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Calw Plötzlich ist das Coronavirus im eigenen Haus

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Wie verändert sich das unmittelbare Umfeld, wenn ein Familienmitglied erkrankt? Mit dieser und weiteren Frage sieht sich eine Calwerin konfrontiert. (Symbolfoto) Foto: Pixabay

Calw - Das Corona-Karussell nimmt immer mehr Fahrt auf. Die Erkenntnis, dass die Situation wirklich ernst ist, nimmt in den Köpfen der Menschen zu. Dabei spielen viele Unbekannte die Hauptrolle. Bin ich selbst schon infiziert? Ist jemand meiner Nächsten infiziert? Und bin ich als Nicht-Infizierter nicht in stetiger, dauerhafter Gefahr? Was kommt nach einer Infektion? Was nach der Pandemie? Vor allem: Wie verändert sich das unmittelbare Umfeld, wenn ein Familienmitglied erkrankt? Darüber, wie tatsächlich Betroffene leben, berichtet nun eine Calwerin in unserem (SB+)Artikel.

Sie ist Mutter von zwei Töchtern, von denen inzwischen eine infiziert ist, und einem infizierten Sohn. Zudem lebt im Haushalt ein infizierter Freund einer der Töchter. Die Frau und ihre Angehörigen möchten derzeit noch nicht ihren Namen veröffentlicht wissen, weil der Sohn zuletzt mit negativen Reaktionen fertig werden musste; nur weil er sich öffentlich zu seiner Krankheit bekannte.

Die Frau offenbarte sich vor gut einer Woche, als in den Medien noch von vergleichsweise weniger Fällen in Deutschland die Rede war. Dort nahm sie, wie sie in einem telefonisch geführten Interview bestätigte, "noch wahr, dass die meisten Leute die Ansteckungsgefahr und die Krankheit herunterspielten".

Doch schon dort hatte die Familie, unabhängig voneinander, bereits zwei Fälle in der Familie. "Wie ein Sechser im Lotto." Eine davon im eigenen Wohnbereich; die andere an einem anderen Wohnort.

Dadurch musste sich die Familie plötzlich "elementaren und ganz banalen Alltagsproblemen stellen", wie die Frau mitteilt. Denn über diese Dinge würde weniger berichtet. Wie können zwei Leute in einer kleinen Wohnung Abstand halten, wenn der eine positiv, der andere negativ getestet ist? Da kommt es auf einmal vor, dass "einer ins Schlafzimmer zieht, der Kranke bekommt das Wohnzimmer mit dem Fernseher und schläft auf dem Sofa". Kommunikation sei gefahrlos nur über Handy möglich. Doch wäre die Trennung nicht hundertprozentig möglich. Solange der Kranke hoch fiebert, muss der Pflegende dennoch ins Zimmer, um Essen, Trinken und Medikamente zu bringen. "Badbenutzung durch beide bedeute endloses, andauerndes Händewaschen", so die berichtende Frau.

Bücher und DVDs kommen vorerst nicht mehr zurück

Ein weiteres Beispiel für eine vermeintliche Banalität, die plötzlich existenziell wird, schildert sie. "Für die Familie im Nachbarhaus, die zum Beispiel auch gekochtes Essen schickt, stellt sich die Frage, wie man mit dem benutzten Geschirr des Patienten umgehen soll. "Da sucht man im Internet und merkt, dass dazu im Internet nichts zu finden ist."

DVDs und Bücher wandern in die "Krankenstation"; zurück kommt vorerst nichts, denn inzwischen wird vermutet, dass auf allen Oberflächen das Virus ganz schön lange bleibt. Auch ist unklar, wie heiß die Wäsche gewaschen werden muss.

Die besorgte Mutter stellt somit fest: "Die Meldungen in den Medien beschränken sich vor allem auf die Vermeidung einer Ansteckung. Mit Verhaltensmaßregeln bei einem Fall in nächster Umgebung fühlen wir uns allein gelassen. Auch das Gesundheitsamt ist telefonisch nicht mehr zu erreichen."

Sie empfindet es als glücklich, dass die anderen Mieter im Haus, "die natürlich informiert wurden, zum Glück gelassen reagieren". Nun, in der Quarantänephase, trafen sich die gesunden Mitglieder der Familie mit gebührendem Abstand im großen Garten; zumindest solange das Wetter mild war. Wenn wieder ein eisiger Wind weht, fällt das weg und alle sitzen allein in ihren Zimmern. Auch der Patient dreht nun nur noch einmal am Tag warm eingepackt Runden durch den Garten. "Es kommt uns vor wie bei Gefangenen mit vHofgang. Trotzdem sind wir dankbar, dass wir Garten und Familie in der Nachbarschaft haben."

Dass die Familie am Sonntag vor der Erkrankung noch zusammen im Garten gegrillt hat, darf als mahnendes Beispiel herangezogen werden. Deshalb sind nun alle gemeinsam in Quarantäne und somit an das Haus gefesselt. Bei den vergleichsweise guten Wohnumständen denkt die Frau an andere Menschen. "Wie geht das wohl, wenn man mit kleinen Kindern in einer Etagenwohnung eingesperrt ist?"

Hilfe durch die Nachbarschaft

Dankbar zeigt sie sich, wenn sie an die Hilfe in mehrfacher Form durch die Nachbarschaft denkt. Jetzt, wo Krankheiten selbst erlebbar wurden, lebt die Familie in der Erwartung, selbst krank zu werden. Das Familienmitglied in Norddeutschland (der oben geschilderte zweite Fall im Familienverbund) sei inzwischen so schwer erkrankt, dass ein Krankenhausaufenthalt nötig ist. Sein Mitbewohner wiederum hat keine Symptome.

Eine Aktualisierung zum Schluss; hierzu die Calwer Mutter: "Nachdem der Patient hier sich wieder gut fühlt, erfahren wir: Er wird nicht mehr getestet. Wenn er sich gesund fühlt und noch zwei bis drei Tage, dann kann er wieder raus. Die anderen bleiben bis zum Ende der zwei Wochen in Quarantäne. Ob wir es gesund schaffen, wissen wir noch nicht. Immerhin haben wir jetzt einen, der gefahrlos einkaufen kann, denn eine Immunität wird sicher angenommen. Auch unser Patient im Krankenhaus darf nach Hause, aber es geht ihm noch lange nicht ganz gut. Wir harren der Dinge, die noch kommen."

Eine Woche später dann die nächste Hiobsbotschaft: Auch eine der Töchter der Calwerin wird positiv getestet. Sie hatte Fieber und ein Brennen auf der Lunge, erzählt die Mutter. Das andere Mädchen hatte zwar tagelang unter Kopfschmerzen gelitten, ein Corona-Test fiel jedoch negativ aus. "Wir hoffen, es geht gut rum", so die Mutter. Der Bericht der Calwer Familie zeigt deutlich und ist Mahnung zugleich: Wir alle sind betroffen. Auf irgendeine Art, und wenn es sich nur um die banalsten Dinge handelt.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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