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Dietingen Gelbbauchunke muss S 21-Aushub weichen

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Ein Teil des Dietinger Gipssteinbruchs im Gewann Arztenbühl: Die Verfüllung mit Stuttgart-21-Material soll demnächst starten. Doch davor steht erst einmal die Schaffung eines Ersatzlebensraums in unmittelbarer Nachbarschaft für vier bedrohte Tierarten an, die in obigem Areal gesichtet wurden. Foto: Pfannes

Dietingen - Es tut sich einiges in Dietingen-Ort. Speziell im Bereich des Gipssteinbruchs im Gewann Arztenbühl am Ortsende Richtung Böhringen. Die Verfüllung mit Stuttgart-21-Material startet demnächst – und dann ist da noch die Sache mit dem Ersatzhabitat für bedrohte Tierarten in unmittelbarer Nachbarschaft.

Vor allem die Schaffung eines alternativen Lebensraums für den Flussregenpfeifer, die Zauneidechse, den Laubfrosch und die Gelbbauchunke hat örtliche Freunde der Natur aufgeschreckt. Beziehungsweise die plötzliche Hektik in der Woche nach dem Osterfest, mit der dieses Vorhaben über die Bühne geht. Immerhin ist seit dem Spätsommer 2014 bekannt, dass der Gipssteinbruch nach dem Eigentümerwechsel von einem Betreiberkonsortium zeitnah, ab April, rekultiviert werden soll.

Edgar Griesser, Leiter des Bau-, Naturschutz- und Gewerbeaufsichtsamtes, und Joachim Gommel von dieser Fachbehörde am Landratsamt Rottweil geben einen Überblick über den Stand der Dinge. Griesser spricht die Rekultivierungsverpflichtung des Eigentümers an, die vor Jahrzehnten zusammen mit der Abbaugenehmigung erteilt worden sei.

"Stuttgart 21" duldet keinen Aufschub

Wegen der schnellen Verfüllung, die in direktem Zusammenhang mit den Arbeiten an dem Projekt Stuttgart 21 stehe, habe sich die Behörde um den Artenschutz kümmern müssen. Normalerweise werde gemächlicher, jahre-, jahrzehntelang verfüllt, dann würden sich die Bewohner nach und nach einen neuen Lebensraum suchen. Hier, in Dietingen-Ort, und in ähnlich gelagerten Fällen, gehe es aber rasant zu. Wegen »Stuttgart 21« könne man nicht warten, bis jede Eidechse ihren Platz gewechselt habe, verdeutlicht Edgar Griesser.

Der Fachmann erwähnt Passagen von Paragraph 45 des Bundesnaturschutzgesetzes.

Darin geht es unter anderem um die Schaffung von Vor­aussetzungen, damit die oben genannten vier Tierarten, die im Gipssteinbruch gesichtet worden seien, ausweichen könnten. Dies soll zum Teil im Gipssteinbruch selber geschehen, vor allem aber auf dem direkten Nachbargrundstück, das dem Betreiberkonsortium ebenfalls gehört.

Auf dem etwa 1,5 Hektar großen Areal, so Griesser, ehemals ein Acker, schaffe man derzeit neue Lebensräume. Wie die Arbeiter vor Ort mitteilen, werden Steine und Geröll platziert sowie drei Tümpel angelegt. Die Männer bedienen sich aus dem Gipssteinbruch und kündigten für den gestrigen Nachmittag sogar deswegen eine Sprengung an. Die Tümpel oder Wasserlebensräume, die sich im Gipssteinbruch gebildet haben, verschwinden wegen der Auffüllung, ergänzt Griesser. Zum Teil werde aber der Lebensraum für die Zauneidechse erhalten bleiben.

Edgar Griesser geht ebenso auf das Anliegen der Gemeinde Dietingen ein, die sich ab Ende März für einen anderen Standort für das Ersatzhabitat eingesetzt hat. Als Ansatzpunkt nannte die Gemeindeverwaltung Rückgabeverpflichtungen an die damals beteiligten Landwirte und Grundstückseigentümer, wonach die Landwirte ihr dann rekultiviertes Flurstück zur Bewirtschaftung als landwirtschaftliche Fläche zurücker-halten sollten.

Bürgermeister Frank Scholz in einem Schreiben an das Betreiberkonsortium, das auch Fachbehörden am Landratsamt erhalten haben: »Die Herstellung von Ersatzhabitaten mit über zwei Hektar Größe würde der damaligen Rekultivierungsverpflichtung und den Ansprüchen der Landwirtschaft nicht entsprechen.« Kurz: Die Spitze der Verwaltung setzte sich dafür ein, dass »wertvolle landwirtschaftliche Flächen« der Landwirtschaft nicht entzogen werden.

Auch wies der Bürgermei­ster in dem Schreiben darauf hin, dass das Landschaftsbild um die Ortschaft Dietingen vom Gipsbruchbetrieb mehr als 40 Jahre lang gestört worden sei. Und diese Beeinträchtigung des Landschaftsbildes drohe durch die Ersatzhabitate, die »in großflächiger Ausprägung unmotiviert in der landwirtschaftlichen Nutzfläche eingestreut« seien, auch in Zukunft.

Doch der Alternativvorschlag auf dem Areal mit einem Bodendenkmal (die ehemalige Villa rustica) wurde von den Fachbehörden schließlich abgelehnt. Hier hatte es Besichtigungen mit Landwirten und Vertretern des Landwirtschaftsamtes gegeben, merkt Edgar Griesser an. Dieser Alternativstandort sei aber nicht das Richtige, hieß es im Landratsamt. Jene Entscheidung bedauerte Frank Scholz schriftlich.

Hauptamtsleiter Matthias Barth teilt auf Nachfrage mit, dass die Verwaltung über diesen Komplex, der in den Zuständigkeitsbereich des Landkreises falle, in der nächsten Gemeinderatssitzung (Montag, 20. April, 20 Uhr, Böhringer Rathaus) berichten wolle.

Dann bietet sich für Gemeinderäte auch die Möglichkeit an, nachzufragen, ob es mittlerweile eine Vereinbarung mit den Transportunternehmen gebe, die demnächst den Dietinger Gipssteinbruch mit Stuttgart-21-Material ansteuern, und wie selbige im Detail aussehe. Fahrzeiten, nicht an allen möglichen Tagen, nicht rund um die Uhr und mit Geschwindigkeitsbeschränkung, vor allem aus Richtung Trichtingen durch die Ortsdurchfahrt Böhringen, lauteten wiederholt Anregungen der Bevölkerung.

Nebenbei: Man warte noch auf die Genehmigung der Autobahnbehelfsausfahrt bei Harthausen durch das Regierungspräsidium Freiburg, teilt Epfendorfs Bürgermeister Peter Boch auf Nachfrage mit. Komme sie, soll es einen symbolischen Spatenstich und eine Bauzeit von etwa vier bis sechs Wochen geben. Im Idealfall ist sie also Ende Mai fertig und entlastet vor allem Trichtingen und in gewissem Maße Bochingen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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