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Calw Das Thema Ernährung endet nicht am Tellerrand

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Philipp Weber zog vom Leder. Foto: Selter-Gehring Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Annette Selter-Gehring

Calw-Stammheim. "Du bist, was du isst", zitierte der Kabarettist, Autor und Verbraucherschützer Philipp Weber den deutschen Philosophen Ludwig Feuerbach (1804 – 1872). Wie eklig dabei so manches ist, was in Deutschland angerührt und angepriesen wird, tischte der Odenwälder mit Pferdeschwanz und Schnellsprechtalent dem Publikum im Kultur-Café im Foyer des Maria von Linden-Gymnasiums in Stammheim in einer rasanten Menüfolge auf.

Streng verdaulich

Sichtlich wohl fühlte sich der studierte Chemiker, der sich selbst einmal als Lehrer versucht hatte, im schulischen Umfeld. Kein Erbarmen kannte er mit seinem Publikum, das er abfragte, dem er Hausaufgaben verteilte und die Schwätzer zur Ordnung rief. Ganz nebenbei vermittelte er Schülern, Eltern und Lehrern mit seinem Programm "Futter – Streng verdaulich" viel Wissenswertes und so manches Unappetitliche rund um die Lebensmittelindustrie.

Dabei bekamen Tütensuppen genauso ihr Fett weg wie Biogemüse und Sushi. Die Zutaten, mit denen Weber seine Pointen aufkochte, waren überraschend spartanisch: Eine knappe Schürze reichte für die schnelle Küche des hessischen Turbo-Babblers. Dafür waren die Wort-Gewürze, mit denen er Rindsrouladen und Schweinshaxe abschmeckte, umso feuriger.

Gleich zu Beginn machte Weber klar, dass das Thema Ernährung nicht am Tellerrand endet. Ein gefundenes Fressen: Das Buch "Das Parlament kocht", in dem nachzulesen sei, was Politiker so anrichten und wie Frau Merkel Kohl kocht. Die Empfehlung "Lammkeule mit Zwetschgen" entlarvte er als "Schaf mit vielen Pflaumen" und somit sinnbildlich für die bayerische Landesregierung.

Gekonnt lud Weber sein Publikum ein zum Slow-Food-Abend mit seinen Nachbarn Petra, Bernd und Jürgen, allesamt frugan, vegan, allergisch auf Gluten und Laktose intolerant. Was bleibt da von der schönen rheinischen Rindsroulade mit Spätzle, wenn nicht mal Bio mehr gourmettauglich ist? Da bleibt nach vielen Diskussionen und nächtlichem Mundraub in Nachbars Garten nur noch der Selbstgebrannte, Himalaya-Salz und ein knurrender Magen.

Überzeugende Beweise

Zwischen Kochshow und Lebensmittelskandalen, zu Pralinen verarbeiteten Schweinshaxen, Steckrüben-Carpaccio und suizidgefährdeten Tofuschweinen zeigte der Satiriker auf, welche abstrusen Auswüchse die moderne Lebensmittelindustrie bereits genommen hat. Während eine Pointe die nächste jagte, erfuhren die rund 250 Zuhörer ganz nebenbei Fakten, Daten und Zahlen, die der engagierte Verbraucherschützer Weber fundiert präsentierte und überzeugende Beweise führte.

So gibt es tatsächlich Erdbeeren, denen die Gene von arktischen Flundern, also Fischen, eingepflanzt wurden, um die Kälteresistenz zu erhöhen. Sollten diese gentechnisch veränderten Pflanzen tatsächlich freigesetzt werden, müssten polnische Erdbeer­pflücker unermüdlich übers Feld flitzen, um die süßen Früchte einzufangen. In schneller Folge entlarvte er Ernährungsmythen, den Diät- und Gesundheitswahn sowie selbst scheinbar Altbekanntes, wie die Problematik von Biodiesel und die Tatsache, dass in Deutschland jährlich rund acht Millionen Tonnen Lebensmittel allein aus privaten Haushalten auf dem Müll landen, servierte Weber bekömmlich.

Sein Schlusswort galt einem Dank an Schüler und Lehrer des Gymnasiums, die sich für das Kultur-Café engagieren. "Das ist wichtig, sonst kommt nur noch TV-Einheitsbrei auf den Tisch."

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