Daniel Schmidt will zur Weltmeisterschaft die Nummer eins im Tor der japanischen Fußball-Nationalelf werden – dabei erhält der 30-Jährige mit deutschen Wurzeln reichlich Unterstützung aus Stuttgart.
Auf diesen Moment hat Daniel Schmidt gelauert. Denn es ist seine Chance, weiter beste Eigenwerbung zu betreiben. Harime Moriyasu hat dem 30-Jährigen letztlich in der Halbzeit das Zeichen gegeben, sich für einen Einsatz im Test gegen die USA bereit zu machen – und warum der japanische Fußball-Nationaltrainer beim 2:0-Sieg besonders auf den Torhüter mit dem wohlklingenden deutschen Namen geachtet hat, erschließt sich für den Laien auf den ersten Blick nicht. Jedenfalls nicht ohne einen Zusatz. Daniel Yuji Yabuki Schmidt lautet der vollständige Name – und der Torhüter des VV St. Truiden ist auf dem Sprung zur Nummer eins bei den Samurai Blue.
„Daniel Schmidt hat sich in den vergangenen Monaten noch einmal sehr gut entwickelt. Er ist ein heißer Kandidat für die WM in Katar und kann dort eine hervorragende Rolle spielen“, sagt Dennis Rudel, der Torwarttrainer beim belgischen Erstligisten in St. Truiden. Womöglich als Stammkeeper. Diese Aussicht macht das zweite Freundschaftsspiel der Japaner in Düsseldorf an diesem Dienstag (13.55 Uhr) gegen Ecuador für Schmidt wieder spannend. Weil er sich einen weiteren Fingerzeig in Richtung der Wüsten-Weltmeisterschaft im Herbst erhofft.
Defensivblock mit VfB-Spielern
Drei Wochen ist es her, da hat sich Moriyasu noch einmal ein genaueres Bild von Schmidt machen wollen. In der mit 20 000 Zuschauern voll besetzten Arena in Genk, bei Derbyatmosphäre. Der Keeper hielt für seinen Club bei der Nullnummer den Punkt fest. Diesen starken Eindruck gilt es zu verfestigen. Schließlich will Schmidt, der mit zwei Jahren nach Sendai kam und als Sohn einer japanischen Mutter und eines deutschen Vaters im US-Bundesstaat Illinois geboren wurde, mit seiner mächtigen Statur Teil eines Defensivblocks sein, in dem auch zwei Spieler des VfB Stuttgart eine Rolle spielen: Wataru Endo im Mittelfeld und Hiroki Ito in der Abwehr.
Insgesamt gehören – ohne den verletzten Takuma Asano (VfL Bochum) – noch eine Reihe von Deutschland-Legionären zum japanischen Nationalmannschaftskader: Daichi Kamada von Eintracht Frankfurt (erzielte das 1:0 gegen die USA), Kapitän Maya Yoshida von Schalke 04, Ritsu Doan vom SC Freiburg, Genki Haraguchi von Union Berlin, Ko Itakura von Borussia Mönchengladbach und Ao Tanaka von Fortuna Düsseldorf.
Ganz unterschiedliche Spielertypen, die jedoch eines in ihrem Naturell verbindet: die sprichwörtliche Zurückhaltung. Das war auch bei Schmidt so, als Rudel seine Arbeit im Trainerteam von Bernd Hollerbach im vergangenen Sommer aufnahm. Zu leise beim Dirigieren der Vorderleute und zu passiv in der Spielweise ergab die erste Analyse. „Daniel bringt mit seinen 1,97 Meter Körpergröße, seiner enormen Spannweite und seinen guten Reflexen jedoch beste Voraussetzungen mit“, sagt der frühere VfB-Jugendtorwarttrainer – und forderte von seinem neuen Schützling Veränderungen ein.
Ein Mehr an Lautstärke, ein Mehr an Aktivität, ein Mehr an Ausstrahlung. Alles Faktoren, die zur Torhüterpersönlichkeit gehören – und die Rudel neben der Athletik und der Technik mittrainiert und ausbildet. „Daniel zeigt sich diesbezüglich offen und lernwillig. Er hat viele frische Impulse aufgenommen“, sagt Rudel, der gerne Videosequenzen anderer Torhüter zeigt, um Stärken und Schwächen vor Augen zu führen.
Video von Florian Müller als Lernmaterial
Zuletzt gab es dabei eine Rettungstat per Fuß von VfB-Schlussmann Florian Müller beim FC Bayern (2:2) zu sehen. Schmidt, der sich mit dem Torwarttrainer aus Stuttgart auf Englisch unterhält, soll daraus weiter lernen. Zudem profitiert der Keeper im Ligabetrieb von der guten Abwehr – oder sie von ihm. Der Tabellenneunte hat in neun Spielen erst acht Gegentore hinnehmen müssen (die zweitwenigsten nach Spitzenreiter Royal Antwerpen).
Das stärkt das Selbstvertrauen. Nun fordert Schmidt (zehn Länderspiele) die bisherigen Platzhirsche zwischen den Pfosten heraus: Shuichi Gonda (Shimizu S-Pulse) und Eiji Kawashima (Racing Straßburg). 33 und 39 Jahre alt, nahezu mit Legendenstatus in Japan. „Ich glaube dennoch, dass Daniel zuletzt viele Pluspunkte mit seinen konstant guten Leistungen sammeln konnte“, sagt Rudel, der die Prinzipien der Stuttgarter Torwartschule in Belgien pflegt.
Dazu zählt das Spiel mit dem Fuß – als Libero mit Handschuhen. Mit seiner Beidfüßigkeit komplettiert Schmidt hier sein Paket, das Moriyasu vollends überzeugen soll. Denn am 23. November beginnt das Spiel auf der großen Bühne. Japan ist der Auftaktgegner der deutschen Nationalmannschaft in Katar – und Schmidt will gegen das Heimatland seines Vaters die Null halten.