Birgit Scholl (Mitte) wurde mit einem glanzvollen Fest nach zehn Jahren als Schulleiterin verabschiedet.Foto: Stöß Foto: Schwarzwälder Bote

Bildung: Birgit Scholl nach zehn Jahren als Schulleiterin des Maria von Linden-Gymnasiums verabschiedet

Zehn Jahre lang leitete Birgit Scholl das Maria von Linden-Gymnasium (MvLG) in Stammheim. Mit einem glanzvollen Fest wurde die angehende Ruheständlerin nun verabschiedet.

Calw-Stammheim. Studiendirektorin Sandra Müller moderierte vor und im Kurhaus Hirsau die zweistündige Kette von humorvollen Präsentationen, kulturellen Aufführungen sowie Redebeiträgen.

Ein Wermutstropfen: Es durften nur 99 Gäste das festlich geschmückte Kurhaus betreten. Stellvertretend für 800 Schüler richtete sich die Verbindungslehrerin Heike Sänger mit einem Grußwort der Schülermitverwaltung an Scholl. Die Schüler hätten die Leiterin "weniger als unnahbare Königin, sondern stets als gesprächsbereite wie zuhörende Lenkerin der Schule erlebt".

Der stellvertretende Schulleiter Christian Scherer ließ das berufliche Leben von Scholl Revue passieren. Insbesondere die Begeisterung, mit der Scholl viele Schüler in ihren 18 Jahren MvLG zum Abitur geführt habe, hob Scherer hervor. Scholl war es, so Scherer, die das große Entwicklungspotenzial der Schule erkannt und dieses vorangetrieben hat. So wurde das Sportprofil eingeführt, das sich neben Spanisch und Naturwissenschaft und Technik großer Beliebtheit erfreut. "Dabei hat sie", so Scherer, "nebenbei so manches Ideenfeuerwerk ausgelöst. Ihr war es immer ein Ziel, kein Strohfeuer nach außen, sondern eine nachhaltige Optimierung zu schaffen und dabei eine hohe Unterrichtsqualität zu bewahren und auszubauen." Scherer: "In dieser Dekade konnten Scholl und das Team zahllose Projekte realisieren. War es der Ausbau der ›Jugend forscht AG‹, die Installation einer vorbildlichen medialen Ausstattung, die Zertifizierung einer digitalen Schule, Austauschprogramme, Konzerte, Arbeitsgemeinschaften, das Kulturcafé, Vorträge – alles fand ihre volle Unterstützung."

Die Zusammenarbeit mit den Gremien an der Schule wurde unter Scholls Ägide gefördert. Die Art der Kommunikation mit Elternbeirat, Förderverein und der Schülervertretung wünsche man sich auch für die Zukunft. Scherer hob hervor, dass auch das Verhältnis zu allen anderen Schulleitungen der Calwer Schulen gepflegt wurde. Beispielsweise hat sich der "Kleinkrieg mit dem HHG" früherer Jahre längst in ein konstruktives Miteinander gewandelt. Mit dem Schulträger, der Stadt Calw, begegnet man sich auf Augenhöhe.

Der Vertreter der Schulleitungen der Gymnasien im Nordschwarzwald, Georg Neumann aus Horb, hob die Bedeutung hervor, dass Schulleiter über den Tellerrand der eigenen Schule blicken. Die zehn Gymnasien im Nordschwarzwald gehen miteinander, indem sie sich stets informell austauschen. An Scholl gewandt hob Neumann hervor: "Wir haben stets gemeinsam überlegt, wie wir den Wegweisern des Regierungspräsidiums folgen können." Das habe auch dazu geführt, dass der Kreis dort schon einmal als "Rebellen vom Nordschwarzwald" tituliert worden sei.

Für den Vorsitzenden des Elternbeirates, Ronald Ullmann, bleibt die Erinnerung, dass sich Scholl "kompromisslos mit unserer Schule identifiziert hat". So hat sie stets "persönliche Belange zugunsten der Schule zurück gestellt". "Wichtig war, immer den Zusammenhalt der Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft zu fördern", so Ullmann.

Horst W. Garbrecht vom Förderverein attestierte der Schulleiterin, dass diese dem Verein mit viel Augenmaß sowie ihrer leidenschaftlichen und charmanten Art geholfen hat, förderungswürdige Projekte zu identifizieren und zu präzisieren. Unzählig viele kleine Projekte wurden beantragt; aber auch große strukturelle Angelegenheiten wurden auf die Agenda gesetzt. Eines von vielen Beispielen: die Lautsprecher- und Verstärkeranlage, durch die eine Veranstaltung professionell gestaltet werden kann.

Isabel Götz brachte die Grüße des Schulträgers, der Stadt Calw. Die Leiterin des Fachbereiches Bildung, Kultur, Tourismus attestierte Scholl Souveränität und Gelassenheit. "Sie haben die Schule zehn Jahre lang überzeugend geführt – darauf dürfen Sie stolz sein." Götz bestätigte nochmals die Wichtigkeit "dieser hohen Qualität des Unterrichts; dass alle Schüler dahin kommen, wo sie hinkommen sollen; dass sie gut vorbereitet sind, und dass sich auch um schwächere Schüler gekümmert wird. Sie haben Schule immer als Lebensraum verstanden wissen wollen, denn diese wertvollen Jahre der Schüler sollen nicht nur mit Wissen, sondern auch mit Erfahrung und Leben gefüllt werden. Denn die Schüler sollen sich später in die Gesellschaft einbringen können und diese so bereichern", so Götz.

Für die Geehrte selbst war es, nach eigenen Worten, eine große Ehre, als Schulleiterin zu dienen, "auch wenn dieses Wort altmodisch erscheint". Man sei gemeinsam durch spannende Zeiten gegangen. Nun freue sie sich auf das, was kommt. Sie wünscht sich, dass das, was bei dieser Feier zu spüren war, erhalten bleibt. "Denn dieser Zusammenhalt ist in der heutigen Zeit mit diesen Herausforderungen unabdingbar. Dass man sich gegenseitig stützt und dass man offen, wertschätzend und ehrlich miteinander ist", so Scholl.

Nachfolger wird wohl Matthias Heidenreich

Dass Lehrerkollegen, Eltern und Schüler ihre Birgit Scholl nicht nur mit Worten ehren wollten, merkte man dem mit viel Herz gestalteten Rahmenprogramm an – ob es die Musikklasse war, die im Kurpark zwei Konzertauszüge spielte, der Personalrat, der die Schulbelange in einem "Bauarbeiter-Sketch" offenlegte, oder auch die Fachschaften der Fremdsprachen, die den "Tanz der Kulturen" tanzten. Da im großen Chor nicht gesungen werden darf, intonierten in gebührendem Abstand vier Lehrkräfte "Möge die Straße uns zusammenführen". Der Lehrerchor wusste sich ebenfalls zu helfen. Er übte sich im Sprechen, anstatt "Afrika" zu singen. Scholl war in der Vergangenheit stets dabei, wenn der Projekt- und Schulchor in der Kathedrale des französischen Toul mit Konzerten die Kulturstadt Calw repräsentierte. Auch hier ein Novum: Die Chormitglieder sangen, jeweils einzeln vor dem häuslichen Computer sitzend, das "Auld Lang Syne" digital ein. Das musikalische Mosaik aus vielen Einzelbildern und -stimmen wurde dann auf Leinwand produziert. Damit nach Scholls Abgang alles wieder sauber ist, traten die "Tatortreiniger des Regierungspräsidiums Baden-Württemberg" an. Artistisch, tänzerisch wie akrobatisch, beendeten die Sportler des MvLGs den offiziellen Teil mit einer fetzigen Einlage.

Als Fazit darf die frisch gekürte Ex-Schulleiterin mit nach Hause nehmen: Wem solch ein authentischer Abschied geboten wird (auch Tränchen flossen), darf guten Gewissens annehmen, dass hier Herz auf Herz traf. Das Feld ist bereitet für den Neuen: Es gilt als sicher, dass der bisherige Leiter der Fachschaft Mathematik, Matthias Heidenreich, Nachfolger von Scholl sein wird.

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