Der Vorstand der Diabetiker-Selbsthilfe-Gruppe Oberndorf und Umgebung setzt sich aus Kassiererin und Schriftführerin Klara Nabholz (von links), dem stellvertretenden Vorsitzenden Horst Köpff, Beisitzerin Mechthild Fuchs, dem Vorsitzenden Klaus Lengfeld und Beisitzerin Klothilde Beck zusammen. Beisitzer Martin Schäuble ist nicht im Bild. Foto: Cools

„Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie Diabetes haben“, sagt Horst Köpff, stellvertretender Vorsitzender der Diabetiker-Selbsthilfe-Gruppe Oberndorf und Umgebung. Anzeichen würden manchmal nicht wahrgenommen oder ignoriert. Was mögliche Anzeichen sind und wie die Selbsthilfegruppe Betroffene und deren Familien unterstützt, erzählen die Vereinsvertreter im Gespräch mit unserer Redaktion.

Zusammen ist man stärker – so könnte das Motto der Diabetiker-Selbsthilfe-Gruppe Oberndorf und Umgebung (DiSelGO) lauten, denn sie fängt Betroffene nach ihrer Diagnose nicht nur auf, sondern begleitet sie auch weiterhin in ihrem Leben mit der Krankheit.

 

„Teil der Gruppe zu sein, ist für jeden, der gesund bleiben will, hilfreich“, meint der Vorsitzende Klaus Lengfeld. Er selbst ist nicht an Diabetes erkrankt, durch seine Frau aber trotzdem davon betroffen.

Wie alles begann

Ende der 90er-Jahre kam er darüber mit dem Oberndorfer Apotheker Andreas Kummert ins Gespräch. Dieser hatte damals anhand seiner Verkäufe festgestellt, dass er einige an Diabetes erkrankte Kunden haben musste, und eine Gruppe ins Leben gerufen, in der Vorträge zum Thema angeboten wurden. Lengfeld wurde kurz darauf ins Organisationsteam geholt.

Im Januar 2001 wurde die Diabetiker-Selbsthilfe-Gruppe als Verein gegründet. Klaus Lengfeld übernahm den Vorsitz. Ziel war von Anfang an, die Betroffenen so anzuleiten, dass sie ihr „Handicap“ akzeptieren, und zu zeigen, wie man seinen Krankheitsverlauf günstig beeinflussen kann – von kleinen Veränderungen bis zu großen Umstellungen.

Akzeptanz ist der erste Schritt

„Die Akzeptanz ist sehr wichtig“, sagt Lengfeld. Man müsse realisieren, dass man die Krankheit, zumindest Typ I, nicht mehr loswerde, aber sich auch klarmachen, dass man nicht „todkrank“ sei und handeln könne. Mechthild Fuchs, Besitzerin im Verein, hat das am eigenen Leib erfahren. Sie erkrankte im Alter von 46 Jahren an Diabetes-Typ I. „Anfangs konnte ich vor lauter Angst kaum schlafen. Aber dann habe ich mir bewusst gemacht: Ich habe es eben und muss damit leben“. Diese Akzeptanz habe ihr geholfen, besser damit umzugehen.

Die Diagnose

Viele wüssten gar nicht, dass sie an Diabetes erkrankt seien, weil sie die Anzeichen nicht deuten könnten, weiß Horst Köpff, stellvertretender Vorsitzender, selbst an Typ-II-Diabetes erkrankt. Manchmal würden diese leider auch von Ärzten ignoriert. Mögliche Anzeichen seien etwa starker Durst oder Gewichtsabnahme. Habe man einen Verdacht, sollte man nach Empfehlung der Selbsthilfe-Gruppe den HbA1c-Wert (glykiertes Hämoglobin) im Blut bestimmen lassen.

Man könne gut mit der Krankheit leben, betont Horst Köpff. Mit einer gesunden Ernährung und viel Bewegung könne man den Verlauf positiv beeinflussen. Übergewicht sei hingegen schädlich, man müsse sich aber auch nicht kasteien, so Köpff. Jeder Körper reagiere anders auf bestimmte Lebensmittel. Da müsse jeder den richtigen Weg für sich in Absprache mit dem Diabetologen finden.

Die Vorträge

Dennoch dürfe man die tückische Krankheit auch nicht auf die leichte Schulter nehmen, so Köpff. Um den Mitgliedern Hilfen an die Hand zu geben, finden regelmäßig Fachvorträge statt, die auch für nicht an Diabetes Erkrankte interessant sein können. So wird es am 15. Februar beispielsweise um das Thema „Diabetes und Darmgesundheit“ gehen, am 14. März um „Hausnotruf“, am 11. April ums „Überwinden des inneren Schweinehundes“ und am 16. Mai um Wundversorgung generell. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

Das Programm wird vom Vorstand der Selbsthilfe-Gruppe zusammengestellt, Mitglieder können aber auch Wünsche einbringen, die dann berücksichtigt werden, erzählt Lengfeld. Auch Bewegungsübungen und neue Erkenntnisse rund um die Gesundheit werden geteilt.

Interessierte und neue Mitglieder erwünscht

Die Gruppe besteht derzeit aus rund 40 bis 50 Mitgliedern aus Oberndorf, Sulz und Umgebung, die sich jeden zweiten Donnerstag in der Cafeteria des SRH-Krankenhauses in Oberndorf treffen.

Freuen würden man sich auch über einige jüngere Mitglieder – der Mitgliedsbeitrag liegt bei zehn Euro pro Jahr – doch die schienen oft eine Internetrecherche vorzuziehen, sagt Lengfeld. Dabei biete die Gruppe etwas, das es im virtuellen Raum nicht gebe: den persönlichen Austausch mit anderen Betroffenen, die sich in der gleichen Situation befinden. Eine Stunde vor dem jeweiligen Vortrag ist bei den Treffen deshalb stets für den Austausch der Mitglieder reserviert.

Man beobachte leider, dass immer mehr junge Menschen an Typ-II-Diabetes erkranken, sagt Klaus Lengfeld. Das hänge offenbar mit einer zu zuckerhaltigen Ernährung und Bewegungsmangel zusammen.

Ob älter oder jünger, erkrankt oder nicht, man freue sich stets über Besucher und neue Mitglieder, sagen die Vorstandsmitglieder der „DiSelGO“. Der Besuch der Veranstaltungen ist kostenfrei. Das Veranstaltungsprogramm und weitere Informationen gibt es unter www.diabetiker-oberndorf.de.

Die Krankheit

Diabetes Typ I
beginnt meist im Kindes- oder Jugendalter. Die Zellen in der Bauchspeicheldrüse sind nicht im Stande, das Hormon Insulin zu produzieren, wodurch ein Mangel entsteht. Dieser Typ ist bisher nicht heilbar, so dass die Patienten ihr Leben lang Insulin spritzen müssen.

Diabetes Typ II
wird auch als Altersdiabetes bezeichnet, weil er sich oft erst im höheren Lebensalter bemerkbar macht. Die Erkrankung entsteht zum einen durch eine verminderte Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin (Insulinresistenz), zum anderen führt eine jahrelange Überproduktion von Insulin zu einer „Erschöpfung“ der insulinproduzierenden Zellen und die Bauchspeicheldrüse kann nicht genug Insulin für den erhöhten Bedarf liefern. Neben einer erblichen Veranlagung gelten Übergewicht und Bewegungsmangel als die wichtigsten Verursacher. Sind Allgemeinmaßnahmen, wie eine angepasste Ernährung und mehr Bewegung, nicht erfolgreich, stehen Medikamente zur Verfügung. Helfen auch diese nicht dabei, die Erkrankung in den Griff zu bekommen, muss auch hier Insulin gespritzt werden.