Unter anderem mit Schnelltests will man der Corona-Lage Herr werden. Unser Foto zeigt ein Schnelltestangebot in Nagold. Foto: Fritsch

Neben der britischen Corona-Virus-Variante beobachtet das Gesundheitsamt Calw mit Sorge ein vermehrtes Auftreten der brasilianische Variante. Das teilte das Landratsamt jetzt mit. Zudem wurden am Abend 75 neue Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet.

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Kreis Calw - Veränderte Varianten des ursprünglichen Coronavirus bereiten deutschlandweit derzeit Sorgen. Die britische Mutante B.1.1.7 dominiert bundesweit, aber auch andere Mutationen sind inzwischen angekommen. "Im Kreis Calw ist die britische Mutation seit Wochen die dominante Variante. Ungefähr 85 Prozent der Corona-Infektionen im Kreis Calw gehen von der Variante B.1.1.7. aus", teilt das Landratsamt mit. Von der in Südafrika aufgetauchten Mutante B.1.351 seien in den vergangenen Monaten "sporadisch Fälle erfasst" worden.

Die brasilianische Mutante

Doch nun steht das Gesundheitsamt im Kreis Calw nach eigenen Angaben "vor einer weiteren Herausforderung": Die brasilianischen Mutante P.1. ist im Kreis angekommen. Von ihr wurden sieben Fälle im Kreis Calw nachgewiesen.

Bei der Vermehrung von Viren entstehen Mutationen. Weltweit wurden bisher ungefähr 12 000 Mutationen von SARS-CoV-2 registriert. "Hiervon haben sich bisher nur wenige Mutanten so entwickelt, dass sie den Pandemieverlauf beschleunigen", heißt es in der Pressemitteilung. Zu den bedenklichen Varianten (den so genannten "Variants of Concern", abgekürzt VOC) zählen unter anderem die britische B.1.1.7, die südafrikanische B.1.351 und die brasilianische P.1.

Das Landratsamt informiert weiter: "Die Bedenklichkeit der Varianten kommt daher, dass sich bei ihnen die Struktur des Spike-Proteins verändert hat. Über dieses Eiweißmolekül dockt das Virus an der Zellenoberfläche an. Dadurch gelangen die Mutationen schneller und effektiver in die Zellen, beziehungsweise, es werden die Oberflächenproteine mancher Varianten vom menschlichen Immunsystem schlechter erkannt und können so weniger effektiv bekämpft werden."

"Im südlichen Kreis Calw wurden nun mehrere Fälle der brasilianischen Variante nachgewiesen, die vermutlich in einem Zusammenhang miteinander stehen. Es wird bei dieser Variante eine erhöhte Übertragbarkeit angenommen. Den Ausbruch beobachten wir daher mit großer Sorge und sind sehr bemüht, die Kontakte nachzuverfolgen, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen", so Andrea Neuwirth, Ärztin im Gesundheitsamt Calw.

Der Appell

"Ich verstehe, dass die Disziplin nach so langer Zeit nachlässt und wir alle uns nach Normalität sehnen. Trotzdem müssen wir Sie, aufgrund des Aufkommens gefährlicher Varianten im Kreis Calw, jetzt nochmals darum bitten, sich an die geltenden Maßnahmen zu halten. Hygienekonzepte wie das Vermeiden von Kontakten, besonders in Innenräumen, Desinfizieren von Oberflächen, Handdesinfektion, Maske tragen, Lüften und Abstand halten sind weiterhin wichtig für den Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus – auch bei Virusvarianten", lautet der Appell von Landrat Helmut Riegger.

Das Infektionsgeschehen

Das mag umso mehr gelten, als der Landkreis Calw bei der Inzidenz nach wie vor eine Spitzenposition im Land einnimmt. Obwohl es in den vergangenen Tagen unter anderem zu vermehrten Meldungen aus Nagold (141 Fälle in den vergangenen zehn Tagen) kam, konnte das Landratsamt die hohen Zahlen nicht einem einzelnen oder mehreren Hotspots zuordnen. Auf Nachfrage teilte die Pressesprecherin des Landkreises, Janina Dinkelaker mit: "Das Infektionsgeschehen im gesamten Landkreis Calw, also auch in der Stadt Nagold, ist aktuell sehr diffus." Es gebe Ausbrüche in Schulen, Kindergärten oder anderen Einrichtungen, die aber "nicht maßgeblich bestimmend" seien. Das Gesundheitsamt könne aktuell die Benachrichtigung der Indexpersonen sowie Ermittlung und Information der bekannten Kontaktpersonen zeitnah gewährleisten. Dinkelaker weiter: "Wir appellieren ausdrücklich an die Bevölkerung, die geltenden Regelungen einzuhalten und auch bei einer positiven Testung ausnahmslos alle Kontaktpersonen an das Gesundheitsamt zu melden. Nur dann können Infektionsketten schnell gebrochen werden und weitere Ansteckungen verhindert werden."

Die neuesten Zahlen

Im Landkreis Calw wurden am Mittwoch 75 weitere Corona-Fälle gemeldet. Noch immer sind die für Corona-Patienten vorgesehenen Intensivplätze "an der Kapazitätsgrenze". Aktuell sind in den Kliniken des Kreises 21 Corona-Patienten in stationärer Behandlung – vier davon auf der Intensivstation. Die meisten Neuinfektionen steuert Nagold mit 20 bei, gefolgt von Calw (14), Bad Wildbad (6), Altensteig (5), Ebhausen (5) und Wildberg (4). Die weiteren Neuinfektionen verteilen sich auf Bad Herrenalb (3), Haiterbach (3), Unterreichenbach (3), Bad Liebenzell (2), Dobel (2), Rohrdorf (2), Schömberg (2), Althengstett (1), Höfen (1), Neubulach (1) und Oberreichenbach (1).

Die Sieben-Tage-Inzidenz

Bleibt die Frage der Sieben-Tage-Inzidenz. Die ist weiter hoch. Die derzeit im Lockdown maßgebliche Zahl für den Kreis Calw gab das Robert-Koch-Institut am Mittwochmorgen mit 272,6 an. Etwas aktueller ist allerdings die Inzidenzangabe des Landesgesundheits­amtes. Hier lag der Wert am Mittwochabend bei 256,3.

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