Könnte das Suchgebiet für Windkraftnutzung am Owinger Warrenberg zu Fall gebracht werden, weil dort mit Hilfe seismischer Messungen eine offenbar abbauwürdige Salzlagerstätte entdeckt wurde? Das ist eine gute Frage Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel

Mit der Suche nach Gebieten, in denen Windräder gebaut werden können, hat sich jetzt auch der Ortschaftsrat Stetten befasst. Er hat jedoch ganz andere Sorgen als anderer Ortschaftsräte.

Anders als 2017/18, als man von zehn bis 15 möglichen Windräder im Waldgebiet „Hohwacht“ hoch über dem Ort sprach, ist Stetten aktuell nur indirekt von den Windradplänen des Regionalverbandes Neckar-Alb (RVNA) betroffen.

 

Bei der jetzigen Standortsuche des Regionalverbandes Neckar-Alb wurde nämlich eine Fläche bei Stetten auf Betreiben der Stadt Haigerloch frühzeitig aus dem Rennen genommen. Gleichwohl sollen Gebiete zwischen Rangendingen und Grosselfingen (ZAK-01) und zwischen Erlaheim, Ostdorf und Owingen (ZAK-02) auf ihre Tauglichkeit für Windenergieanlagen überprüft werden – beides Standorte, die gar nicht weit weg von Stetten sind. Aber gerade beim Gebiet ZAK-02 treiben den Stettener Ortschaftsrat ein paar Sorgen um.

Mit seismischen Methoden nach weiteren Salzvorkommen gesucht

Dieser habe aber nichts mit störender Optik oder Angst vor Infraschall zu tun, sondern mit ganz anderen Dingen. Im vergangenen Spätsommer und Herbst hatte nämlich die Wacker Chemie AG aus dem bayerischen Burghausen – ihr gehört das Salzbergwerk – im Bereich um den Warrenberg mit Erkundungsarbeiten vorgenommen. Deren Ziel war nach Angaben des Unternehmens, mittels Reflexions- und Refraktionsseismik herauszufinden, mit welchen Salzmengen südöstlich der bisherigen Bergwerksfläche zu rechnen ist.

Mit Hilfe eines kleinen Bohrfahrzeugs wurden dabei Löcher mit wenigen Zentimetern Durchmesser bis in drei Metern Tiefe in den Boden gebohrt. In den Löchern wurde dabei eine geringe Menge Pyrotechnik – vergleichbar mit größeren Feuerwerkskörpern – gezündet. Die dabei erzeugten und sich im Boden ausbreitenden Schallwellen wurden je Untergrundschicht spezifisch reflektiert und von an der Oberfläche ausgebrachten Geophonen registriert. So konnten Rückschlüsse auf die Tiefe (Teufe), die flächige Ausdehnung und die die Dicke der Salzschicht (Mächtigkeit), gezogen werden.

Hinweise auf Lagerstätte unter dem Warrenberg

Offenbar, so berichtete es Ortsvorsteher Walter Stocker am Dienstag allerdings im Ortschaftsrat, wurde bei diesen Untersuchungen im für Windkraft vorgesehen Gebiet Werte gemessen, die auf ein großes Salzvorkommen unter dem Warrenberg schließen lassen.

Windräder, die entsprechende Fundamente im Boden benötigen und Salzabbau in etwa 80 bis 130 Meter Tiefe – lässt sich das miteinander vereinbaren? Oder besteht gar die Gefahr, das Windräder aufgrund der Gebirgsmechanik auf einem Salzabbaugebiet ins Wackeln geraten und umkippen könnten?

Fragen, die sich der Ortschaftsrat Stetten stellte und die wohl im Laufe des Verfahrens zu klären sind. Auf jeden Fall dürfe man Hinweis auf das Salzvorkommen nicht außer Acht lassen, meinte Ortsvorsteher Walter Stocker.

Mess-Ergebnisse im Verfahren berücksichtigen

Es müsse bei einem Windradbau sichergestellt sein, dass dadurch nicht der Salzabbau beeinträchtigt oder sogar gestoppt werde. „Schließlich geht es hier auch um 70 bis 80 Arbeitsplätze“, so der Ortsvorsteher.

Der Ortschaftsrat war sich mit Stocker einig, dass dieser Faktor vom RVNA berücksichtig werden müsse. Man geht auch davon aus, dass das in Freiburg ansässige und für den Salzabbau in Stetten zuständige Bergbauamt hier ein Wörtchen mitreden wird.