Wenn eine Sammlung abgeschlossen ist, ist sie für den Sammler uninteressant. Das sagt Briefmarkensammler Dieter Friedt (links), im Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden Jens Buckenberger und Münzsammler Alexander Szeglat. Foto: Lutz Rademacher

Sammler des Vereins der Münzen-, Ansichtskarten- und Briefmarkenfreunde verraten, was den Reiz an ihrem Hobby ausmacht.

Donaueschingen – Im vergangenen Jahr wurde der Verein der Münzen-, Ansichtskarten- und Briefmarkenfreunde Donaueschingen-Blumberg 100 Jahre alt. Doch das geplante reichhaltige Jubiläumsprogramm fiel der Pandemie zum Opfer. Unter anderem sollten auch 60 Jahre Großtauschtage gefeiert werden. Doch das 100+1. Vereinsjahr bedeutet nun das Aus für diese jährlichen Veranstaltungen.

 

Doch der Verein lebt. Jeden zweiten Montag im Monat um 20 Uhr treffen sich die Mitglieder der Münzgruppe und die Briefmarkenfreunde im "Grünen Baum" in Allmendshofen. Hier werden Neuigkeiten und Wissenswertes aus den Bereichen Numismatik und Philatelie ausgetauscht und es gibt vereinsintern die Möglichkeit zum Tausch oder Kauf.

Hallenmiete nicht mehr bezahlbar

"Der Großtauschtag, der immer im Januar in der Donauhalle stattfand, war bisher der Höhepunkt des Vereinsjahrs", blickt Jens Buckenberger zurück, der seit 2014 Vorsitzender ist. "Das wird nun wohl nicht mehr gehen." Das Interesse habe nachgelassen und die Hallenmiete zuzüglich Heizkosten sei nicht mehr bezahlbar. Der letzte Großtauschtag fand am 20. Januar 2020 statt.

Online statt analog

Doch gesammelt wird immer noch. Und obwohl das Sammeln eigentlich eine rein analoge Beschäftigung ist, spielt das Internet heute eine entscheidende Rolle. Früher liefen Briefmarkenverkäufe über Händlerauktionen oder Tauschbörsen, heute läuft die Hälfte über das Internet, schätzt Buckenberger. "Wenn ich auf eine Börse fahre, gehe ich nur hin, um einen schönen Tag zu haben und zu sehen, was es alles gibt", sagt Münzsammler Alexander Szeglat, "ich finde mein Sammelgebiet auf keiner Börse, weil es zu speziell ist". Hierfür brauche er Online-Auktionen oder Händler, die online anbieten – ohne Internet ginge nichts.

Denn wenn man etwas Besonderes sammelt, braucht man ein größeres Gebiet, um Ergänzungen zu bekommen. Der 46-jährige Dachdeckermeister aus Hüfingen hatte als Kind mit Briefmarken angefangen, wechselte dann aber mit zwölf zu Münzen, was bis heute so geblieben ist.

Sammelgebiet auf Deutsche Mark spezialisiert

Am Anfang waren es die ganz normalen Münzen aus Zeiten der Deutschen Mark (DM) und Gedenkmünzen. Hinzu kamen kanadische Silberdollar, "weil mir die Motive so gut gefallen haben", blickt er zurück. Vor etwa 15 Jahren hat er sein Sammelgebiet spezialisiert. Damals habe er sich von allem Alten getrennt. Doch bei der Deutschen Mark ist er geblieben, mit dem Euro könne er nichts anfangen. Heute sammelt er drei Themen, ausschließlich DM. Einerseits 5-DM-Münzen, die sogenannten Heiermanns, von 1951 bis 1974 aus allen Prägeanstalten in prägefrischer Erhaltung, dann Fehlprägungen, die bei der Herstellung durchgerutscht sind, und schließlich sogenannte "Ronden", das sind ausgeschnittene, scheibenförmige Metallrundlinge, aus denen später die Münze geprägt wird.

Ronden sind im Durchschnitt kleiner als die eigentliche Münze, meistens haben sie schon eine Randschrift. Wenn er wieder ein Stück ergattern kann, wird es auf beiden Seiten fotografiert und katalogisiert. So kann Szeglat jederzeit zu Hause im PC nachschauen, was er hat und was ihm noch fehlt. Auch die 5-DM-Münzen haben noch Lücken. Das sei auch gut so, denn wenn eine Sammlung abgeschlossen ist, ist sie für den Sammler uninteressant. Davor habe er Angst, denn dann sei der Reiz weg.

Es taucht immer wieder etwas Neues auf

Anders der 68-jährige Dieter Friedt, Fernmeldetechniker im Ruhestand und Briefmarkensammler. "Das hört nie auf, es taucht immer wieder etwas Neues auf", freut er sich. Es gebe immer wieder Abarten oder Fehldrucke, beispielsweise von einer abgenutzten Maschine.

Seit einem Vereinsausflug zur "Praga 88" sammelt Friedt ausschließlich Marken der Tschechischen Republik. Jährlich fährt er dorthin und trifft sich mit Gleichgesinnten. Außerdem steht er mit einem Netzwerk von Sammlern in ganz Europa in Kontakt. Als Achtjähriger war er über die Jugendgruppe dem Verein beigetreten. Angefangen hat er mit Bund und Berlin und als Spezialgebiet Großbritannien. Später war er Jugendleiter, 29 Jahre lang Vorsitzender und ist heute Leiter des Beratungsdiensts im Landesverband. Hier geht es um die Echtheit und den Wert von Marken.

Ein flexibles Hobby

Sammeln sei ein flexibles Hobby, das man auch einmal beiseite legen könne, anders als bei einem Haustier, um das man sich jeden Tag kümmern müsse, bemerkt Alexander Szeglat. Sie seien allerdings keine Standardsammler, geben beide zu. Jene sammeln alles, was offiziell erscheint, möglichst vollständig, aber ohne Abarten. Die Euro-Umstellung sei ein Wendepunkt gewesen. Junge sammeln in der Regel alles nach dem Euro, Ältere eher das, was vorher war. In einem Punkt sind sich beide einig: "Sammler sind glückliche Menschen!"

Info: Der Verein

Der Verein der Briefmarkenfreunde Donaueschingen wurde am 23. Februar 1921 von 13 Interessierten im Hotel Adler (heute Rathaus II) gegründet. 1961 traten die Blumberger Briefmarkensammler dem Verein bei. Am 14. Januar 1962 fand der erste Großtauschtag im Hotel Bären statt, der fortan jedes Jahr, später in den Donauhallen, durchgeführt und zur Tradition wurde. 1971 wurde eine Münzgruppe gegründet. 2013 wurden in einer weiteren Namensänderung die Ansichtskarten hinzugefügt. Bei den monatlichen Treffen sind Interessierte gerne willkommen. Kontakt: 0771/1 38 50 oder buckenberger.jens@t-online.de