Wer Maske trägt, kann sich und andere vor Infektionen schützen. Foto: dpa/Daniel Karmann

Erkältung, Grippe, RV-Virus: Die Zahl der Atemwegsinfektionen steigt. Auch Corona ist wieder mit dabei. Die Uniklinik Tübingen empfiehlt Besuchern, Patienten und Mitarbeitern daher das Tragen von Masken in der Klinik. Wie halten es Krankenhäuser in Stuttgart und der Region?

Die Zahl der Atemwegsinfekte in Deutschland steigt. Auch Corona ist wieder mit dabei. Erste Krankenhäuser in Deutschland setzen auf Mundschutz für Besucher sowie auf Tests. Kommen ähnliche Maßnahme auch auf Patienten, Besucher und Mitarbeiter in Kliniken in Stuttgart und der Region zu? Wir haben nachgefragt.

 

Am Universitätsklinikum Tübingen tagt die Task Force Corona bereits regelmäßig: Ziel sei, sich bestmöglich auf die bevorstehenden Herbst- und Winter-Monate und das jeweilige Infektionsgeschehen vorzubereiten, heißt es in einer Mitteilung. Die ersten Ergebnisse wurden nun verkündet: Das Experten-Gremium empfiehlt allen Personen, die die Kliniken betreten, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, insbesondere wenn Erkältungssymptome vorliegen. „Die Mitarbeitenden werden gerade in der Erkältungszeit maximal gefordert sein“, so Jens Maschmann, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Uniklinikums. Daher bedanke er sich schon jetzt bei allen für „Schutz durch umsichtiges Verhalten“.

Masken in sensiblen Bereichen

Im Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) auf dem Stuttgarter Burgholzhof und den Standorten in der Stadt wird das Tragen von Masken nicht gefordert, bisher zumindest nicht. Masken würden aber ohnehin in bestimmten sensiblen Bereichen getragen – unabhängig von Corona, heißt es von der Klinikleitung. Mark Dominik Alscher, der Medizinische Geschäftsführer des RBK, schätzt die Lage derzeit als nicht besorgniserregend ein: „Zum Problem wird die Infektionslage aber, wenn mehr und mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter krank werden.“ Schon jetzt gebe es „erhebliche Krankheitsausfälle“.

Ähnlich hält es auch das Klinikum Stuttgart: „Wer Erkältungssymptome hat, dem empfehlen wir, bei Patientenbesuche eine Maske zu tragen“, sagt Jan Steffen Jürgensen, Vorstandschef des Klinikums. „Von einer generellen Maskenpflicht sehen wir jedoch ab.“ Auch die Alb-Fils-Kliniken im Kreis Göppingen, das Klinikum Esslingen und das RKH-Klinikum Ludwigsburg haben derzeit keine Maskenpflicht in Planung. Man habe aber das Infektionsgeschehen fest im Blick, sagt Alexander Tsongas, Sprecher der Regionalen Kliniken Holding (RKH). Demnächst treffe sich auch erstmals wieder der Krisenstab – „damit wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sind“, so Tsongas.

Das Thema „ist nicht so einfach“

„Wir sind gerade in der Übergangsphase von ‚Nichtmaske‘ zu ‚Wiedermaske‘“, fasst Matthias Orth, Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Marienhospital Stuttgart, die Situation zusammen. Das Thema sei „nicht so einfach“, gerade wenn wie jetzt Wasen sei und dort Tausende ohne Maske feierten. „Eine Maskenpflicht bedeutet ja auch, dass das Tragen überwacht werden muss – und die Nichtträger sanktioniert werden“, so Orth weiter.

Dafür gibt es derzeit gar keine gesetzliche Grundlage. Kliniken, Altenheime, Pflegeeinrichtungen und auch Arzt- und Physiotherapiepraxen können zwar im Rahmen ihres Hausrechts eine Maskenpflicht zum Schutz von Patientinnen und Patienten sowie des Personals einführen. Die überwiegende Mehrheit sieht jedoch davon ab.

Keine Maßnahmen des Landes geplant

In Baden-Württemberg sind bis auf weiteres auch keine Maßnahmen wie die Isolierung Erkrankter oder Quarantäne von Kontaktpersonen geplant, um die Virenausbreitung einzudämmen. Dafür bestehe derzeit keine Notwendigkeit, sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha kürzlich in Stuttgart. Wer krank ist, solle eigenverantwortlich zu Hause bleiben. „Die Pandemie ist vorbei, Corona ist noch da“, so der Grünen-Politiker.

Im Marienhospital in Stuttgart wird daher aktuell Maske vorgeschrieben, wenn jemand symptomatisch ist – „sprich: bei Erkältungskrankheiten“, erläutert Matthias Orth. Die Empfehlungen zum generellen Maskentragen würden fortlaufend angepasst an die Entwicklung der Infektionszahlen: „Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass gerade in den Risikobereichen, wo viele Kontakte mit Patienten vorkommen, in den kommenden Wochen wieder regelmäßig Maske getragen wird.“

Maske ist empfehlenswert

„Grundsätzlich ist es während der Erkältungssaison empfehlenswert, in geschlossenen Räumen mit vielen Menschen eine Maske zu tragen“, rät Torsten Ade, Leiter der Krankenhaushygiene im Rems-Murr-Klinikum Winnenden. „Eine Maskenpflicht haben wir in den Rems-Murr-Kliniken aktuell nicht vorgesehen. Wir sind jedoch darauf vorbereitet, je nach Entwicklung der Lage wieder alle notwendigen Verhaltensmaßnahmen einzuleiten.“ Es gebe aber Patientinnen und Patienten, bei denen grundsätzlich eine Maske getragen werden müsse, etwa, wenn sie während einer Krebstherapie stark immunsupprimiert sind. „Das ist jedoch unabhängig von Corona.“

Individuelle Entscheidung der Hausärzte

Und wie halten es die Hausärzte im Land? „In welchen Situationen im Praxisalltag das Tragen einer Maske Sinn macht, entscheiden die Praxen individuell auf die Praxisabläufe abgestimmt, zum Beispiel während der Infekt-Sprechstunde oder im Umgang mit immungeschwächten Patienten“, sagt Susanne Bublitz, Hausärztin in Pfedelbach (Hohenlohekreis) und Vorstandsvorsitzende des Hausärzteverbands Baden-Württemberg.

Eine pauschale Maskenpflicht hält die Ärztin nicht für notwendig. Die meisten Patientinnen und Patienten hätten mittlerweile ohnehin einen routinierten Umgang mit der Maske gefunden. Besteht erhöhtes Ansteckungsrisiko, rät Bublitz jedoch zur Maske: „Auch wer Symptome einer Atemwegserkrankung hat, sollte sie tragen.“

Nur wenige stationäre Corona-Patienten

Die aktuelle Zahl von stationär behandelten Grippe- und Corona-Patienten befindet sich sowohl in den Kliniken in der Region wie in Stuttgart derzeit noch im ein- bis zweistelligen Bereich. In den Rems-Murr-Kliniken etwa liegen fünf Corona-Erkrankte, alle auf der Normalstation, im Robert-Bosch-Krankenhaus sind es 17 Patienten – „alle sind wegen anderer Erkrankungen in Behandlung“, betont RBK-Chef Mark Dominik Alscher. Die Covid-19-Infektion komme obendrauf.

Dennoch: Die Fallzahlen steigen seit Wochen wieder kontinuierlich. Insgesamt sind die Inzidenzwerte allerdings bundesweit niedrig. In Deutschland liegt die 7-Tage-Inzidenz derzeit bei 10 pro 100 000 Einwohnern, in Baden-Württemberg ist sie etwas niedriger und liegt bei 8,8, in Stuttgart mit 13,6 höher (Stand 6. Oktober). Die Dunkelziffer dürfte jedoch hoch sein, da es keine Meldepflicht gibt und sich auch nur noch wenige Menschen testen.