Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Corona-Lockdown Chöre in Dornstetten und Glatten lassen Stimmen nicht einrosten

Von
Das waren noch Zeiten: der Liederkranz Dornstetten bei einem Konzert in der Kirche. Foto: Liederkranz

Vereine und Freizeitgruppen beklagen massive Auswirkungen des Lockdowns. Doch Chöre in Dornstetten und Glatten suchen nach Lösungen, damit die Stimmen nicht einrosten. Mehr dazu in unserem (SB+)Artikel.

Dornstetten/Glatten - Von den Einschränkungen besonders betroffen sind die Chorsänger. Schön singen kann nur, wer in Übung bleibt. Stimmen, die lange nicht mehr geübt werden, verlieren ihren Klang und "rosten ein".

Die Leiter und Vorsitzenden der sechs Chöre in Dornstetten, Hallwangen, Glatten, Schopfloch sowie des Chorverbands Kniebis-Nagold eint das Verständnis für Hygienemaßnahmen und Einschränkungen, aber auch das Bedauern, nicht gemeinsam singen zu können. "Wir Chöre sind unendlich traurig darüber, dass wir unser Hobby Chorgesang nicht ausüben können", präzisiert Verbandsvorsitzender Hermann Friedrich. "Die wöchentlichen Übungsstunden, Auftritte, gegenseitigen Besuche fehlen uns sehr, sowohl im musikalischen als auch im sozialen Bereich." Umso erfreuter berichtet Friedrich, dass viele Vereine im Sommer fantasievolle Lösungen fanden, in kleinen Gruppen zu singen.

Adventskalender als Gemeinschaftserlebnis

Auch Vorstand und Aktive des Dornstetter Liederkranzes haben Möglichkeiten entwickelt, zumindest ein minimales gemeinsames Singerlebnis aufrechtzuerhalten. Zwar mussten die 35 Aktiven als Gesamtgruppe seit März pausieren, jedoch bildeten sie, so Vorsitzende Gerlinde Müller, jeweils entsprechend den aktuell zugelassenen Teilnehmerzahlen mehrere kleine "Notfall-Chörle". Gesungen wurde in wechselnder Besetzung, als Duett, Trio oder Quartett, bei Familienfesten, Gottesdiensten und Beerdigungen, auch mal im Freien.

Festgehalten hat der Liederkranz auch an der gewohnten Singstundenzeit. Mittwochs um 20 Uhr stimmte jeder daheim im Wohnzimmer ein zuvor gemeinsam ausgewähltes Lied an. Vorab wurde laut Müller sogar festgelegt, wie viele Strophen "gemeinsam" angestimmt oder gar mit der Gitarre begleitet werden. Trotz räumlicher Trennung habe sich auch der von Norbert Seeger ins Internet gestellte "Liederkranz-Adventskalender" zu einem großen Gemeinschaftserlebnis entwickelt. Hinter jedem der 24 virtuellen Türchen wartete ein Lied, auf das sich, so Müller, "alle schon morgens gefreut haben".

Immerhin eine Veranstaltung war im abgelaufenen Vereinsjahr möglich: Der beliebte Bänkleshopp konnte im August stattfinden. Im Oktober starteten die motivierten Sänger wieder mit ihrer Probenarbeit. Mit gebührendem Abstand wurde in geteilten Gruppen mit maximal zehn Sängern geübt. Für Chorleiter Christian Platschko war ein Plastikgehäuse rund um sein Klavier aufgebaut worden. "Dieser Neuanfang machte uns unglaublichen Spaß, das gemeinsame Singen musste dann allerdings nach wenigen Wochen wieder eingestellt werden", berichtet Müller.

Was die Zukunft anbelangt, hofft die Vorsitzende auf die baldige Wiederaufnahme der Singstunden. Schließlich mache Singen gute Laune. "Und die brauchen wir alle gerade dringend."

Gleich drei Chöre sind beim Liederkranz Hallwangen vom Lockdown betroffen: der Erwachsenenchor mit 33 Aktiven, die etwa gleich große Gruppe "Voice Factory" und der junge Chor mit seinen Singspatzen. Ein großer Schlag war für den laut Verbandsvorsitzendem Friedrich "zukunftsfähigsten Chor in gesamten Chorverband", dass das große Jahreskonzert am 13. März kurzfristig abgesagt werden musste. Auch der für Oktober angesetzte Ersatztermin fiel den Coronavorschriften zum Opfer. Für die großen Chöre des Hallwanger Liederkranzes sei auch jenseits der strengen Kontaktbegrenzungen mit den bisherigen Abstands- und Hygieneregeln an einen normalen Probenbetrieb aktuell nicht zu denken, sagt Vereinsvorsitzender Bernd Hiller. Denn beim gemeinsamen Singen unter diesen erschwerten Bedingungen sei das notwendige gegenseitige "Aufeinander-Hören" kaum möglich.

Als kleinen Ersatz bietet Chorleiter Ralf Heckner, der den Erwachsenenchor und die "Voice Factory" leitet, bereits seit März wöchentlich Skype-Proben an. Dass dabei "mit großer Freude ›miteinander‹ gesungen und gleichzeitig im kleinen Rahmen das Chorleben aufrechterhalten wird", freut Hiller besonders. Trotz der Einschränkungen blickt der Vorsitzende optimistisch in die Zukunft: "Wir lassen uns durch die Pandemie die Freude am Singen nicht nehmen und können es kaum abwarten, bis es endlich wieder normal losgeht."

Sorge, ob nach der Pause noch alle dabei sind

Auch die Aktiven in Glatten sehnen den Neubeginn ihrer Singstunden herbei, macht Vorsitzender Hans Stöhr deutlich. Zumal seine Aktiven noch weiteren Grund zur Vorfreude haben. Denn eigentlich hätten die Glattener Sänger nach langen Umbauarbeiten im März erstmals im neuen Proberaum in der Glatttalhalle singen dürfen. Der Umzug war geschafft, die Noten lagen bereit, sogar das Klavier war neu gestimmt worden – da kam der Lockdown. Seither gab es keine Vereinstreffen, weder persönlich noch virtuell. Dies sei, so Stöhr, auch dem hohen Altersdurchschnitt geschuldet. Bei allem Optimismus äußert Stöhr deshalb leichte Bedenken, ob nach der langen Singpause wirklich wieder alle Sänger mit dabei sind.

Auch Katharina Wilding hat sich in ihrer erzwungenen Arbeitspause viele Gedanken über die Zukunft des Glattener Chors gemacht. Als erfahrene Chorleiterin weiß sie, wie dem zu begegnen ist: "Wenn wir wieder loslegen dürfen, beginnen wir mit bekannten Liedern, das macht es einfacher." Grundsätzlich biete ein Neuanfang für jeden Chor auch die Möglichkeit, mit einem kleineren Ensemble neue Choreographien oder modernere Literatur einzuüben.

Nach dem Ende der derzeitigen strengen Kontaktbeschränkungen sieht Hermann Friedrich Sing-Möglichkeiten auch im Straßen-, Garten- oder Balkon-zu-Balkon-Singen oder "einer Art Open-air-Gesang wie beim Autokino". Bei Proben denkt er alternativ auch an Video oder CDs: "Vieles wurde probiert und auch auf der Internetseite des Schwäbischen Chorverbands verbreitet oder zur Nachahmung empfohlen." Empfehlungen gab der Chorverband auch zum Honorar der zwangsweise arbeitslosen oder kurzarbeitenden Chorleiter. Obwohl allen Vereinen die Einnahmen völlig wegbrachen, folgten einige der Empfehlung, ihre Chorleiter weiterhin – reduziert – zu bezahlen, finanziert durch die geringe Corona-Soforthilfe des Bundes für Gesangvereine und aus Eigenmitteln. Schließlich wollen alle Chorsänger baldmöglichst wieder loslegen – mit ihren angestammten Chorleitern.

Artikel bewerten
1
loading

Sonderthemen

 

Ihre Redaktion vor Ort Freudenstadt

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.