Kraftvoll am Netz: Wie oft wird die Stuttgarter Diagonalangreiferin Krystal Rivers im Rückspiel in Istanbul punkten? Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Die Stuttgarter Volleyballerinnen haben das Hinspiel im Viertelfinale der Champions League gegen Fenerbahce Istanbul sensationell mit 3:2 gewonnen. Nun benötigen sie am Bosporus erneut einen Glanztag.

Tückisch am Modus im Europapokal ist bekanntlich, dass in den K.-o.-Runden ein herausragender Abend nicht reicht, um eine Sensation zu schaffen – es braucht deren zwei. Das wissen auch die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart, weshalb sie am Dienstag zwar mit großem Ehrgeiz, aber auch mit Demut nach Istanbul geflogen sind. „Wir haben Fenerbahce wehgetan“, sagt Sportdirektorin Kim Renkema vor dem Rückspiel im Viertelfinale der Champions League an diesem Mittwoch (18 Uhr/MEZ), „aber wir haben unseren Gegner auch gereizt.“ Und das kann gefährlich werden.

 

Fenerbahce Istanbul ist fraglos eines der besten Volleyball-Teams der Welt, bei der völlig unerwarteten 2:3-Pleite vor einer Woche ging in der Scharrena eine Serie von 25 Siegen nacheinander in Liga, Pokal und Königsklasse zu Ende. In dieser Zeit gab Fenerbahce Istanbul gerade mal sechs Sätze ab, in Heimspielen ist der Verein in dieser Saison noch ungeschlagen. „Die Türkinnen werden uns sehr ernst nehmen, das ist ein schönes Kompliment für uns“, sagt Kim Renkema, „so nahe dran waren wir noch nie am Halbfinale der Champions League – aber jetzt wird es extrem schwer. Wir werden im Spiel relativ schnell sehen, wie realistisch es war, an unsere Mini-Chance geglaubt zu haben.“

Die Stuttgarterinnen sind vorbereitet auf die hitzige Atmosphäre in Istanbul, wo Gegner auch schon mal ausgepfiffen und mit Buh-Rufen bedacht werden. Und ihnen ist auch klar, dass Fenerbahce viel besser spielen kann als im Hinspiel. Und doch besteht die kleine Hoffnung, den hohen Favoriten noch einmal düpieren zu können – weshalb das MTV-Team, logisch, in Bestbesetzung antreten wird. Zumindest am Anfang. „Ich kann und will keiner Spielerin die Chance nehmen, um den Einzug ins Halbfinale zu kämpfen“, sagt Trainer Konstantin Bitter. Alles andere? Hängt vom Spielverlauf ab.

Sollte eine 2:3-Niederlage (dann würde es einen Entscheidungssatz geben) oder gar ein weiterer Sieg in Reichweite sein, werden die Gäste alle Kräfte mobilisieren. Werden aber die beiden ersten Sätze klar verloren, dürfte Bitter zumindest Diagonalangreiferin Krystal Rivers für das Pokalfinale am Sonntag in Mannheim gegen den SC Potsdam schonen. Dann geht es nach dem Supercup um den zweiten Titel der Saison – mit weit besseren Erfolgsaussichten als in Istanbul.