Landsmannschaftliches Bekenntnis im Karlsruher Wildparkstadion Foto: dpa

Der Profifußball ist kein Kirchentag. Und in Derbys knistert auch andernorts in der Bundesliga die Luft. Aber zwischen Teilen der Fans von KSC und VfB kommt es regelmäßig zu wüsten Prügeleien. Es ist eine Feindschaft mit langer Geschichte.

Stuttgart - Die gegenseitige Abneigung entspringt aus tiefstem Herzen. Und sie nährt sich aus Wurzeln, die viel tiefer reichen als in den Fußball. Teile der Fans des Karlsruher SC und des VfB Stuttgart schätzen sich seit Jahrzehnten so sehr wie die Syphilis. Und immer dann, wenn die Teams mal wieder aufeinandertreffen, wird ein alter Streit aufs Neue kultiviert. Was nicht selten in wüste Prügeleien mündet.

Derby wecken noch mehr als sonst die Emotionen, und Fußball war ohnedies noch nie ein Kirchentag: Wenn Schalke 04 gegen Borussia Dortmund spielt, wenn sich der 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach messen oder der Hamburger SV gegen die Sportsfreunde vom SV Werder Bremen kickt, knistert zwischen den Fans regelmäßig die Luft. Aber nirgendwo stehen sich die Lager so spinnefeind gegenüber wie zwischen VfB und KSC.

„Und ich kann beim besten Willen nicht behaupten, dass sich daran im Lauf der Jahre etwas verbessert hat“, sagt Thomas Weyhing, von 1992 bis 2008 Geschäftsstellenleiter und Sicherheitsbeauftragter beim VfB. Warum das so ist, erklärt ein Blick in die Geschichte:

Reinhold Maiers Trick

Weil die Badener schon immer ein bisschen eigensinnig waren, teilte der Ultra-Schwabe und spätere Ministerpräsident Reinhold Maier 1951 die beiden Landesteile in vier Wahlbezirke ein: Zur Urabstimmung über das gemeinsame Bundesland schritten Nordwürttemberg, Südwürttemberg-Hohenzollern, Nord- und Südbaden an die Urnen. Was ziemlich clever war, weil so nur Südbaden gegen die Vereinigung stimmte – mit 62 Prozent. Hätte Baden als Ganzes votiert, wären 52 Prozent der Stimmen gegen Baden-Württemberg zusammengekommen.

Als stünde es in der Landesverfassung von 1952, fühlen sich die Badener von den Schwaben bis heute über den Tisch gezogen. „Da wurde die Politik auf den Sport übertragen“, seufzt Weyhing, „dabei haben sich die Vereinsfunktionäre untereinander immer sehr gut verstanden.“

Was nichts daran ändert: Bei Niederlagen gegen den Erzrivalen droht hier wie dort die Höchststrafe. Nach einer 1:3-Pleite im Wildparkstadion zischte Präsident Gerhard ­Mayer-Vorfelder: „Es reicht!“ Trainer Jürgen Röber musste gehen. Manager Dieter Hoeneß auch.

Seit 1954 haben die Clubs 55-mal gegeneinander gespielt. Und zusammenfassen lassen sich die Derbys so: Irgendwas war immer. Auch weil Trainer wie Winfried Schäfer das vermeintliche Verhältnis von Arm und Reich, David und Goliath oder Demut und Arroganz für ihre Motivationszwecke nutzten. „Zieht dem Bobic die Spätzle aus dem Arsch“, soll er vor einem Bundesliga-Derby im Daimlerstadion gerufen haben. Was Schäfer immer vehement bestritt. Als späterer VfB-Coach wurden ihm die alten Geschichten aber zum Verhängnis. Das Team um Fredi Bobic, Thomas Berthold und Gerhard Poschner spricht bis heute nur spöttisch vom „Ettlinger“, wenn die Rede auf den wilden Winnie kommt. Sie hatten sich nach dessen Entlassung geschworen, den Namen nie wieder in den Mund zu nehmen.

Entgleiste Aufstiegsfeier

Es kam noch schlimmer: Als der Karlsruher SC 2007 den Wiederaufstieg in die Bundesliga schaffte, skandierten die Spieler bei der Aufstiegsfeier auf dem Rathausbalkon: „Stuttgarter Arschlöcher.“ Zwar entschuldigte sich der Verein offiziell, aber neue Freundschaften sind nicht entstanden. Ausgerechnet der in Merseburg/Sachsen-Anhalt geborene frühere KSC-Kapitän Maik Franz wünschte sich im vergangenen Jahr den Abstieg des Erzrivalen aus der Landeshauptstadt. „Das wäre schön.“ Sein Wunsch ging in Erfüllung. KSC-Fans brachten daraufhin in Stuttgart Plakate an: „Willkommen in Liga zwei, Ihr Hurensöhne.“

Fortsetzung folgt.