Krystal Rivers (Mitte) führt ihr Team zum Heimsieg in der Champions League. Foto: Baumann

Die Stuttgarter Volleyballerinnen haben die Chance, sich erneut fürs Viertelfinale der Königsklasse zu qualifizieren. Allerdings kommt es dabei auch auf andere an.

Es gab in der Scharrena schon einige Schauspiele auf internationaler Bühne, die unvergessen bleiben werden. Zu diesen gehört nun auch der jüngste Auftritt von Allianz MTV Stuttgart. In der Hauptrolle: ein Team, das nie aufgibt und die Fähigkeit besitzt, voll da zu sein, wenn es zählt. „Ich glaube nicht an Glück. Sondern daran, dass man sich Glück erarbeiten muss“, sagte Trainer Konstantin Bitter nach dem 3:2-Sieg seiner Volleyballerinnen gegen PGE Rysice Rzeszów. „Ich bin enorm stolz auf meine Mannschaft. Es ist sehr schwierig, nach zwei klar verlorenen Sätzen den Rhythmus des Gegners zu brechen und ihm das eigene Spiel aufzuzwingen. Das war beeindruckend.“ Erst recht, weil es viel zu verlieren gab.

 

Nach der 2:3-Niederlage zum Auftakt der Champions League in Polen im November war klar, dass die Stuttgarterinnen im Rückspiel einen Sieg benötigen, um die Chance auf Platz zwei in der Gruppe und damit den erneuten Einzug ins Viertelfinale zu wahren. Eine Niederlage hätte Rang drei und die Fortsetzung der internationalen Saison im CEV-Cup (vergleichbar mit der Europa League im Fußball) bedeutet – ein Szenario, das nahe war. PGE Rysice Rzeszów spielte in den ersten zwei Sätzen nahezu fehlerlos und mit enormer Angriffswucht, lag 2:0 vorne. Für die Stuttgarterinnen sprach höchstens noch ihre oft gezeigte Qualität, zu keiner Zeit aufzustecken. Mehr nicht. Und dennoch gelang die Wende. Dank einer großen Leistungssteigerung. Und dank Krystal Rivers.

Jeder Ball zu Krystal Rivers

Die US-Amerikanerin ist seit sechs Jahren die Akteurin, die in den wichtigen Partien vorangeht. Den dritten Satz gewann die Diagonalangreiferin am Ende im Alleingang, auch danach kam, wann immer es möglich war, der Ball zu ihr. Zum viel umjubelten 3:2-Sieg (21:25, 20:25, 25:19, 25:14, 15:9) steuerte sie mit einer außergewöhnlichen Angriffseffektivität von 49 Prozent insgesamt 27 Punkte bei, wurde anschließend als beste Akteurin ausgezeichnet. „Ab dem dritten Satz war es ein Krystal-Rivers-Spiel“, sagte Konstantin Bitter, „was für das gesamte Team gilt, gilt für sie in besonderem Maße: Sie liefert ab, wenn es drauf ankommt.“

Solche Komplimente hat Krystal Rivers zwar schon oft gehört, sie freut sich aber immer noch darüber. „Ich arbeite hart, um in den entscheidenden Spielen gut performen zu können. Das gibt mir den Extraschub“, sagte sie, relativierte ihre Leistung gegen Rzeszów aber zugleich: „Dieser Sieg war ein Verdienst des Teams. Wir alle wissen, dass die Champions League die perfekte Möglichkeit ist, uns selbst zu beweisen, dass wir zu den besten Teams in Europa gehören.“

Imoco Conegliano muss helfen

Sicher ist Platz zwei in der Gruppe D, der zur Teilnahme an der Play-off-Runde um den Einzug ins Viertelfinale berechtigen würde, allerdings noch nicht. Am Dienstag (19 Uhr) erwartet Allianz MTV Stuttgart das punktlose Schlusslicht Asterix Avo Beveren. Die Ausgangslage ist eindeutig: Der deutsche Meister muss 3:0 gewinnen und hoffen – auf eine 0:3- oder 1:3-Niederlage von PGE Rysice Rzeszów beim ungeschlagenen Spitzenreiter Imoco Conegliano, für den es allerdings um nichts mehr geht. Kim Renkema wird ihre Kollegen in Italien trotzdem nicht anrufen, um auf die Wichtigkeit der Partie hinzuweisen. „Conegliano ist egal, wer sonst noch weiterkommt. Wir würden in dieser Situation auch nicht anders denken“, sagte die MTV-Sportdirektorin, „Conegliano hat eine starke zweite Reihe. Aber Fakt ist, dass wir es nicht selbst in der Hand haben.“ Und trotzdem lebt der Traum – auf weitere denkwürdige Auftritte auf europäischer Bühne.