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"Click & Collect" in Schramberg Erhoffter Schub für den Einzelhandel?

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Kunden dürfen ihre vorbestellten Produkte persönlich im Geschäft abholen. Foto: Riesterer

Seit Montag dürfen Kunden ihre vorbestellten Produkte wieder beim Händler abholen. Der HGV Schramberg kritisiert dennoch die Vorgaben der Politik und prangert Ungleichbehandlung und Wettbewerbsverzerrung an. Mehr dazu lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Schramberg - Es ist ein Schritt für die Einzelhändler beim Kampf ums Überleben. Nur: Wie viel bringt er wirklich? Seit Montag dürfen Kunden ihre über das Internet oder per Telefon vorbestellten Produkte wieder persönlich im Geschäft abholen.

Aktuelle Informationen zur Corona-Lage in unserem Newsblog

Während des Corona-Lockdowns von Mitte Dezember bis zum Sonntag hatte die baden-württembergische Landesregierung "Click & Collect" als Verkaufsform nicht erlaubt: Warteschlangen vor den Geschäften durch Weihnachtseinkäufer sollten vermieden werden. Lieferdienste konnten vom Schramberger Einzelfachhandel zwar angeboten werden, Kunden durften aber ihre vorbestellten Produkte nicht persönlich im Geschäft abholen – die Entscheidung gegen "Click & Collect" war auch etwa ein Anlass für Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr, an Landes-Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut einen offenen Brief zu schreiben und auf eine Differenzierung zwischen ländlichen und städtischen Bereichen hinzuweisen.

"Der Handel war vor dem Beginn des zweiten Lockdowns Mitte Dezember davon ausgegangen, dass ›Click & Collect‹ im Handel möglich sein wird. Dass es dann doch nicht so gekommen ist, war vor Weihnachten eine Katastrophe für die Händler", erklärt Manuela Klausmann, die Geschäftsführerin des Handels- und Gewerbeverein Schrambergs (HGV) unserer Zeitung in einer Stellungnahme.

Aufgaben für Azubis

Seit Montag ist dem Einzelhandel ein Abholservice erlaubt. "Das Angebot, vorbestellte Ware am Laden abzuholen, ist für Händler aber eher eine Form von Kundenbindung und Service. Die Umsätze sind nur ein Bruchteil des früheren Geschäfts, aber die Händler sind froh, wenigstens dies anbieten zu dürfen", berichtet Klausmann über die Lage aus der Schramberger Händlerschaft.

Das trifft auch zu für Inhaber Boris Giesler vom Modehaus Dobler. Giesler ist froh, dass er zusätzlich zum Lieferservice jetzt die Möglichkeit hat, dass seine Kunden die bestellten Modeartikel abholen können. "Das ersetzt zwar den normalen Umsatz nur zu einem Bruchteil, aber der direkte Kontakt mit den Kunden wird wieder möglich und auch die Auszubildenden im Betrieb haben eine gewisse Beschäftigung."

Zwei Maßstäbe?

Nicht nachvollziehbar ist für ihn, das der Handel im Gegensatz zur Gastronomie (mit ihren 75 Prozent Umsatzausgleich) nur einen Teil der Fixkosten erstattet bekomme, zumal die genaue Höhe noch unklar sei. Er versteht nicht, warum mit zweierlei Maßstäben gemessen werde, und hofft auf Nachbesserung.

Seit drei Wochen seien jetzt Handel und Gastronomie geschlossen und würden an den Rand der Existenz gedrängt, aber an den Infektionszahlen ändere sich nichts Wesentliches. Da könne man vermuten, dass die hohen Ansteckungszahlen wohl nicht am Einzelhandel, sonder mehr im privaten Bereich lägen.

"Wir haben stets darauf geachtet, dass immer nur zwei Kunden im Geschäft waren", erklärt auch Annette Kasenbacher von Foto Kasenbacher in der Schramberger Fußgängerzone. Sie kann nicht nachvollziehen, dass Super- oder Drogeriemärkte dagegen "alles machen dürfen" mit ihren Foto-Abteilungen und wo man manchmal Kundengruppen ohne Sicherheitsabstand beobachten könne. Als Handwerksbetrieb seien die Regeln für sie teilweise etwas anderes als im reinen Fachhandel: Pass- oder Bewerbungsfotos darf sie nach Anmeldung machen. Generell wünscht sich Kasenbacher, dass Bund und Land die Regeln nicht immer so kurzfristig erließen, man brauche auch die Zeit sich dafür vorzubereiten.

Angekündigte Hilfe bleibt aus

Der HGV geht in seiner Kritik noch viel weiter: Die Einzelhandelsbranche fühle sich in der Corona-Krise im Stich gelassen. Der Frust darüber sei groß, dass Politiker zwar Milliardenhilfen angekündigt haben, aber faktisch die Unterstützung im Handel nicht ankomme. Die Wirtschaftshilfen, die lediglich auf der Basis von Betriebskostenerstattungen berechnet würden, gingen zudem an den tatsächlichen Bedürfnissen vor allem des Modeeinzelhandels vorbei. Dort müsse beispielsweise die Ware ein Jahr im Voraus geordert werden. Diese werde bereits mehrere Wochen vor Beginn der Saison geliefert und müsse gleich bezahlt werden.

Eigenkapital vielerorts weg

"Mit Ausnahmen – etwa im Lebensmittelbereich – werde bundesweit vielen Einzelhändlern demnächst wohl die Luft ausgehen", befürchtet Klausmann. Das Eigenkapital sei aufgebraucht, die Erträge sänken wegen des Lockdowns gegen Null, die Liquidität ebenso. Die Folge: Viele Betriebe könnten ihren Verpflichtungen wie Miete, Darlehen oder Gehälter nicht mehr nachkommen, könnten auch keine weiteren Saisonwaren bestellen. Ohne den stationären (Fach-)einzelhandel würden die Einkaufsstraßen verwaisen und somit ein Stück Kultur verloren gehen.

"Ich mache mir Sorgen um die Zukunft der Innenstädte", erklärt auch Johannes Kempf vom Porzellanhaus Schinle in der Oberndorfer Straße, Ecke Fußgängerzone. "Wenn die Lage so bleibt und deshalb Kollegen wegbrechen, wird sich die Einzelhandelslandschaft verändern", fügt er hinzu. Ganz zu schweigen von der Verantwortung für die Mitarbeiter.

Kempf hat die Werbeeinleger der Discounter gesichtet, die ihre Geschäfte öffnen dürfen: "Von 44 Seiten enthielten 22 Seiten Non-Food-Artikel", hat er gezählt. "Dass Discounter und Supermärkte Waren verkaufen dürfen und die Fachgeschäfte, die die gleichen Artikel anbieten, geschlossen bleiben müssen, ist für viele Facheinzelhändler nicht nachvollziehbar. Er sieht eine Wettbewerbsverzerrung zugunsten der Großen und das mit politischer Unterstützung. Und das, obwohl der stationäre Einzelhandel sich penibel an Hygienevorschriften hält", kritisiert der HGV.

Johannes Kempf, Inhaber des Porzellanhauses Schinle in Schramberg, hat am 7. Januar einen Brief an Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut geschrieben, aus dem wir zitieren:

"Unser Betrieb besteht seit 1892 und hat solch eine Situation, wie durch diesen erneuten Lockdown herbeigeführt, noch nie erlebt. Durch den erneuten Lockdown stehen jetzt endgültig viele Existenzen von mittelständischen Handelsbetrieben vor dem Aus. Und damit auch viele über Generationen geführte Familienbetriebe und deren Mitarbeiter.

Die Struktur der Innenstädte wird sich nachweislich in den nächsten Wochen und Monaten grundlegend verändern. Die über die Jahre investierten Mittel in die Innenstädte und die Region werden in kürzester Zeit damit vernichtet. Wir, der Facheinzelhandel, fühlen uns als Bauernopfer für versagte Politik. Es findet eine extreme Wettbewerbsverzerrung statt. Die Großen werden, mit politischer Unterstützung, immer mächtiger, die Kleinen immer schwächer und bedeutungslos.

Wir fordern Sie auf, sich einzusetzen für: n die Nachbesserung für unbürokratische Finanzhilfen. n Nachbesserungen bei den Voraussetzungen und den Berechnungen bei Überbrückungshilfe III. n klare Aussagen zu einer Öffnungsperspektive für den geschlossenen Non-Food-Einzelhandel. n klare und ehrliche Bekenntnis zum innerstädtischen Einzelhandel."

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