Vor dem Startschuss für den ersten digitalen Rangierbahnhof: Die Technik soll helfen, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlegen, um die klimapolitischen Ziele zu erreichen.
Berlin - Es soll ein wichtiger Innovationsschub für mehr Güterverkehr auf der Schiene werden. Am kommenden Montag geben Andreas Scheuer und Sigrid Nikutta in München-Nord den Startschuss für den ersten digitalen Rangierbahnhof. Digitalisierung und Automatisierung sollen „mehr Tempo ins System“ bringen, versprechen der Bundesverkehrsminister und die Chefin der bundeseigenen DB Cargo AG.
Bislang müssen Frachtzüge zeitaufwendig und mit viel Handarbeit zusammengestellt und abgefertigt werden. Das verursacht hohe Kosten und führt dazu, dass Ladung oft schneller per Lkw über die Straße rollt. An zwei Güterzügen wollen Fachleute auf dem Münchner Testfeld demonstrieren, mit welchen Neuentwicklungen die Frachtbahn künftig leistungsfähiger werden kann.
Der Kombiverkehr soll verbessert werden
Das Projekt wird aus dem Bundesprogramm „Zukunft Schienengüterverkehr“ gefördert, ebenso wie das Vorhaben „Truck 2 Train“, mit dem die Allianz pro Schiene den Kombiverkehr (KV) verbessern möchte. „Wir wollen noch bestehende Hürden für kleine und mittlere Transporteure identifizieren und aus dem Weg räumen“, sagt der Geschäftsführer des Bündnisses, Dirk Flege. Bisher nutzten überwiegend große Unternehmen die Vorteile der Transportkette, die auf Bahnen und Lkw setzt.
Den vielen kleineren Lkw-Transporteuren fehlen häufig Technik und Expertise im Fuhrpark, um effizient auf die Bahn verladen zu können. Viele nutzen den Kombiverkehr überhaupt nicht und sind fast nur auf der Straße unterwegs.
Und das ist ein Problem, denn von 45 000 Unternehmen im gewerblichen Güterkraftverkehr haben rund 80 Prozent weniger als 20 Beschäftigte und unter zehn Fahrzeugen. Gleichzeitig stemmen diese Firmen aber einen erheblichen Teil der Verkehrsleistung, so die Allianz pro Schiene. Das Projekt „Truck 2 Train“ soll Anforderungen an digitale Einstiegsportale festlegen, die künftig den Zugang zum Kombiverkehr per Mausklick und die multimodale Transportplanung erleichtern.
Mehr Verkehr auf die Schiene
Die Kombination von Bahn und Lkw vor allem bei langen Transporten gilt als wichtiger Schlüssel für mehr Verkehr auf der Schiene. In den letzten zehn Jahren wuchs die Verkehrsleistung in diesem Segment um mehr als 40 Prozent. Doch insgesamt ist der einst hohe Anteil der Bahn am gesamten Frachttransport in den letzten Jahrzehnten immer weiter gesunken auf nur noch 19 Prozent. Um die klimapolitischen Ziele zu erreichen und den hohen Schadstoffausstoß im Lkw-Verkehr zu senken, will Scheuer den Schienenanteil bis 2030 wenigstens auf 25 Prozent steigern. Dazu soll unter anderem unter neuer Führung die bundeseigene DB Cargo saniert und vorangebracht werden. Entlastung bringt das Corona-Unterstützungspaket der Regierung, mit dem nach der EU-Genehmigung nun die von der Krise gebeutelten Güterbahnen zumindest im zweiten Halbjahr fast komplett von den hohen Trassenpreisen für die Nutzung der Infrastruktur verschont bleiben.
Für das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE), in dem viele Güterbahnen ihre Lobbyinteressen vereinen, bleibt Minister Scheuer aber einiges schuldig, um den umweltschonenden Frachttransport zu stärken und das Klimaziel 2030 zu erreichen, wonach der Personen- und Güterverkehr 40 Prozent weniger Treibhausgase verursachen soll. Weiterhin setze die Regierung vor allem auf grüne Antriebe für Lkw, die nicht verfügbar und teuer seien, anstatt auf den ausbaufähigen Schienengüterverkehr, kritisiert NEE-Verbandschef Ludolf Kerkeling.