Das Motto der neuen City-Managerin Bettina Fuchs lautet: Die Stuttgarter Innenstadt braucht mehr Erlebnis-, keine Einkaufswelten. Foto: Peter Petsch

Die Fußstapfen sind groß, in die Bettina Fuchs tritt. Citymanager Hans H. Pfeifer hat die Cityinitiative Stuttgart (CIS) aufgebaut und zu einem Markenzeichen gemacht. Jetzt will eine selbstbewusste Frau das Profil der CIS schärfen.

Stuttgart - Die Fußstapfen sind groß, in die Bettina Fuchs tritt. Citymanager Hans H. Pfeifer hat die Cityinitiative Stuttgart (CIS) aufgebaut und zu einem Markenzeichen gemacht. Jetzt will eine selbstbewusste Frau das Profil der CIS schärfen.

Frau Fuchs, wann haben Sie zuletzt in der City eingekauft?
Erst vor kurzem. Ich hab mir bei Wittwer ein Buch gekauft. Danach habe ich mir sogar noch ein hübsches Jackett gekauft.
Keine Schuhe, keine Handtasche?
Ausnahmsweise nicht. (Lacht)
Käme es für Sie in die Tüte, online einzukaufen?
Ich bemühe mich im stationären Einzelhandel einzukaufen, aber gelegentlich kaufe ich mir auch Kleinigkeiten wie Kontaktlinsen im Internet. Aber wissen Sie, was ich ganz schlimm finde?
Nein.
Wenn man sich im Laden ausführlich beraten lässt, dann im Internet den besten Preis raussucht und schließlich online einkauft. So etwas unterstütze ich nicht.
Was setzt dem Stuttgarter Einzelhandel in der City mehr zu: der wachsende Internethandel oder die beiden großen Einkaufszentren Milaneo und Gerber, die bald an den Start gehen?
Das Milaneo werden wir stark spüren. Die ECE, der Betreiber ist eine sehr professionell aufgestellt Firma und hat ein riesiges Marketingpotenzial. Die werden sich schon was einfallen lassen und zum Start ein großes Spektakel veranstalten. Zudem wird diese Mall am Anfang extrem die Neugierde der Menschen wecken. Und je nachdem wie das Einkaufserlebnis war, werden sie dann zu Wiederholungstätern oder auch nicht.
Das Gerber haben Sie nicht erwähnt.
Das Gerber sehe ich insgesamt nicht ganz so kritisch, weil es sich besser in die Quartiere und die City integriert – zum Beispiel über die Verkehrsmischfläche in der Tübinger Straße.
Was wäre Ihr Konzept, den Abzug der Kaufkraft in der City abzumildern?
Dank unserer tollen Aufenthaltsqualität in der City wird sich das mit der Zeit einpendeln. Und die Königstraße hat so eine hohe Attraktivität, die wird das langfristig verkraften. Aber natürlich machen wir uns in der CIS Gedanken.
Zum Beispiel?
Wir sind in Überlegungen, ob wir das Thema verkaufsoffene Sonntage nochmals angehen.
Viel Spaß bei den Debatten mit den Kirchen und Gewerkschaften.
Ich scheue keine Diskussionen.
Zwei Jahre später als die beiden Einkaufszentren geht das Dorotheen-Quartier an den Start. Zu spät, um den von Breuninger-Chef Willy Oergel prognostizierten Verdrängungswettbewerb zu verhindern?
Das Dorotheen-Quartier ist eine wirklich gute Sache. Es wäre wichtig, noch mehr solche Quartiersentwicklungen zu haben, damit die Innenstadt noch besser vernetzt wird und es für die Besucher noch interessanter wird.
Welcher Einzelhändler in der City zeigt sich innovativ, um sich in Zukunft in diesem Haifischbecken gut behaupten zu können.
Die Frage lässt sich so nicht beantworten. Denn es gibt keine globale Rezeptur. Jeder muss für sich rausfinden, wo und wie er sich am Markt positionieren will.
Ihr Vorgänger, Hans H. Pfeifer, prangerte stets die fehlende Solidarität unter den Einzelhändlern an. Haben Sie eine Strategie, noch mehr Firmen an die CIS zu binden?
Wir verstehen uns als Dienstleister. Und als solcher will ich für unsere Mitglieder attraktivere Plattformen anbieten. Generell möchte ich die CIS in der Kommunikation nach außen auffrischen und mit der CIS bei Facebook und Twitter aktiv werden. Diese stärkere Vernetzung und bessere Außendarstellung könnte auch ein Anreiz für neue Mitglieder sein.
Sie begleiteten Hans H. Pfeifer in den vergangenen Monaten auf Schritt und Tritt. Was ­haben Sie in dieser Zeit von ihm gelernt?
Lernen!? Ich würde es anders sagen. Ich habe ihn als großen Kommunikator und Multiplikator kennengelernt. Er ist ein Fundus an Wissen und Know-how. Zudem hat er immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Es ­wäre sicher ein Fehler, wenn ich versuchte, ihn zu kopieren.
Was sind Ihre Stärken?
Ich bin auch sehr offen und herzlich.
Die CIS organisiert zahlreiche Veranstaltungen in der Stadt. Haben Sie neue Ideen?
Ja, Ideen gibt es. Man muss jedoch versuchen, die vergangenen 13 Jahre, in denen mein Vorgänger einen super Job gemacht hat, behutsam zu ändern. Wir wollen das Vertrauen unserer Mitglieder nicht durch Hauruck-Aktionen verlieren.
Für Ihren Vorgänger war das Wort Aufenthaltsqualität von größter Bedeutung. Wie lässt sich die in der Stadt steigern?
Wir hatten erst vor zwei Wochen ein Gespräch mit OB Fritz Kuhn. Da hatten wir einige Gemeinsamkeiten Es ist auch unsere Meinung: Die City braucht mehr attraktive Zonen, in denen man verweilen kann. Und zwar auch an Orten, in denen es keine Verzehrpflicht gibt. Mehr solche Verweilzonen im öffentlichen Raum täten unserer Stadt sehr gut.
Die Fußstapfen, in die Sie treten, sind groß. Haben Sie Bammel vor der Aufgabe?
Nein. Mit Bammel hätte ich mich gar nicht bewerben dürfen. Ich glaube an mich und an die CIS.
Sie sagen: Man muss den Handel emotionalisieren. Was bedeutet das?
Menschen handeln zunehmend auf der Grundlage ihrer Emotionen. Dort, wo es einem gefällt, wo man sich wohlfühlt und Neues entdeckt, da geht man auch gerne wieder hin. Solche Konzepte fehlen in der Breite. Wir brauchen Erlebnis-, keine Einkaufswelten.
Ihre Arbeit begann erst am 1. Juli. Lassen Sie uns dennoch ein wenig fantasieren. Welche Überschrift in unserer Zeitung wünschen Sie sich, wenn Sie in 20 Jahren Ihren Hut nehmen?
Bettina Fuchs hat einen guten Job gemacht!
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: