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Calw Aus der Erinnerung einer Apothekerin

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Die Neue Apotheke (mittleres Gebäude) hatte dem in ihrem Namen enthaltenen Zweck nach fast 200 Jahren schon ausgedient, als vor einem knappen Jahrzehnt das Bild entstand. Foto: Schabert Foto: Schwarzwälder Bote

Der kürzlich veröffentlichte Artikel "Hongkong-Virus trifft einst wenige" veranlasste Ruth Bührlen aus Calw über jene Zeit vor 50 Jahren aus der Erinnerung einer Apothekerin zu berichten. "Am 1. Oktober 1969 hatte mein damaliger Mann Wolfgang Bührlen die Pacht der ›Neuen Apotheke‹ in Calw, Marktplatz 22, übernommen", starten ihre Ausführungen.

Calw. Die Grippewelle traf im ohnehin weniger betroffenen Baden-Württemberg mit landesweit 130 Toten den Kreis Calw um diese Zeit nicht mit der Wucht, wie etwa die Räume um die Großstädte oder gar den norddeutschen Stadtstaat Hamburg. In der Hafenmetropole erkrankte jeder Zweite am Hongkong-Virus. Deutschlandweit gab es 50 000 Tote, 10 000 davon in der DDR.

Personal reaktiviert und Bundeswehr eingesetzt

Die Patienten wurden in Hamburgs überfüllten Krankenhäusern auf Behelfsbetten in den Fluren und Badezimmern untergebracht. Weil großenteils auch Ärzte und Pflegepersonal durch das Virus erkrankten, wurde ehemaliges Personal reaktiviert und die Bundeswehr eingesetzt. Spürbar war die Grippewelle aber doch in Calw. Ruth Bührlen erinnert sich an einen anstrengenden Wochenenddienst im Dezember 1969 und Lieferengpässe für geeignete Medikamente.

Sie schreibt: "Unsere Familie [...] war Ende September in das Apothekenhaus eingezogen. [...] Apothekerin Frau Dorothee Kopp war angestellt, außerdem weitere Mitarbeiterinnen. Der Nacht- und Sonntagsdienst ging damals immer eine ganze Woche, von Samstagmorgen bis nächsten Samstagmorgen zwischen der ›Alten Apotheke‹, damals am oberen Marktplatz, und der ›Neuen Apotheke‹. [...] An Samstagnachmittagen war normalerweise sehr wenig zu tun, ein oder zwei Kunden in der Stunde. Am Samstag, 13. Dezember 1969, übernahm ich den Apothekendienst für etwa zwei Stunden, damit mein Mann ins ›Gütle‹ fahren und Heu für die Rehe in seinem Jagdrevier holen konnte. Als er zurück kam, stand bei mir ›die Bude voll‹, völlig überraschend, zwölf oder 15 Kunden. Ich war am Bedienen wie noch nie. Diese viele Arbeit ging weiter, am Sonntag und die folgende Woche. Übermäßig viel zu tun! Das Schlimme war, dass man von den Großhandlungen die viel benötigten Medikamente, Grippe- und Hustenmitte nicht mehr bekam."

Mehrere Inhaber über Generationen hinweg

Zusätzlich Arbeit machten laut dem Bericht Ruth Bührlen und Wolfgang Bührlen, der im März 2020 verstarb, die zu wiederholenden Bestellungen und der zusätzliche Aufwand durch Eigenproduktion: "Die Lösung mancher Probleme war, dass wir wieder, wie eigentlich nicht mehr viel gefragt, zweierlei Sorten Hustensäfte und eine Salbe zum Einreiben der Brust selbst in größeren Mengen herstellten. Die benötigten Extrakte, andere Inhaltsstoffe und Verpackungsmaterialien waren vorhanden."

Die Neue Apotheke bestand am Calwer Marktplatz seit 1808. Geschlossen wurde sie im Jahr 2002 vom Nachfolger des Apotheker-Ehepaares Bührlen. Über nahezu zwei Jahrhunderte versorgte sie die Menschen aus Calw und der Umgebung. Höchstwahrscheinlich war es der Krämer und Handelsmann Johannes Wild, der das später mit Marktplatz 22 bezeichnete Haus nach der Verwüstung der Stadt 1692 wieder aufgebaut hatte.

Zwei Steine am Eingang stammen vom Kloster Hirsau. Nach dessen ebenfalls 1692 erfolgter Zerstörung wurde es beim Wiederaufbau Calws nicht nur bei Errichtung dieses Gebäudes als Steinbruch genutzt. Zunächst saß in dem Bau die Salzhandelsgesellschaft. Den Besitz übernahm kurz nach der Gründung des Königreichs Württemberg Apotheker Bernhard Friedrich Balz. Er verkaufte ihn aber schon zwei Jahre später an den Apotheken-Betreiber Emanuel Epting. Dann folgten durch Generationen hindurch verschiedene Inhaber.

Schon vorher bestand die "Alte Apotheke". Vor genau 450 Jahren nahm diese 1570 den Betrieb auf. An ver­schiedenen Standorten bot sie in der Folge ihre Dienste an, bis sie von 1705 bis 1965 über 260 Jahre hinweg ihren Sitz am oberen Marktplatz/Ecke Postgasse hatte.

Danach ließ sich in dem Haus für rund 50 Jahre die Raiffeisenbank nieder. In­zwischen sind die "Notare am Hessemuseum" dort eingezogen.

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