Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac hat noch keinen Impfstoff gegen Corona. Dafür wird es Zeit, sagt Andreas Geldner.
Wie lange kann man ein Hoffnungsträger sein? Für das Tübinger Biotechnologieunternehmen Curevac, das als nationaler und südwestdeutscher Champion der innovativen mRNA-Technologie immer viel positive Aufmerksamkeit fand, ist dies eine Schlüsselfrage. Auch mehr als zweieinhalb Jahre nach Ausbruch der Pandemie steht man immer noch ohne zugelassenen Corona-Impfstoff da, nachdem ein erster Anlauf im vergangenen Jahr gescheitert ist.
Wenn man auf den Börsenkurs der Aktie blickt, wo Zukunftshoffnungen gehandelt werden, sind die Erwartungen an das Unternehmen allerdings gedämpft. Seit Anfang des Jahres dümpelt die Aktie vor sich hin. Aktuell hat sie neue Tiefstände erreicht und liegt inzwischen bei unter zehn Euro – einem Zehntel der Spitzenkurse vom Sommer 2021.
Entwicklung mit Risiken
Um fair zu sein: Die Impfstoffentwicklung ist komplex und risikobehaftet. Und in der Erprobungsphase seines ersten Impfstoffkandidaten im vergangenen Jahr hatte Curevac damit zu kämpfen, dass das Virus schneller mutierte als erwartet. Insofern hat Curevac-Chef Franz-Werner Haas recht, wenn er darauf verweist, dass das Rennen um den besten Corona-Impfstoff noch lange nicht zu Ende ist. Einen Vertrauensvorschuss hat das Unternehmen in Deutschland immer noch. So wurde es ganz selbstverständlich in die strategische Impfstoffplanung der Bundesrepublik einbezogen.
Chancen auch jenseits von Corona
Und was oft vergessen wird: Das Potenzial der mRNA-Technologie gilt beileibe nicht nur für einen Corona-Impfstoff. Auch der Kampf gegen die Grippe und vor allem um bessere Krebstherapien bietet noch viele ungenutzte Chancen. Aber die Frage, ob das Unternehmen endlich einen erfolgreichen Corona-Impfstoff etablieren kann, ist dennoch gerade in der Außenwahrnehmung eine Schlüsselfrage. Hier hat man durchaus aus Erfahrungen gelernt und erprobt jetzt auch andere Ansätze als im ersten Anlauf.
Aber eine Garantie für den Erfolg ist es nicht. Immerhin steht Curevac nicht allein da: Schon länger haben in den USA und Europa keine neuen Hersteller eine Zulassung für einen Impfstoff erhalten. In diesem Herbst werden noch die bisherigen Platzhirsche Moderna und Biontech/Pfizer dominieren. Doch die dynamischen Mutationen des Virus, so unangenehm sie sind, bedeuten für die Impfstoffentwickler, dass es immer noch eine Marktlücke gibt: Wer seine gesamten Prozesse von der Entwicklung über die Zulassung bis zur Produktion und Distribution am besten im Griff hat, wird auf diesem Markt mittelfristig erfolgreich sein. Denn die bedauerliche Tatsache ist: Das Coronavirus wird bleiben.