Die Bächlenhalle ist Nagolds einzige Sporthalle mit Zuschauerrängen. Hier geht der Blick über das Hallendach in Richtung Lemberg. Foto: Thomas Fritsch

Felder, Äcker, Bäume, Sträucher – 1968 ist das Bächlen in Nagold noch nicht einmal ansatzweise ein Wohngebiet. Heute steht dort Nagolds größtes Schulzentrum. Hinter dem Bächlen liegt eine rasante Entwicklung.

Nagold - Die Luftaufnahme aus dem Jahr 1968 ist zwar schwarz-weiß - und doch ahnt man, wie grün und bunt es in dem an den Lemberg angrenzenden Gebiet einst zuging. Nur ganz am Rand in Richtung Rohrdorf sind einzelne Häuser zu entdecken. Der Rest ist unbebaut, aber nicht ungenutzt. Das Bächlen besteht zu jener Zeit vor allem aus recht kleinparzelligen Ackerflächen. Aber auch große Baumwiesen sind auf der alten Fotografie auszumachen.

 

Heute übrigens noch immer. Zwar nicht überall, aber der Streifen zwischen Lemberg und Bächlen ist zum Beispiel noch immer grün und von Obstbaumwiesen geprägt. Einzig der Neubau der Bruderhaus-Diakonie direkt an der einstigen B28 kam vor einigen Jahren dazu. Ansonsten sieht man dem Streifen zwischen Lemberg und Bächlen auch heute noch seine wichtige Funktion als Grünzug und Frischluftschneise an.

Nagolder Hochzeitsbaumwiese

Und ist auch heute ein großer Teil des Bächlens bebaut, so sind doch noch beachtliche Flächen an Feldern und Streuobstbeständen zwischen Wohngebiet und dem Waldrand zum Killberg hin unbebaut. Nicht zufällig befindet sich dort ja auch eine der Nagolder Hochzeitsbaumwiesen. Und das unterscheidet das Bächlen auch durchaus von den früheren, anderen Wohngebieten Nagolds. Hier wurde nicht bis direkt an die Waldgrenze gebaut.

Nachdem der Lemberg, der Kernen und auch der Steinberg als Nagolder Wohngebiete erschlossen waren, rückte mit dem Bächlen das letzte Neubaugebiet in Tallage in Nagold in den Fokus der Planer. Denn Nagold war in jener Zeit noch immer kräftig am Wachsen. Und den Schritt auf die Höhe wagte man vorerst noch nicht.

Ab 1975 entsteht also der Kern des Wohngebiets im Bächlen: die Georg-Wagner-Straße, die Max-Eyth-Straße, der Baumwiesenweg, Am Römerbad, Hinter Oberkirch, Am Frankenbühl und der Bächlenweg werden erschlossen und in der Folge bebaut. Von Anfang an eng mit dem Gebiet verbunden waren die Pläne des Landkreises, in Nagold ein neues Berufsschulzentrum zu errichten. Im Neubaugebiet Bächlen wurde man bei der Platzsuche fündig. 1979 schließlich ging das Schulzentrum des Kreises in Betrieb.

Drei berufliche Schulen

Heute beherbergt das BSZ gleich drei berufliche Schulen: die Annemarie-Linder-Schule für den sozialpädagogisch-pflegerischen Bereich, die Rolf-Benz-Schule im technischen Bereich sowie die Kaufmännische Schule. Alle drei Schulen bieten auch berufliche Gymnasien und bereichern Nagolds Schullandschaft immens. Zudem sind sie natürlich auch klassische Berufsschulen, mit modern ausgestatteten Werkstätten und Fachräumen.

Natürlich ist das Berufsschulzentrum der prägende Gebäudekomplex im Bächlen. Von Anfang an gewesen. Denn die gesamte Wohnbebauung richtete sich nach dem Schul-Areal. Zu dem Komplex zählt dabei auch die Bächlenhalle: Nagolds einzige Sporthalle für Groß-Veranstaltungen mit hunderten von Zuschauern, die auch fleißig von den Vereinen genutzt wird. Gleiches gilt für den Sportplatz, der sich oberhalb der Bächlenhalle befindet, und für das Kleinspielfeld direkt hinter der dreigliedrigen Sporthalle.

Ein weiterer Groß-Nutzer im Bächlen ist die Straßenmeisterei mit ihrem südlichen Ableger im Kreis Calw. Auch die Straßenbauer wussten und wissen noch immer die nahe Lage an der Hauptverkehrsader (einst B28, heute L362) zu schätzen. Wenngleich heute wieder Umzugs- und Neubaupläne geschmiedet werden, was wiederum in Nagold durchaus Träume von einer weiteren Groß-Sporthalle direkt neben der bestehenden Bächlenhalle aufkommen ließ.

Fabrikhallen von "Teufel"

Direkt gegenüber auf der anderen Seite der Landesstraße fällt noch eine weitere große Veränderung gegenüber 1968 auf: Ein neuer Kreisverkehr entstand, und direkt daran grenzt ein großer städtischer Parkplatz – der Parkplatz Stadtpark. Viele nennen das Parkplatzgelände allerdings noch immer "Teufel-Parkplatz" und erinnern damit an den einstigen Klimatechniker Teufel, der dort sein Domizil hatte. Die Fabrikhallen von einst sind auf dem Bild von 1968 noch imposant vertreten. Nur zwei vergleichsweise kleine Gebäude aus der Teufel-Ära stehen heute noch. Der ehemalige Verwaltungsbau wird von der ASM und den Nagolder Eisenbahnfreunden, die zudem im Kleb auch das Klebbähnle betreiben, genutzt. Ein Gebäude direkt an der Nagold wird mittlerweile vom "Teufelwerk" als Event-Location genutzt. Der Rest bietet etwa 300 Fahrzeugen Parkflächen.

Ende der 1980er-Jahre erweiterten die Stadtplaner nochmals das Wohngebiet im Bächlen. Zu den bereits erschlossenen 110 Bauplätzen gesellten sich weitere 40 in der Verlängerung der Straße Hinter Oberkirch und an der neuen Walter-Wolf-Straße hinzu. Mit dem kleineren Baugebiet "Schleifmühle" breitete sich das Wohngebiet abschließend auch noch weiter Richtung Rohrdorf aus. Zudem entstand in unmittelbarer Nähe der Lidl-Markt.

830 Bewohner

Im Bächlen sind vor allem Einfamilienhäuser entstanden, aber auch Terrassenhäuser und eingeschossige Bungalows. Auf rund 830 Bewohner kommt das Bächlen aktuell und gehört damit zu den kleineren Wohngebieten der Stadt.

Den Schritt auf die Höhen allerdings verzögerten die Bautätigkeiten im Bächlen nur. Mitte der 1990er Jahre erschloss Nagold den Oberen Steinberg, und verwirklichte damit ein erstes Wohngebiet abgetrennt vom Stadtkern, auf der Höhe.

Info: Bereits von den Kelten geschätzt

Das Bächlen gilt heute als eine der attraktivsten Wohnlagen Nagolds. Und das wussten offensichtlich auch schon die "Urnagolder" zu schätzen. Rund um die Erschließung des Wohngebiets und beim Bau der Berufsschule stieß man in Nagold auf recht spektakuläre Siedlungsspuren. Lage, Lage und nochmals Lage – das galt auch schon in früheren Zeiten. Und das Bächlen mit der nahegelegenen Quelle stellte eine optimale Siedlungslage dar. Siedlungsspuren gibt es im Bächlen bereits aus der Urnenfelderzeit (1300 bis etwa 800 vor Christus). Bei Grabungen in den Jahren 1979 und 1981 erfassten die Forscher eine Siedlung aus der späten Hallstattzeit, also lebten dort vor etwa 500 bis 600 vor Christus Kelten – das ist etwa deckungsgleich mit dem Nagolder Krautbühl und auch mit den keltischen Siedlungsspuren auf dem Schlossberg.

Noch immer etwas rätselhaft sind die Funde einer ungewöhnlichen Steinkonstruktion. "Auf einer mächtigen Dolomit-Steinpackung waren Reste einer kleinen Feuerstelle zu finden, die wiederum von kleineren Geröllen überdeckt wurde", beschreibt der Archäologe Günter Wieland den Fund in einem Beitrag im Nagolder Heimatbuch "Nagold – Geschichte und Geschichten aus 7000 Jahren". In den Zwischenräumen fanden die Archäologen auch Scherben von Gefäßen. Die wahrscheinliche Erklärung ist, dass an diesem Fundort einer handwerklichen Tätigkeit nachgegangen wurde. Doch auch ein kultischer Hintergrund kann nicht ausgeschlossen werden.