind die Lehrlingszahlen wieder gesunken, nachdem sie in den vergangenen zwei Jahren steigend oder stabil waren. Mit 1520 neuen Ausbildungsverträgen sind es knapp sieben Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie Muriel Claus, Pressesprecherin der Handwerkskammer Konstanz, mitteilt. Lediglich im kaufmännischen Bereich hat die Zahl nicht abgenommen. Am stärksten betroffen sind die Bereiche (Aus-)Bau und Lebensmittelhandwerk. Allerdings seien Schwankungen im Drei-Jahres-Rhythmus nicht selten, relativiert Claus. Genaue Angaben zu unbesetzten Lehrstellen hat die Handwerkskammer nicht. Auf der Online-Ausbildungsplatzbörse der Handelskammer sind rund 200 Lehrstellen weiterhin ausgeschrieben. Am häufigsten werden dort angehende Elektroniker, KFZ-Mechaniker und Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik gesucht. Vorbildliche Ausbildungsbetriebe zeichnet die Kammer zum Beispiel mit dem Voraus-Ausbildungszertifikat aus. Lehrlingen biete man dort oft zusätzlich zu einer guten Begleitung auch besondere Extras wie Auslandsaufenthalte und Weiterbildungen. Stichproben hätten ergeben, so Claus, dass derartige Betriebe meist mehr Bewerber haben, als sie benötigten. Der Zukunft sieht Claus vorsichtig optimistisch entgegen: "Dafür darf die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung aber nicht nur proklamiert, sondern muss auch gelebt werden."

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