Die Fantastischen Vier im Kloster in Calw-Hirsau (von links): Thomas D., Smudo, Michi Beck und Andreas Rieke. Foto: Rousek

Kurz vor dem Konzert der Fantastischen Vier in Calw sprachen Smudo, Thomas D. und Co. im Interview über die Luca-App und die Corona-Krise. Fanta 4 haben eine besondere Botschaft.

Calw-Hirsau - Entspannt schlendern die Mitglieder der Fantastischen Vier durch die Klosterruinen in Calw-Hirsau. Vorneweg die schneeweiße Hündin von Thomas D., die für die Zeit des Auftritts mit ihm im Wohnwagen auf dem Areal nächtigt. Besonders viele Konzerte hat die Band seit Beginn der Pandemie noch nicht wieder gegeben. Umso mehr haben sie sich jetzt gefreut, vor knapp 1000 Gästen, die die Karten bei den Volksbanken Raiffeisenbanken gewonnen haben, im Nordschwarzwald zu spielen.

 

Im Gespräch mit unserer Redaktion vor dem Konzert haben die "Fantas" erzählt, wie sie die Lockdowns verbracht haben, die Entwicklung der Luca-App einschätzen und was Ihre eigene, ganz persönliche Zuversichtsbotschaft ist.

Klassische Einstiegsfrage...

Smudo: Wie habt Ihr euch kennengelernt?

Ganz so klassisch auch wieder nicht. Wie fühlt es sich an, wieder auf Bühnen zu stehen – wenn auch auf kleineren?

Smudo: Super. Wir haben ja Strandkorbkonzerte gespielt, davor haben wir eineinhalb Jahre lang nicht gespielt. Die Strandkorbkonzerte haben schon Spaß gemacht. Aber was wir vermisst und fast ein bisschen vergessen haben, ist, wie es sich anfühlt und wie wichtig es ist, dass die Leute eben nah beieinander stehen und selber auch eine Emotion produzieren, die wiederum auf uns abstrahlt und wir dadurch etwas machen, was wie ein Resonanzraum auf die Leute wirkt. Es war schon toll, wie sie alle da ohne Abstand und nur mit Mundschutz vor der Bühne abgerockt haben.

Thomas D.: Wunderschön wirklich – nach zwei Jahren. Hat uns wirklich gekickt, also jetzt Waiblingen dreimal, das war wirklich wie früher. Und hier ist natürlich eine top Location. Also ich glaube das wird richtig schön, 1000 Leute im Innenhof mit dem Surrounding – yeah wir freuen uns sehr.

Wie habt Ihr als Bandgemeinschaft die Lockdowns überstanden – seid Ihr in Kontakt geblieben oder habt Ihr euch eine Auszeit genommen jeder für sich?

Smudo: Wir haben uns getroffen, um ein bisschen was aufzunehmen. Michi und ich haben "The Voice Kids" gemacht. Bisschen Lieder geschrieben haben wir auch.

Thomas D.: Hauptsächlich haben wir viel Zeit mit Homeschooling verbracht.

Smudo: Thomas hat noch ein paar musikalische Projekte am Laufen gehabt.

Thomas D.: Richtig, ich habe Solo noch ein bisschen was gemacht ohne Band. Aber das war auch vor der Pandemie und dann kam diese dazwischen, deshalb gab’s da auch keine Live-Auftritte, sondern erstmal eine Platte. Die haben wir dann mit Tests und Abstand gemeinsam aufgenommen.

Und dann wart Ihr auch ein Stück weit damit beschäftigt, die Luca-App zu unterstützen, richtig?

Thomas D.: Richtig, Smudo hat die Luca-App programmiert.

Andreas Rieke (lacht) Das ist falsch, aber es steht überall.

Smudo: Als Band haben wir uns dazu entschlossen, das zu unterstützen. Unsere Tour "30 Jahre die Fantastischen Vier" hat ja wegen Corona nicht stattgefunden, die Tickets stehen sozusagen immer noch im Raum. Wir hatten jemanden kennengelernt, der uns erzählt hat, er kennt jemanden und der kennt jemanden, die haben eventuell eine Software, also eine App, mit der man vielleicht das Publikum so verwalten könnte, dass man doch unter Hygienebedingungen spielen könnte. Stimmt natürlich nicht. Aber die Situation war damals so, dass wenn einem Gesundheitsamt 30 Fälle von Corona-Erkrankten gemeldet werden und die hinterhertelefonieren müssen, dann ist das Gesundheitsamt bereits platt. Und kann 30 Kranke sozusagen nicht weiterverfolgen. Dann haben wir gedacht: Das geht nicht, wir müssen diesen Prozess digitalisieren. Und es ist tatsächlich bisher die einzige App, die den Prozess im Gesundheitsamt und vornerum digitalisiert – das macht ja tatsächlich bis heute noch keiner sonst. Aber dass das so krass abgeht und so eine Action ist, das hätte von uns keiner erwartet.

Seid Ihr zuversichtlich, dass die App trotzdem weiterhin eine Zukunft hat, trotz der aktuellen Entwicklungen?

Smudo: Schwer zu sagen, wir wissen es nicht. Es ist unsere allererste Pandemie, aber wenn man den Epidemiologen, die uns unterstützen, glauben darf, wird es nicht die letzte Pandemie sein. Von daher wird es schon immer mal wieder zu Ausbrüchen kommen, nicht nur mit Corona, wo man Kontaktverfolgung braucht. Wir alle wissen, dass bei Gesundheitsämtern und vielen anderen Ämtern die Digitalisierung sehr langsam vorangeschritten ist. Man kann sagen, dass das durch Corona beschleunigt wurde. Auf Gesundheitsamtsseite sind wir ganz gut etabliert mit Luca. Ich kann mir schon vorstellen, dass das so läuft wie bei Sormas, das damals eigentlich für Ebola gemacht wurde und bis heute in Gesundheitsämtern benutzt wird – Luca könnte auch so ein Standard werden. Aber was jetzt mittelfristig passiert, keine Ahnung. Wir sind alle sehr gespannt, was im Herbst passiert. Mein persönlicher Glaube ist, dass es im Herbst noch mal heftig wird, weil der Ungeimpften-Hintergrund so schlecht ist, dass wir wahrscheinlich mit Luca noch bis mindestens Frühjahr leben müssen.

Seid Ihr der Meinung, dass es überhaupt in nächster Zukunft wieder richtig große Konzerte geben wird?

Michi Beck: Ja, der Meinung sind wir. Wir glauben, dass es nächstes Jahr ab Frühjahr besser wird – hoffentlich durch Einsicht bei der Impfquote und vielleicht auch dadurch, dass es sich einspielen wird. Dass nicht nur mehr Leute geimpft sind, sondern vielleicht auch trotz 30 Prozent Ungeimpfter die schweren Verläufe und die Krankenhauseinweisungen weniger werden und man eben damit leben wird und leben muss. Dass die Leute sich auch wieder daran gewöhnt haben, zusammenzustehen und gemeinsam Sachen zu erleben. Wir haben das jetzt schon festgestellt durch die ersten Konzerte, die wir gespielt haben. Es waren in Waiblingen jeweils nur 2000 Leute, aber diese Berührungsangst wird weniger und ich glaube das hat auch sehr viel mit der Angst zu tun, die weniger werden muss. Dass sich das alles wieder normalisiert. Wir gehen davon aus, dass Hallenkonzerte zum nächsten Herbst auf jeden Fall wieder stattfinden können. Und ich glaube, dass große Open-Air-Shows ohne Besucherlimit oder andere Restriktionen ab Frühjahr 2022 möglich sein werden.

Die Leute, die jetzt hier sind, haben Zuversichtsbotschaften eingesandt, um Karten zu gewinnen. Was wäre eure Zuversichtsbotschaft an die Menschen?

Thomas D.: Lasst euch nicht unterkriegen, wir schaffen das. Wir haben schon Schlimmeres durchgemacht. Wir müssen es nur zusammen durchstehen. Ich glaube, das Schlimmste ist die Spaltung, dass uns die separiert. Denn eine Krise, wenn sie einen zusammenschweißt, wenn man gemeinsam das Gefühl hat, wir haben es geschafft, verbindet die Menschen. Und vielleicht können wir das rausgeben und sagen: Ja, wir können diese Prüfung bestehen, die uns das Leben stellt, wenn wir sie zusammen meistern.

Michi Beck: Ich habe die Zuversicht, dass Nähe wieder als etwas Positives empfunden wird, was eben eher ein Leben ermöglicht, als dem Leben schadet.

Lesen Sie auch: "Fanta 4" spielt im Kloster Hirsau - Schon beim ersten Song packt es alle

Info: Sommersound Villingen-Schwenningen

Am 7. August 2022 kommen die Fantastischen Vier zum Sommersound nach Villingen-Schwenningen beim Druckzentrum Südwest. Tickets für das Konzert gibt es für 64,90 Euro unter www.sommersound-vs.de.