„die Gärtnerin“ Sonja Schmitzl weiß, auf was beim Sommer-Wohnzimmer zu achten ist. Foto: Sonja Schmitzl

Sonja Schmitzl, gebürtig aus dem Welzheimer Wald bei Schorndorf, lebt und arbeitet als selbstständige Landschaftsgärtnerin in Horb-Altheim. Ihr Geschäft „die Gärtnerin“ führt sie seit 2022. Uns hat sie Tipps zur Gartenpflege gegeben.

Bereits als Kind war Sonja Schmitzl von Pflanzen fasziniert. „Fast jede Pflanze, die bei uns im Müll gelandet ist, habe ich wieder rausgezogen und versucht, gesund zu pflegen“, erzählt sie. Als Jugendliche sei diese Leidenschaft etwas in den Hintergrund geraten. „Nur durch Zufall bin ich in einem Gartenbaubetrieb gelandet.“ Im Jahr 2022 hat sie ihren eigenen Betrieb gegründet: „die Gärtnerin“.

 

Dass immer mehr Menschen einen Garten wollen, kann sie bestätigen. „Der Garten ist zum Sommer-Wohnzimmer geworden.“ Doch wie lässt sich der Wunsch von einem Sommer-Wohnzimmer am besten verwirklichen? Sonja Schmitzl gibt Tipps.

Weniger ist mehr

„Nicht zu viel, egal ob Pflanzen oder bauliche Elemente. Man will sich ja nicht erdrückt fühlen.“ Oft werde der Fehler gemacht, alles so schnell wie möglich haben zu wollen, und es werde eine Pflanze gewählt, die schnell wächst.

Als Beispiel nennt die 34-Jährige den Kirschlorbeer. „Meist merken die Gartenbesitzer schnell, dass die Pflanzen nicht nach der gewünschten Höhe mit ihrem starken Wuchs aufhören.“ Die Pflanzen würden einem dann buchstäblich schnell über den Kopf wachsen. „Der Ärger ist dann groß“, so Schmitzl.

Die Lösung: Sträucher wählen, die kleiner bleiben und langsam wachsen. Zudem empfiehlt sie, sich bei der Pflanzenwahl von einem Profi beraten zu lassen. „Vorschnelle Käufe bereut man schnell.“

Wer sich schnell vor neugierigen Blicken schützen möchte, dem empfiehlt sie einen Sichtschutzzaun. „Da darf es dann auch ein günstigeres Exemplar aus dem Baumarkt sein“, meint die Gärtnerin. Ihr Tipp: Den Zaun nach ein paar Jahren wieder demontieren, wenn die Pflanzen entsprechend groß geworden sind.

Tierische Mitbewohner

Ein Trend in der aktuellen Gartengestaltung, den Schmitzl beobachtet, ist, dass sich immer mehr Gartenbesitzer dafür interessieren würden, ob sich Insekten und Tiere in ihrem Garten wohlfühlen. „Viele Menschen sind erstaunt, wie ökologisch wertlos eine perfekte Rasenfläche ist. Sie wollen ihren Beitrag zur Umwelt leisten. Über diese Entwicklung freue ich mich persönlich sehr“, sagt die 34-Jährige. „Ich bin grundlegend davon überzeugt, dass der Mensch nicht nur für sich lebt. Er lebt auch für Tiere und Pflanzen.“

Interessant seien Pflanzen, die besonders früh oder spät blühen. „Im Hochsommer gibt’s genug Nektarpflanzen, aber im Frühjahr oder Herbst wird’s rar.“ Wenn die Tage noch warm sind, kann es passieren, dass die meisten Insekten nichts mehr finden, berichtet Schmitzl. „Der von vielen gehasste Efeu eignet sich zum Beispiel sehr gut.“ Dieser würde spät im Jahr noch blühen und sei dann eine gute letzte Nahrungsquelle für viele Insekten.

Zudem rät sie, Staudenbeete über den Winter stehen zu lassen, da viele Insekten dort überwintern würden. „Wenn man alles abschneidet, dann schafft man sich die Insekten aus dem Garten raus“, erzählt sie.

So bleibt es bunt

Sonja Schmitzl rät zudem, mehrjährige Stauden zu nehmen anstelle von einjährigen. Diese hätten zwar eine kürzere Periode der Blüten, aber enthalten oft auch noch Nektar.

Noch ein spannender Hinweis der Gärtnerin: Viele Blumen aus dem Baumarkt hätten zwar eine schöne Farbe, aber keinen Nektar mehr. „Die Insekten sehen die tolle Farbe und fliegen rum, aber finden nichts.“ Das sei schade. Ihr Tipp hier: Stauden kaufen, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Auf diese Weise bleibt es bunt im Blumenkasten.

Gartenglück und Gegensätze

Glücksgefühle
Sich um seinen grünen Daumen zu kümmern, kann sich lohnen. „In den meisten Menschen löst es Glücksgefühle aus, wenn sie ihre Pflanzen zum ersten Mal blühen sehen“, berichtet die Landschaftsgärtnerin Schmitzl. Außerdem würde man die Jahreszeiten viel intensiver erleben. „Ein gut angelegter Garten ist Ästhetik, und Ästhetik ist Balsam für die Seele.“

Wenig Wasser
Für Gärtner-Anfänger hat Sonja Schmitzl noch einen guten Rat: „Pflanzen nehmen, die mit Wassermangel zurechtkommen.“ Meist sei es „Trockenheitsstress“, unter dem die Pflanzen leiden. Gut geeignet seien Stauden und Schleifenblumen (Iberis). Diese würden von Natur aus mit wenig Wasser auskommen.

Stadt und Land
In der Stadt gab es laut Schmitzl kaum Kunden, die gefragt haben, ob sie mithelfen könnten. Jetzt passiere es dauernd. „Die Leute wollen lernen, um das ein oder andere selbst machen zu können.“ Es sei toll, dass viele so interessiert seien.