An der Kreuzung Haslach, Schnellingen, Bollenbach soll eine Ampel für mehr Sicherheit sorgen. Die Entscheidung des Stadtrats stößt im Bollenbacher Ortschaftsrat nicht bei allen Mitgliedern auf Gegenliebe.
Um die Entscheidung für die Ampelanlage an der Kreuzung Haslach, Schnellingen, Bollenbach noch einmal zu kommunizieren, hat der Ortschaftsrat öffentlich getagt. Ortsvorsteher Andreas Isenmann war das Verständnis für die Entscheidungsfindung wichtig.
Isenmann blickte auf die ersten Diskussionen um eine gute Lösung an der Kreuzung zurück, die bis ins Jahr 2016 reichen würden. Besonders zu den Stoßzeiten sei die Querung eine Herausforderung und für die Kinder auf ihrem Weg zur Schule, Sport und Freizeit in Haslach gefährlich.
Kreisverkehr würde zu Stoßzeiten nicht gehen
Die jüngste, von der Stadt Haslach beauftragte Voruntersuchung, habe jedoch lediglich die Note Mangelhaft ergeben und bescheinigt, dass ein Kreisverkehr zu Stoßzeiten nicht funktionieren werde. Außerdem bringe er einen relativen Unterhaltungsaufwand mit sich. „Neu ist dabei, dass es nicht nur eine Abwehr-Haltung gab, sondern die Ampelanlage als Alternative aufgezeigt wurde – und vorsichtshalber bereits Gelder dafür beauftragt wurden“, verwies Isenmann auf die Ausführungen in der jüngsten Stadtrat-Sitzung (wir haben berichtet).
Der Bollenbacher Ortschaftsrat sowie der Sonderausschuss Schnellingen hätten nach kurzer Beratung eine Empfehlung abgegeben müssen, obwohl das Stimmungsbild nicht eindeutig gewesen sei. Der Stadtrat habe schließlich die Ampelanlage beschlossen, die schon im Laufe des Jahres installiert werde. Der Ortsvorsteher stellte die Planung noch einmal vor, Stadtbaumeister Clemens Hupfer ergänzte die geplante Schaltung für den stark belasteten Verkehrsknoten.
Ortsrat Joachim Felten monierte: „Zwei Spuren nach der Kreuzung auf eine zu führen, das wird wieder Stau geben. Wenn dann noch große Lkw kommen, habe ich meine Bedenken.“ Zweispurige Kreisverkehre in Achern oder Offenburg würden einwandfrei laufen und am meisten störe ihn, dass jetzt die Ampel ohne Probephase für einen Kreisverkehr umgesetzt werde.
Wenig Bereitschaft, auf Anregungen einzugehen
Allerdings beuge er sich als Demokrat der Entscheidung. „Es ist ein tägliches Sodom und Gomorra“, kommentierte Stefan Weber die Verkehrssituation auf der Kreuzung und sprach sich aus Sicherheitsgründen für die Schwächsten in der Gesellschaft noch einmal eindeutig für die Ampel-Lösung aus.
Michael Schwendemann verwies auf das Wort von Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer (siehe Hintergrund), das in den Niederungen der Verwaltung versandet sei, und sprach von einer riesigen, vertanen Chance. Laut Planern koste das Provisorium 60 000 Euro, die Ampel-Anlage das Vierfache. „Es wäre eine Möglichkeit gewesen, den Kreisverkehr auszuprobieren. Aber die Bereitschaft zu Kompromissen oder auf Anregungen einzugehen war wenig gegeben“, bedauerte er. Nun müsse man mit der demokratischen Entscheidung für die Ampel leben, wie gut oder schlecht, werde sich noch zeigen.
Daniel Roser hätte sich vor dieser wichtigen Entscheidung für beide Ortsteile noch einmal Gesprächsrunden in den Gremien gewünscht. Er sah in der Ampel etwa 25 Stunden pro Woche einen Vorteil, aber 143 Stunden mit Nachteilen. „Ich nehme die Entscheidung zur Kenntnis, bin aber kein Befürworter.“
Seit 2016 wird diskutiert
Im Bollenbacher Ortschaftsrates war nach den ersten Diskussionen im Jahr 2016 relativ schnell die Idee eines Kreisverkehrs an dieser Stelle aufgekommen, der anhand von Luftbildern und Expertisen verschiedener Seiten als machbar eingestuft wurde. Allerdings liegt die Zuständigkeit dafür beim Regierungspräsidium in Freiburg, das frühestens nach Abschluss eines Planfeststellungsverfahrens zum Bau bereit wäre. „Dafür hat das Regierungspräsidium nach eigenen Aussagen keine Ressourcen und bietet höchstens im Rahmen der Ortsumfahrung eine Planung an“, erklärte Isenmann. Das sei für den Ortschaftsrat aber keine Option gewesen, weil alle an einer schnellen Lösung interessiert wären. Der Besuch von Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer habe neue Hoffnung auf ein Provisorium gemacht, das in die Zuständigkeit des Landratsamtes gefallen wäre. „Im Ortschaftsrat waren wir uns einig: umsetzen, ausprobieren – und wenn es nicht funktioniert, wieder zurückbauen“, fasste Isenmann zusammen. Dass jetzt Gelder für eine schnelle Lösung vorhanden sind, habe ihn von der Ampel-Anlage überzeugt.