Erneut sind die Gegner der Corona-Maßnahmen am Montag auf die Straße gegangen. Diesmal aber nicht als "Spaziergänger", sondern als Teilnehmer einer angemeldete Demonstration.
Freudenstadt - Noch haben sich nicht viele Demonstranten auf dem Freudenstädter Marktplatz versammelt, da eilt plötzlich ein in gelbe Warnwesten gekleideter Pulk herbei. "Oh nein, sind das alles Gegendemonstranten?", entfährt es einem der Protestler. "Nein, das sind nur die Ordner", beruhigt ihn einer seiner Mitstreiter.
Die Ordner sind tatsächlich ein ungewohnter Anblick für die Gegner der Corona-Politik. Denn in den vergangenen Monaten war der Protest in Freudenstadt immer unangemeldet gewesen. Die Teilnehmer selbst bezeichneten sich daher stets als "Spaziergänger".
Sicherheitsabstand musste eingehalten werden
Nicht so an diesem Montag. Denn die Demonstration war offiziell angemeldet. Dementsprechend gab es für die Demonstration bestimmte Auflagen. So mussten laut Informationen der Stadt die Demonstranten einen Sicherheitsabstand einhalten und – sollte dies nicht möglich sein – eine Maske tragen. Davon ausgenommen waren nur Gruppen aus einem gemeinsamen Haushalt.
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Und tatsächlich waren die Veranstalter sichtlich bemüht, die Auflagen einzuhalten. "Bitte achtet auf die Abstände", mahnte eine Rednerin. "Wo die Abstände nicht eingehalten werden können, tragt bitte eine Maske."
Polizei schätzt Teilnehmerzahl auf 550
Und daran hielten sich augenscheinlich auch die meisten. Abgesehen von den Ordnern trug zwar fast niemand eine Maske. Doch während der Kundgebung stellten sich die Teilnehmer mit etwas Abstand in losen Reihen auf. Auch während des Demonstrationszugs war meist noch etwas Luft zwischen den einzelnen Grüppchen. Mancherorts ging es dann aber doch etwas gedrängt zu.
Die Polizei, deren Präsenz nicht mehr so massiv schien, zeigt sich auf Nachfrage unserer Redaktion mit dem Ablauf zufrieden. Zwar hätten nur wenige Teilnehmer Masken getragen, "die Abstände wurden aber weitgehend eingehalten." Allgemein sei die Demo "friedlich und störungsfrei" gewesen. Die Teilnehmerzahl schätzt die Polizei auf 550 Demonstranten.
Protestlieder verbreiten eher Feierlaune
Und auch die Stadt Freudenstadt teilt auf Anfrage mit, dass nach Beobachtungen des Ordnungsamts die Auflagen eingehalten wurden. Von Anspannung war also diesmal keine Spur. Eher verbreiteten die Demonstranten Feierlaune. Aus Lautsprechern, die auf Leiterwagen mitgezogen wurden, schallten Protestlieder. Ältere Damen lächelten freundlich Richtung Kamera und zeigten ihre selbst gemachten Schilder.
AfD-Politiker unter den Teilnehmern
Doch nicht alle Demonstranten wirkten so herzlich. So war auf dem schwarzen Pullover eines Teilnehmers über einem aufgedruckten eisernen Kreuz zu lesen: "Gegen die Regierung zu kämpfen ist ja ein Grundrecht und Sport eines jeden Deutschen." Und auch Günther Schöttle, Sprecher des AfD-Kreisverbands Calw/Freudenstadt, war dabei und zeigte mit ernster Miene ein Plakat, auf dem Ministerpräsident Winfried Kretschmann als "Maultaschen-Mao" parodiert wurde.