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Calw Zwischenetappe auf dem Weg nach Calw

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Im Jahr 1974 war ein Dampfsonderzug etwas Besonderes, gut ein Dutzend Jahre nach dem planmäßigen Ausscheiden der Dampfloks auf der Schwarzwaldbahn. Der Feurige Elias pendelte über die Gebirgsstrecke zwischen Weil der Stadt und Calw. Foto: Burkhard Wollny Foto: Schwarzwälder Bote

Heute ist es selbstverständlich, von Weil der Stadt per Schiene in die Landeshauptstadt zu reisen. Das ist schon seit anderthalb Jahrhunderten so: Am 1. Dezember 1869 erreichte der erste Zug aus Richtung Stuttgart die Stadt im Würmtal auf der so genannten Schwarzwaldbahn.

Calw/Weil der Stadt. Die Keplerstadt war dabei Zwischenetappe auf dem weiteren Weg in den württembergischen Schwarzwald mit Calw und Nagold. Beide wurden drei Jahre darauf erreicht.

"Es ist, als ob die Eisenbahn sich gescheut hätte, die alten Mauern zu berühren, sie lässt die Stadt bei Seite liegen", wunderte sich der Geologe Oscar Fraas anno 1880. Dabei bekam gerade Weil der Stadt einen Bahnhof, der in so günstiger Nähe zur Siedlung lag wie sonst kaum einer. Doch damals gehörte der Personennahverkehr nicht zur Aufgabe der Eisenbahn, der Durchschnittsbürger konnte sich keine Fahrkarte leisten und hatte auch keinen Anlass zur Fahrt.

Der Staat Württemberg erschloss mit der neuen Bahnverbindung erstmals zentral seinen damaligen Schwarzwaldkreis, und so bekam diese Relation den Namen Schwarzwaldbahn. Hauptziel der Erschließung bildete die alte Handelsstadt Calw, die als Gewerbezentrum einst wichtiger als Stuttgart war. Damit wurde auch die Grenzregion zum Großherzogtum Baden angebunden, was strategisch und nachrichtentechnisch erwünscht war, denn die Bahn brachte auch den Telegraf.

Seinerzeit wurden ausschließlich großzügig trassierte Hauptbahnstrecken erbaut. Auch die Schwarzwaldbahn war für den hochwertigen Güter- und Schnellzugverkehr ausgelegt: Der Holzreichtum des Schwarzwaldes und der Holzbedarf der Residenzstadt Stuttgart finanzierten den teuren Bau des Schienenweges zurück. Die Trassierung wurde meisterhaft der Topografie angepasst, denn mit genau einem Prozent Steigung ging es von Weil der Stadt über Schafhausen zum Scheitelpunkt Althengstett und mit zwei Prozent dann hinab nach Calw. Schiebelokomotiven halfen den Güterzügen aus Calw und teils auch ab Weil der Stadt bis zum Brechpunkt.

Stilllegung war politisch zu heikel

Dass Weil der Stadt für zweieinhalb Jahre provisorischer Endpunkt wurde, lag daran, dass der Bahnbau ab Zuffenhausen, dem eigentlichen Ausgangspunkt der zunächst 25 Kilometer langen Strecke, topografisch fast problemlos ablief: 1868 fuhr man ­erstmals bis Ditzingen, im Jahr darauf folgte die Etappe bis Weil der Stadt. Im Juni 1872 dann folgte von Weil der Stadt aus die Einweihung der Reststrecke gleichzeitig bis Calw, wo Kilometer 48 erreicht wurde, und Nagold. Betrachtet man den eigentlichen Sattelabschnitt von Weil der Stadt bis Calw mit 22 Kilometern Länge, die dortige Steigung von ein bis zwei Prozent und die Höhenlage von Althengstett auf über 500 Metern, so ist die Schwarzwaldbahn Württembergs längste Gebirgsbahn.

Der Beginn des Niedergangs kam 1939, als die bis Calw geplante Elektrifizierung für den Stuttgarter Vorortverkehr wegen Bedenken der Wehrmacht, der Einsparung von Stahl und dem Mangel an Strom zum Opfer fiel. 1961 strich die Bundesbahn die durchgehenden Eilzüge Calw – Weil der Stadt – Renningen – Stuttgart und die Sonntagsausflugszüge Stuttgart – Nagold/Bad Liebenzell, so dass nun der Abschnitt Calw – Weil der Stadt betrieblich isoliert war, der verkehrlich gesehen für sich keinen Sinn ergab. 1983 endete hier der Personenzugverkehr ganz – nicht mangels Bedeutung, sondern weil die eigentlich geplante Stilllegung der ­Nagoldtalbahn Pforzheim – Calw – Horb damals wegen des Kur- und Bäderverkehrs politisch zu heikel war. 1987 stellte die Bundesbahn illegal auch den restlichen Güterzugbetrieb Calw – Althengstett ein.

Doch der Calwer Förder­verein brachte den Landkreis Calw dazu, 1994 die Bahn­strecke zu kaufen. Seit 2000 ­begannen ­Planungen zur Wiederinbetriebnahme mit dem inzwischen beschlossenen Konzept als ­Teilbetrieb "Hermann-Hesse-Bahn" von Calw bis zum Bahnknoten Renningen. Für die Zukunft wird als weiterer Schritt ein höherwertiger Durchgangsverkehr wieder bis nach Stuttgart angestrebt.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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