Zum Auftakt der Reihe Generation.Konflikt vom Schauspiel Stuttgart und der Robert Bosch Stiftung ging es ums liebe Geld. Foto: dpa/Jens Wolf

Das Schauspiel Stuttgart startet die Gesprächsreihe „Generation.Konflikt“. Zum Auftakt geht es im Kammertheater um ein Tabuthema.

Über Geld spricht man nicht – fast jeder kennt diesen Satz, viele sind mit ihm aufgewachsen. Warum eigentlich? Sollte Geld Privatsache sein? Oder würde ein offenerer Umgang damit zu mehr Gerechtigkeit beitragen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung der Gesprächsreihe „Generation.Konflikt“ des Schauspiels Stuttgart und der Robert Bosch Stiftung, bei der Vertreter unterschiedlicher Generationen über das Tabuthema Geld debattierten.

 

Deutliche weltanschauliche Unterschiede bei den Gästen

Offenbar haben die Veranstalter einen Nerv getroffen, das Foyer des Kammertheaters ist voll besetzt. Schon bei den Eingangsstatements der Gäste wird deutlich, wie unterschiedlich der Zugang zum Thema Geld sein kann. Während der Ex-Ingenieur und Privatier Florian Wagner (35) die Vorzüge des freien Marktes preist, spricht sich die Millionenerbin Stefanie Bremer (32) für einen starken Staat und höhere Steuern für Besserverdiener aus.

Frauen sollten das Thema selbstbewusst angehen

Auch der frühere Topmanager Michael Bolle (60) kritisiert die Fetischisierung des Marktes durch einige seiner Kollegen und fordert gezielte staatliche Hilfe für jene, die am meisten unter der Krise leiden. Die Soziologin Uta Meier-Gräwe (70) betont besonders die fehlende Wertschätzung sozialer Berufe, die vor allem von Frauen ausgeübt werden. Zudem appelliert sie an die Frauen, das Thema Finanzen nicht den Männern zu überlassen: „Kröten zählen ist besser als Frösche küssen“, sagt sie.

Couragiert spricht die Moderatorin Carolin Wattenberg das persönliche Anlageverhalten der Gäste an. Auch hier treten deutliche weltanschauliche Unterschiede hervor. So steht für Wagner die Rendite im Vordergrund, während Meier-Gräwe die sozialen Folgen ihrer Investitionen mitbedenken möchte.

Informationsdefizite verstärken Ungleichheit.

Alles in allem verdeutlicht der Abend einmal mehr, wie komplex und facettenreich das Thema Geld ist. Wahrscheinlich hatte sich Wattenberg etwas viel vorgenommen, viele Themen konnte nur kurz angeschnitten werden. Gerade zu umstrittenen Fragen wie dem Grundeinkommen und der Reichensteuer hätte man sich etwas mehr Tiefgang gewünscht. Zudem fiel auf, dass die Gäste auf der Bühne alle gut situiert waren und die Zeit haben, über verschiedene Anlagemöglichkeiten nachzudenken. Wahrscheinlich liegt hier der Kern des Problems: Weil das Thema tabu ist, gibt es große Informationsdefizite, die bestehende Ungleichheiten zusätzlich verstärken.

Generation.Konflikt. Die nächste Ausgabe der Reihe findet am 3. Februar statt. Informationen unter www.schauspiel-stuttgart.de.