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Calw Kinderpornografie: Wenn die Schreie der Kinder zu hören sind

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Kriminalhauptkommissar Michael Sanchez bearbeitet bei der Kripo Fälle im Deliktfeld Kinderpornografie. Foto: Verstl

Calw - Wie hält man das aus? Ermittler wie Michael Sanchez werden das oft gefragt. Denn der Kriminalhauptkommissar arbeitet bei der Inspektion 1 der Kripo in Calw im Deliktfeld Kinderpornografie.

"An manchen Tagen kann es schon mal zu viel sein. Dann hallt es nach", sagt Sanchez. Hin und wieder geht es richtig unter die Haut. Etwa wenn der Ton mitläuft und die Schreie der Kinder zu hören sind. Doch insgesamt stehe er das schon durch. Ausgleich findet er in der Freizeit bei seinen Hobbys.

Und dennoch: "Es sind Bilder, die selbst erfahrene Kriminalbeamte an die Grenzen des menschlich Erträglichen bringen." Das sagte der Münsteraner Polizeipräsident Rainer Furth zu einem der drei großen Kindesmissbrauchsfällen in Nordrhein-Westfalen (NRW). Von einer "neuen Dimension" sprach Oberstaatsanwalt Markus Hartmann zum Prozessauftakt in Bergisch-Gladbach, einem weiteren Fall in NRW. Im Internet sei die Polizei auf Spuren gestoßen, die zu potenziell mehr als 30.000 Verdächtigen führen können.

Fallzahlen steigen seit Jahren rapide

Wer glaubt, das alles beschränke sich auf NRW und sei relativ weit weg, sieht sich getäuscht. Auch im Bereich der Kriminalpolizeidirektion Calw, zuständig für die Region Nordschwarzwald, steigen die Zahlen seit Jahren rapide. Eine Entwicklung, die Leiterin Sandra Zarges mit großer Sorge erfüllt. Im ersten Halbjahr 2020 ist schon fast das Fallzahlenniveau des gesamten Vorjahres (66) erreicht. Zwischen 2016 und 2019 stiegen die Fallzahlen in der Stadt Pforzheim von sechs auf elf, im Kreis Calw von sieben auf 24, im Enzkreis von 13 auf 19 und im Kreis Freudenstadt von fünf auf zwölf.

Auch die Chefin weiß um die enorme psychische, emotionale und letztlich auch körperliche Belastung der Kolleginnen und Kollegen, die mit solchen Fällen befasst sind. Gerade auch unter Fürsorgeaspekten stellt eine sach- und zeitgerechte Bearbeitung wegen des starken Anstiegs, der weit über den Erwartungen liege, eine besondere Herausforderung dar.

Die Verfahren sind durchweg arbeitsintensiv. Sie führen zu Durchsuchungsmaßnahmen, erkennungsdienstlichen Behandlungen, DNA-Probeentnahmen, Ver-nehmungen und Auswertungen von Datenträgern. Allein in einem Fall bei der Kriminalpolizeidirektion Calw sind laut Zarges nahezu eine Million Bilder, mehr als 8500 Videos und 3,4 Millionen Chats sichergestellt worden, die allesamt gesichtet werden müssen. Vor allem die Entwicklung bei den WhatsApp-Gruppen ist für Sanchez besorgniserregend: "Das sind bis zu 10.000 Personen, da muss man gegen ganze Gruppen vorgehen. Das bindet Personal."

Personell stößt die Kripo in Calw an Grenzen. An sich, so Zarges, seien zur Bearbeitung des Deliktfelds Kinderpornografie zwei Vollzeit- und eine Teilzeitstelle vorgesehen. Mittlerweile seien alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kriminalinspektion 1 mit diesen Fällen befasst.

"Es kann sich kein Täter sicher sein"

Für Zarges ist das ein schwieriger Zustand. Zum einen brauche es Erfahrung in diesem speziellen Bereich, zum anderen gelte es, komplexe Software anzuwenden. Vier Auswertungsplätze stehen zur Verfügung. "Sie erleichtern", erläutert Sanchez, "schnell und effektiv große Datenmengen zu sichten." Und die sind enorm. Bislang wurden in Calw 40 Fälle mit einem Datenvolumen von mehr als 25 Terabyte eingelesen. Technisch sieht sich Sanchez gut ausgestattet, jüngst sind zwei Rechner hinzugekommen.

Gleichwohl dauern die Auswertungen oft Tage und Wochen. Ist das am Ende ein Hase- und Igelspiel? Erfolge gibt es durchaus. "Alle kriegen wir nicht. Doch wir sind auch äußerst konspirativ agierenden Tätern schon auf die Schliche gekommen. Es kann sich kein Täter sicher sein", sagt Sanchez selbstbewusst.

Die meisten Hinweise für seine Arbeit erhält der Calwer Ermittler über das Bundeskriminalamt (BKA) aus den USA. Denn dort sind die Provider gesetzlich verpflichtet, kinderpornografische Hinweise an die halbstaatliche Organisation "National Center For Missing and Exploited Children" (NCMEC) zu melden. Die Einrichtung meldet Fälle, die sich auf Deutschland beziehen, an das BKA, das es an die zuständigen Polizeipräsidien weiterleitet.

Diese Hinweiszahlen steigen seit Jahren rapide. Laut BKA übermittelte NCMEC 2018 bundesweit rund 70.000 Hinweise. Die Zahl hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Die Ermittlungen, die sich daraus ergeben, nahmen 2019 auf knapp 5600 zu gegenüber nahezu 4000 vor Jahresfrist.

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