Schwenningens Schlussmann Joacim Eriksson (links) wurde zum DEL-Torhüter des Jahres gewählt. Foto: Eibner Foto: Schwarzwälder Bote

Wild-Wings-Goalie Joacim Eriksson wird zum DEL-Torhüter des Jahres gewählt. Die Schwenninger "Filiale" in Wolfsburg sorgt in der Finalserie gegen Berlin für Furore – und Daniel Pfaffengut zählt nicht mehr zum Nationalkader.

Eine Jury von Vertretern der DEL, von Magenta-Sport und des Fachmagazins Eishockey-News wählten die besten DEL-Spieler in 2021 in fünf Kategorien. Nach dem ersten Finalspiel am Sonntagabend zwischen den Eisbären Berlin und den Grizzlys Wolfsburg wurden die Preisträger in der DEL-Award-Show bekanntgegeben.

Glücklicher Eriksson

Bei den Torhütern machte Joacim Eriksson (Wild Wings) das Rennen vor dem Berliner Mathias Niederberger und Felix Brückmann (Mannheim). Der Schwede zeigte sich stolz über die Auszeichnung: "Ich bin sehr glücklich über diese Anerkennung. Das Lob gebührt aber auch unserem Trainer und der Mannschaft. Sie haben einen tollen Job in dieser Saison gemacht. Ja – es war zuletzt wirklich eine schwierige Zeit für mich. Das erste Spiel nach meiner Rückkehr gegen Berlin habe ich meiner verstorbenen Mutter gewidmet. Meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl in Schwenningen. Ich werde nun ein paar Tage Urlaub machen und dann in Schweden mit meinem Sommer-Workout beginnen. Ich freue mich darauf, außerdem in den kommenden Wochen meine Freunde wiederzusehen, Angeln zu gehen und einfach zu relaxen."

Sundblad in engerer Wahl

Die weiteren Award-Preise gingen an Marcel Brandt (Straubing) als besten Verteidiger des Jahres, an den Mannheimer Florian Elias als besten Rookie, an Marcel Noebels (Eisbären Berlin) als besten Stürmer und an Thomas Popiesch (Bremerhaven) als besten Trainer. Hier stand auch der Schwenninger Coach Niklas Sundblad in der engeren Auswahl. Thomas Popiesch war bereits in 2018 ausgezeichnet worden. "Es macht mich stolz. Ich habe – ehrlich gesagt –­nicht damit gerechnet", so der Pinguins-Coach bescheiden. "Es zeigt uns, dass unsere mittlerweile fünfjährige Zusammenarbeit in Bremerhaven Früchte trägt."

Als Namensgeber hat sich PENNY im Hinblick auf die außergewöhnliche "Corona"-Spielzeit 2020/21 etwas Besonderes ausgedacht. Mit dem neu ins Leben gerufenen "PENNY Unsung Hero" werden alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Klubs geehrt, die mit unermüdlichem Engagement maßgeblich dazu beigetragen haben, dass alle 14 Klubs in diese schwierige Runde starten konnten. Gernot Tripcke, Geschäftsführer der DEL, gratulierte allen Gewinnern: "Es ist jedes Jahr eines der Highlights, wenn wir die Besten der Saison ehren. Die Leistungen der Gewinner waren herausragend. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass wir eine sportlich hochinteressante Saison gesehen haben. Wir sind sehr glücklich, dass wir trotz der massiven Herausforderungen so gut durch die Saison gekommen sind."

"Stolz und dankbar"

Nach vier Einsätzen in der WM-Vorbereitung ist Wild-Wings-Stürmer Daniel Pfaffengut inzwischen von der Nationalmannschaft zurückgekehrt. Für den 24-Jährigen waren die vier Spiele im DEB-Trikot eine ganz besondere Erfahrung: "Als ich drei Wochen vor Saisonende den Anruf von Bundestrainer Toni Söderholm erhalten habe, habe ich mich natürlich riesig gefreut", erzählt er.

Zunächst lag sein voller Fokus noch auf dem Play-off-Rennen mit den Schwenningern. Nachdem das Ausscheiden der Wild Wings besiegelt war, ging es für Pfaffengut direkt nach Nürnberg zum DEB. In seinen ersten vier A-Länderspielen – jeweils zweimal gegen die Slowakei und Tschechien – hinterließ er einen positiven Eindruck. "Ich konnte bei der Nationalmannschaft viel Selbstvertrauen tanken und von den besten deutschen Spielern und Trainern lernen. Ich bin sehr stolz und dankbar für die Gelegenheit, mich auf dieser Bühne zeigen zu dürfen."

Comeback von Hult?

Die Gerüchteküche rund um den Schwenninger Transfermarkt kommt in diesen Tagen auf Hochtouren. Ein zweiter Torhüter hinter Joacim Eriksson soll verpflichtet sein. Es könnte sich um den Krefelder Marvin Cüpper handeln. Eine Rückkehr von André Hult (bisher bei Kooperationspartner Freiburg), der eventuell neben den Spink-Zwillingen stürmen soll, könnte möglich sein. Interesse haben die Wild Wings offenbar am laufstarken Straubinger Flügelstürmer Sven Ziegler. Der in München aussortierte Angreifer und Nationalspieler Philip Gogulla könnte es vielleicht durch die gute Verbindung zu Schwenningens Manager Christof Kreutzer an den Neckarursprung ziehen.

Pat Cortina und Co.

Auch der Vorgänger von Joacim Eriksson sorgt für Furore. Dustin Strahlmeier ist mit Wolfsburg auf einem guten Weg, nach dem 3:2-Sieg nach Verlängerung in Berlin am Mittwoch mit einem weiteren Erfolg gegen die Eisbären den 100. DM-Titel erstmals in die Autostadt zu holen. "Das ist es, wofür wir die ganze Saison gekämpft haben", wird Grizzlys-Goalie Strahlmeier auf Sportbuzzer.de zitiert. Sollten die Wolfsburger am Mittwochabend den Pott in die Höhe stemmen, dann hätten – neben dem Keeper – drei weitere Ex-Schwenninger großen Anteil am größten Vereinserfolg der Niedersachsen.

Alle voran natürlich Coach Pat Cortina, der von 2016 bis Ende Oktober 2018 hinter der Bande der Wild Wings stand. "Das Tempo in der Verlängerung war unglaublich. Wir haben diese wichtige Partie gewonnen. Ich erwarte nun ein sehr hartes Spiel am Mittwoch", weiß der 56-Jährige, dass auf die Grizzlys noch sehr intensive 60 (mindestens) Minuten warten, bis eventuell der Titel unter Dach und Fach ist.

Für große Emotionen ist Cortina also kurz vor seinem wohl größten sportlichen Coup auch in Wolfsburg nicht bekannt. Der Italo-Kanadier steht für eine stabile Defensive, die gute Organisation des Spiels – sieht sich nicht als ein Lautsprecher in der Öffentlichkeit, nicht als ein "Vulkan" hinter der Bande. "Es geht um Konstanz und Konzentration, Dinge müssen sich entwickeln können", hatte der frühere Bundestrainer schon zu seiner Schwenninger Zeit immer wieder betont, dass er kein Freund von Schnellschüssen ist. In Wolfsburg änderte er seine Philosophie nicht. Der Erfolg gibt ihm recht. Wie in Schwenningen setzt Cortina dabei auf Petteri Väkiparta als Co-Trainer. "Ich habe mit Tyler Haskins und Petteri Väkiparta zwei kompetente Assistenten. Sie machen einen unglaublichen Job, genau wie unser Torwart-Trainer Ilari Näckel und Fitness-Coach Peter Kruse", nennt der 56-Jährige einen weiteren Grund für den Wolfsburger Erfolg – den Teamgeist.

Natürlich weiß Pat Cortina aber, dass es ebenfalls auf die Qualität der Einzelspieler ankommt. Und einige der Wolfsburger haben eben auch Spuren in Schwenningen hinterlassen. So lockte der Grizzlys-Bändiger nicht nur Torwart Dustin Strahlmeier, der von 2016 bis 2020 das Schwenninger Gehäuse hütete, in die Autostadt. Neben dem Keeper standen am Sonntag mit Defensivmann Dominik Bittner und Stürmer Anthony Rech zwei weitere Ex-Wild-Wings in der Wolfsburger Startformation. Bittner verteidigte von 2017 bis 2019 für die Schwenninger, Rech erzielte im gleichen Zeitraum 27 Tore für die Neckarstädter.

Sollten die Wolfsburger also am Mittwoch die ganz große Überraschung schaffen, hätten mit Pat Cortina, Petteri Väkiparta, Dominik Bittner und Anthony Rech gleich vier Protagonisten eine Schwenninger Vergangenheit.

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