Der Berliner Künstler Robert Barta bringt nicht nur Kunst nach Deißlingen, sondern auch Gesprächsstoff. Foto: Schleeh

Robert Bartas Installation in Deißlingen Thema im Gremium. Manche sehen Sicherheit gefährdet.

Deißlingen - Wenn Kunst sich ins Gespräch bringt, dann hat sie ihren Sinn erfüllt: Das neue Kunstwerk auf dem Deißlinger Kreisverkehr hat das nach kurzer Zeit bereits geschafft.

"If you hit me, I will hit you twice" (sinngemäß: Falls Du mich rammst, ramme ich dich doppelt") hat der Berliner Künstler Robert Barta seine Installation überschrieben, die neuerdings im Kreisverkehr nahe des Deißlinger Feuerwehrhauses thront. Die Vernissage hat noch nicht einmal stattgefunden, schon ist das Kunstwerk ein Gesprächsthema im Ort. Auch der Gemeinderat befasste sich in seiner jüngsten Sitzung damit.

Parallelen zu abgebauten Holztieren in Neufra?

"Über Kunst und Geschmack sollte nicht diskutiert werden", meinte Bürgermeister Ralf Ulbrich zwar. Ein paar Anmerkungen hatte er dann aber doch, nachdem etliche Facebook-Nutzer auf der Seite der Gemeinde Kommentare hinterlassen hatten. Einer gibt dort beispielsweise dem Musikverein einen Tipp: "Augen auf bei der Altmaterialsammlung. Nicht alles, was so rumsteht, ist auch wirklich Schrott", schreibt ein Johnny Johnson. "Gewöhnungsbedürftig... Aber immerhin schön rot", findet dagegen ein Matthias I. Nutzer Tobias V. zieht Parallelen zu den abgebauten Holztieren auf dem Neufraer Kreisverkehr und betrachtet Bartas Werk deshalb als "herrlich unterschwellige Kritik an der Politik der Anti-Kreiselkunst-Regierung".

Einen großen Unterschied allerdings gibt es: Der Deißlinger Kreisel steht innerorts, dort sind selbst für die grün- rote Landesregierung Kunstwerke kein Problem.

Dennoch betonte Ulbrich: "Eine zusätzliche Verkehrsgefährdung ist nicht zu befürchten." Die Leitplanken seien nicht verschweißt, sondern genietet. Sollte es also doch zu einem Zusammenstoß kommen, gibt das Kunstwerk nach.

Verkehrsbehörde schaut Installation an

Zudem sei es so ausgerichtet, dass keine scharfen Kanten auf die Einfahrtstraßen des Kreisverkehrs zeigen. Und: Der Landkreis habe sich die Installation angeschaut, nur um sicher zu gehen.

Gemeinderat Georg Fietz (Deißlinger unabhängige Liste) kann das nicht überzeugen: Er sieht "höchstes Gefährdungspotenzial für die Verkehrsteilnehmer" und erinnerte an einen Unfall, bei dem es einer Autofahrerin schwarz vor Augen geworden sei. Was, wenn so etwas genau am Kreisverkehr passiert und ein Fahrzeug Bartas Leitplanken rammt? "Ich kann mich absolut nicht damit anfreunden, dass es da steht", erklärte er. "Dieses Objekt muss dort verschwinden."

So tragisch sieht sein SPD-Kollege Hartmut Storz die Sache nicht, er geht von keiner erhöhten Gefahr durch die Kreiselkunst aus. Karin Schmeh (CDU) gewinnt der Diskussion gar eine erfreuliche Seite ab: "Ein Kunstwerk ist immer eine strittige Sache." Und weil der Kreisverkehr als Dauerausstellungsfläche dient, meint sie: "Da wird auch mal wieder was Lustiges draufkommen."

Vorerst allerdings werden Bartas rot-weiße Leitplanken zu sehen sein – Ralf Ulbrich geht nämlich nicht davon aus, dass sie entfernt werden müssen. Zur Sicherheit nimmt er allerdings noch einmal Kontakt mit der Straßenverkehrsbehörde auf.

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