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Deißlingen Eine Epidemie und die "Gute Beth"

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Der Gute-Beth-Kindergarten in DeißlingenFoto: Reinhardt Foto: Schwarzwälder Bote

Im früheren Schwesternhaus in Deißlingen werden wieder Kinder betreut. Das hat hier Tradition.

Deißlingen (shr). Eine Typhus-Epidemie in Deißlingen, das war vor langer Zeit ein Grund für die Deißlinger Obrigkeit, im Kloster Reute vorstellig zu werden und um Hilfe zu bitten. Hilfe in Form von Ordensschwestern, die medizinische Kenntnisse hatten. Und sie kamen, die Schwestern: 1890 erbaute man ihnen ein Haus, in das die Ordensschwestern und drei Jahre später die Deißlinger Kinder einzogen: Der erste Kindergarten war gegründet, damals hieß es noch "Kinderschule". Das Schwesternhaus wurde dann, nach dem Neubau des Kindergartens nebenan 1983/84, nur noch sporadisch genutzt und fiel ein wenig in Dornröschenschlaf, doch seit Kurzem ist es hergerichtet, und wird von einer Gruppe genutzt.

Der Kindergarten bekam in den 1980er-Jahren einen eher ungewöhnlichen Namen: Gute Beth. Und auch der hat mit den Schwestern aus Reute zu tun, denn dieses Kloster in Oberschwaben wurde 1403 von Elisabeth Achler gegründet. Mit vier anderen jungen Frauen zog sie in eine Klause, um nach den Regeln des Heiligen Franziskus zu leben und den Armen zu helfen. So wurde sie die "Gute Beth".

Die Kranken betreut

Dass sie die Namenspatronin des Kindergartens werden sollte, darüber war sich der Deißlinger Gemeinderat damals absolut einig, wie sich Ernst Spadinger, damals Bürgermeister und heute gerne mit der Historie Deißlingens befasst, erinnert. Doch es war nicht nur die Kinderbetreuung, um die sich die Deißlinger Schwestern kümmerten, denn zu der Zeit gab es im Ort noch keinen Arzt. Kranke und Verletzte wurden von den Schwestern betreut. Fleißige Frauen seien das gewesen, erzählt Spadinger. Eine der vier habe den Haushalt besorgt, während die anderen drei als Krankenschwester und Erzieherinnen arbeiteten. Sogar Säuglinge, mitunter ganztags, seien in der "Kinderschule" betreut worden. Während des Zweiten Weltkriegs nämlich, als die Frauen zuhause auf sich selbst gestellt waren, oft Haus und Hof allein in Schuss halten mussten. Nur die Kinder von den Heiligenhöfen auf der Höhe Richtung Niedereschach konnten nicht in die Kinderschule, für sie war der Weg einfach zu weit.

Bekannt und beliebt waren die fleißigen Schwestern aber nicht nur für ihre medizinische Hilfe und die Kinderbetreuung, sondern auch für ihre feinen Handarbeiten. Viele der Stücke, die sie anfertigten, sind heute noch in der Laurentiuskirche im Gebrauch.

Wie beliebt die Schwestern waren, zeigte sich auch daran, dass man sie gerne mal verwöhnte. Eigentlich, so Ernst Spadinger, seien sie sehr genügsam gewesen, aber vielleicht gerade deshalb brachten die Menschen ihnen am Schlachttag Würste vorbei. Eine der Schwestern mit dem geistlichen Namen "Spinella" bekam für ihren Einsatz sogar das Bundesverdienstkreuz, das ihr Ernst Spadinger überreichen durfte.

Ein Fiat für die Schwestern

Die Krankenbesuche machten die Schwestern meist mit dem Fahrrad – bis zum Jahr 1976, denn dann gab es eine erfolgreiche Spendenaktion: In nur vier Wochen kamen damals 10 500 Mark zusammen. Damit wurde ein grüner Fiat gekauft, den Bürgermeister Spadinger den Schwestern stolz überreichte. Schwester Rosa sei damit durch den Ort geprescht, so ist es im damaligen Heimatbrief der Gemeinde zu lesen.

1983/84 erbaute die Gemeinde dann neben dem Schwesternhaus den neuen Kindergarten. Bereits 1988 verließen die letzten drei Schwestern Deißlingen. Grund war der Nachwuchsmangel im Kloster Reute. Lange Zeit waren viele junge Mädchen, auch aus Deißlingen, nach Reute gegangen und hatten den Schleier genommen, um wie die Gute Beth in Armut und Gebet zu leben. Doch damit war es nun weitestgehend vorbei. Ein Bittgang nach Reute, den Ernst Spadinger zusammen mit Pfarrer Alfons Stegmaier noch unternahm, blieb erfolglos. Aber im Gedächtnis blieb Spadinger: "Als wir an der Pforte klingelten, meinte die Oberin, es sei ja schön, dass wir fünf junge Frauen fürs Kloster mitbringen würden". Doch die beiden Herren waren allein gekommen, und so übernahm dann Krankenpfleger Heinz Schillinger anstelle der Krankenschwester aus Reute die Versorgung der Deißlinger. Zusammen mit seiner Frau Hedwig bezog er die ehemals von den Schwestern bewohnten Räume.

Die "Kinderschule" diente dann bis zum vergangenen Jahr als Turnhalle und Ausweichraum für den Kindergarten. Übrigens wurde über die "Gute Beth", die schon zu Lebzeiten als Wundertäterin Oberschwabens Berühmtheit erlangte, viel erzählt. So soll sie Jesus Wundmale gehabt haben. Von Papst Clemens XIII wurde sie 1766 selig gesprochen.

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