Das Reisen in Europa ist in diesem Frühling deutlich leichter geworden, weil viele Coronabeschränkungen weggefallen sind. Die Touristen kehren allmählich in die Metropolen zurück.
Neben klassischen Urlaubszielen rund ums Mittelmeer sind auch Städtereisen wieder stärker gefragt. Vor der Pandemie waren einige Metropolen so beliebt, dass es den Einheimischen schon fast zu viel war. Wie sieht es aktuell aus? Erste Erfahrungen aus Amsterdam, Barcelona, Dubrovnik, London, Paris und Rom.
In den Niederlanden erwartet man zu Ostern einen Ansturm der Touristen aus dem Ausland – und zwar nicht nur in Amsterdam, sondern auch in Den Haag und im Badeort Scheveningen. „Vor allem unsere deutschen Nachbarn buchen massenhaft“, stellt Hanita van der Meer, Direktorin des PR- und Kommunikationsbüros Belvilla fest. „52 Prozent aller Buchungen für den Osterurlaub in den Niederlanden sind von Deutschen gemacht worden.“ In Amsterdam sind die meisten Hotels ausgebucht, auch wenn Übernachtungen deutlich teurer geworden sind. Denn auch in den Niederlanden galoppiert die Inflation. Sie betrug im März 11,9 Prozent (Deutschland: 7,3). Sogar die Nahrungsmittelpreise haben zweistellig zugelegt. Das schlägt sich in der Gastronomie nieder. Heineken etwa hat die Bierpreise um 15 Prozent erhöht. Für ein kühles Blondes im 0,2-Liter-Glas können in Amsterdam sogar vier Euro fällig werden.
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„Der Tourismus erobert Barcelona zurück“, titelte am Wochenende die Tageszeitung „El Periódico“ und brachte dazu die passenden Bilder: Besuchermassen auf der Rambla, im Barrio Gótico, Touristen am Strand der Barceloneta und vor der Sagrada Familia. Es ist wieder wie früher, oder doch fast. 83 Prozent aller Hotels haben geöffnet, und sie sind zu 85 Prozent belegt. Am Flughafen El Prat sind für diese Karwoche wieder fast so viele Flüge angemeldet wie vor der Pandemie: 82 Prozent im Vergleich zu 2019. „Wir haben alle unsere Hotels geöffnet und verlieren kein Geld“, sagt Álvaro Llaras von Onix Hoteles gegenüber „La Vanguardia“. „Endlich!“
Barcelona hat, wie der Rest Spaniens, ein katastrophales Jahr 2020 und ein sehr schlechtes Jahr 2021 hinter sich, aber seit dem Herbst geht es wieder aufwärts. Der Park Güell hatte im Dezember schon wieder mehr Besucher als zwei Jahre zuvor. Um die Gäste nicht zu verschrecken, halten sich die Hoteliers bei den Preisen zurück, trotz anziehender Inflation. Leicht ist das Geschäft noch immer nicht: Die Buchungsfristen sind deutlich kürzer geworden, last minute ist der Normalfall. „Unsere Fähigkeit zur Vorausschau reicht nicht weiter als 15 Tage“, erklärt eine Hotelverband in Valencia. Das gilt auch für Barcelona.
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In Dubrovnik sind an Ostern noch Zimmer frei. Aber nach zwei eher mageren Coronajahren soll in Kroatiens populärster Touristenhochburg auch ohne russische Gäste endlich wieder der Touristenrubel rollen. Wegen des Ausbruchs des Krieges in der Ukraine und der leicht anziehenden Preise hat sich das Reservierungstempo zwar etwas verlangsamt, ist aber keineswegs zum Erliegen gekommen. Die Hoteliers in Dubrovnik rechnen laut kroatischen Medien bereits an Ostern mit einer Bettenauslastung von bis zu 80 Prozent. Der Optimismus speist sich auch aus der wieder stark erhöhten Zahl von Direktflügen aus aller Welt nach Dubrovnik. Zwar rechnet die Adria-Stadt für das laufende Jahr auch mit einer „Reaktivierung“ des Kreuzfahrttourismus. Doch weil die Schiffe wegen der Corona-Auflagen maximal zu 60 Prozent ausgelastet sein dürfen, ist in der Altstadt von Dubrovnik an Ostern keineswegs mit dem Tagestouristentrubel früherer Jahre zu rechnen. Die Stadtverwaltung will die Zahl der anlandenden Kreuzfahrttagestouristen in diesem Jahr selbst in der Hochsaison auf maximal 4000 pro Tag begrenzen.
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Nach und nach belebt sich wieder alles, in den Straßen Londons. Auf Trafalgar Square wird man erneut von Touristen nach dem Weg gefragt. Vorm Buckingham-Palast sammeln sich zum Wachwechsel wie früher Royalisten und schmunzelnde Gäste. Ein Ansturm ist es nicht gerade. Eher eine zögernde Rückkehr zu den wohlbekannten Attraktionen. Erholt hat sich London von der Pandemie noch keineswegs. Hotels, Theater, Galerien klagen über gewaltige Einbußen. 2020, im ersten Covid-Jahr, ist das Geschäft mit Auslandsgästen um mehr als 90 Prozent eingebrochen. 2021 sah es nur wenig besser aus. Seit Februar gibt es wieder mehr Reservierungen, denn seither kann man wieder ohne Auflagen nach England einreisen. Aber auch in diesem Sommer wird bestenfalls die Hälfte der Besucher erwartet, die es 2019, vor der Pandemie, gab. Hoffnungen setzt man auf vier Tage Jubiläumsfeiern für die Queen Anfang Juni.
Bis in London wieder „voller Betrieb“ herrscht, dürften jedoch zwei bis drei Jahre vergehen. Stärksten Zuspruch melden Plätze im Freien wie Kew Gardens, Londons botanischer Garten. Und mehr britische Familien als zuvor wagen sich jetzt wieder „in die Stadt“. In die meisten Museen kommt man jedenfalls noch leicht. Tickets selbst für Topshows sind zurzeit kein Problem.
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„Paris wird nie mehr sein wie zuvor“, prognostizierte „Le Nouvel Economiste“ im Mai 2020, als die französische Hauptstadt im Lockdown zeitweise wie ausgestorben wirkte. Irrtum: Laut dem Stadtslogan „Fluctuat nec mergitur“ geht Paris nie unter. Die Terrassen mögen noch etwas weniger voll sein als früher, die Staus kürzer als auch schon; dazu ist die Rue de Rivoli heute verkehrsberuhigt. Doch wer würde sich darüber beklagen? Im Gegenteil hat die Stadt die Ruhe des ersten Covid-Jahres dazu benützt, ein paar neuen Hotspots des Pariser Lebens den letzten Schliff zu geben. Mitte 2021 eröffnete der Unternehmer François Pinault seine starke Sammlung zeitgenössischer Kunst in der ehemaligen Handelsbörse, der „Bourse de commerce“.
Noch fast ein Geheimtipp ist das restaurierte Hôtel de la Marine am Concorde-Platz: Dieses Stadtpalais präsentiert seit Ende 2021 eine spektakuläre Sammlung von Kunstschätzen des katarischen Scheichs Hamad. Der ehemalige Sitz der französischen Marine zeigt authentische Räume des Ancien Régime und des Second Empire. Das Café Lapérouse, das die Atmosphäre eines vornehmen Wiener Kaffeehauses verströmt, mausert sich zu einem neuen Treffpunkt der Pariser Trendsetter.
Allerdings steigen die Preise in der Gastronomie inflationsbedingt stark an. Die Hotelpreise liegen dagegen tendenziell um 10 bis 20 Prozent niedriger als bei Covid-Beginn, auch sind die Hotels noch weniger ausgebucht als vor Beginn der Pandemie.
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Am Palmsonntag war es endlich wieder einmal – fast – wie immer: Laut Vatikan sind bei prächtigem Frühlingswetter 65 000 Pilger und Touristen auf den Petersplatz geströmt, um die traditionelle Papstmesse zum Auftakt der Osterfeierlichkeiten mitzuerleben. 2020 und 2021 musste Papst Franziskus Ostern im kleinen Kreis im Vatikan feiern, auch die Kreuzweg-Zeremonie vor dem Kolosseum fiel aus. Rom befand sich im Lockdown. Die rote Zone in der Ewigen Stadt ist nun Geschichte, und mit ihr die meisten Restriktionen. Dennoch geht es am Tiber immer noch vergleichsweise beschaulich zu: Nach Angaben von Roms Hotelierverband sind immer noch 200 der insgesamt 1200 Hotels geschlossen, und diejenigen, die geöffnet sind, haben nur die Hälfte der Zimmer belegt. In Rom ist deswegen in der Hotellerie gerade eine Entlassungswelle im Gang. Touristen profitieren jedoch davon, dass weniger Andrang herrscht: keine langen Warteschlangen vor Museen und anderen Sehenswürdigkeiten, auch die Zertifikatspflicht ist fast überall aufgehoben.
Es kann natürlich sein – und die Hoteliers hoffen es inständig –, dass noch ein österliches Last-minute-Wunder passiert. Der Trend, erst im letzten Moment zu buchen, habe in den letzten Jahren markant zugenommen, sagt der Präsident der Hoteliers, Giuseppe Roscioli. Doch die Touristen aus Übersee bleiben noch weitgehend aus, und wegen des Krieges in der Ukraine sind auch keine Russen da. Die Wahrscheinlichkeit, dass man die Ewige Stadt an Ostern in Ruhe genießen kann, ist jedenfalls hoch. Sogar auf dem Petersplatz waren am Palmsonntag noch große Lücken in der Menschenmenge auszumachen.