Ein Bus der Linie 3 auf der Karlstraße in Donaueschingen: Die GUB schlägt vor, einen zusätzlichen Bus auf einem festen Rundkurs einzusetzen. Foto: Jens Wursthorn

Die Gemeinschaft unabhängiger Bürger hat eine neue Idee für den innerstädtischen Verkehr entwickelt. Ein Hop-on/Hop-off-Bus soll die bisherigen drei Linien ergänzen. Im Gegenzug sollen Überlandbusse aus der Innenstadt verschwinden.

Einsteigen, aussteigen, etwas anschauen und gleich weiterfahren: Das ist das Prinzip der sogenannten Hop-on/Hop-off-Busse. Es stammt aus dem Tourismusbereich und hat sich bei Stadtrundfahrten etabliert. Ein solches Konzept soll auf Wunsch der Fraktion der Gemeinschaft unabhängiger Bürger (GUB) auch in Donaueschingen umgesetzt werden. Allerdings nicht für Touristen, sondern für Menschen, die mit dem Bus den Alltag bewältigen.

 

Kontrovers diskutiert wurde im Mobilitätsausschuss des Stadtrates der Vorschlag der GUB-Fraktion, mit Hop-on/Hop-off-Bussen die Innenstadt frei vom Linienverkehr zu machen. Konkret sieht das Konzept eine Busverbindung vor, die im 15-Minuten-Takt vom Bahnhof zur Karlstraße und zurück fährt. Da diese Verbindung in Richtung Karlstraße bereits alle 30 Minuten durch den Stadtbus der Linie 3 abgedeckt ist, müsste der zusätzliche kleinere Bus alle 30 Minuten zeitversetzt zu dieser Linie fahren.

Da nach Meinung der Fraktion am Samstag und Sonntag der 30-Minuten-Takt der Linie 3 ausreicht, soll der Hop-On/Hop-off-Bus montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr eingesetzt werden und auch in den Schulferien fahren. Neben den Haltestellen der Linie 3 soll der neue Bus zusätzlich an der Stadtkirche/Donauquelle/Orangerie halten, und eventuell an der Schellenbergbrücke.

Preislich an Konditionen der Donaubuslinien gedacht

Preislich sollen die Konditionen der Donaubuslinien in Donaueschingen übernommen werde. Konkret kostet das Einzelticket 1,50 Euro für Erwachsene und einen Euro für Kinder. Ein solcher Bus soll permanent auf einem Rundkurs vom Busbahnhof über die Josefstraße an der Stadtkirche vorbei auf die Karlstraße und die Käferstraße entlang zum Busbahnhof unterwegs sein. Geplant sind acht Haltestellen. Im Gegenzug sollen Überlandbusse ausschließlich den Busbahnhof anfahren. Deren Fahrgäste können in den Hop-on/Hop-off-Bus umsteigen, um Punkte wie die Innenstadt, die Donauquelle, das Rathaus oder die Sparkasse zu erreichen. Im ursprünglichen Antrag von 2020 sprach die GUB von 105 Überlandbussen, die nicht mehr durch die Stadt fahren würden.

Fraktionssprecher Marcus Milbradt begründete die Entscheidung, das Konzept schon früh im Jahr auf die Tagesordnung des Mobilitätsausschusses des Gemeinderats zu bringen: „Wir möchten dem Landratsamt jetzt schon ein Signal geben, so etwas in Erwägung zu ziehen. Nicht, dass man im Herbst zu spät dran ist, solche Überlegungen in Erwägung zu ziehen, um die großen Linienbusse aus der Stadt heraus zu bekommen“, sagte er. „Das hat mit dem Landratsamt nichts zu tun“, stellte Oberbürgermeister Erik Pauly klar. „Für den Stadtbus sind wir zuständig. Und wenn wir einen zusätzlichen Bus wollen, müssen wir ihn auch bezahlen.“ Allerdings stehe man mit dem Dienstleister Verkehrsgesellschaft Bregtal in einem festen Vertragsverhältnis, eine Änderung sei in der laufenden Vertragszeit nicht hinzubekommen.

Dieser Vertrag läuft 2027 aus, man müsse spätestens ein Jahr vorher in Verhandlungen treten, fügte Ordnungsamtsleiter Andreas Dereck hinzu. Deshalb müsse man bald anfangen, darüber nachzudenken, was man möchte und wie es weitergehen solle. Deshalb schlage die Verwaltung vor, diesen Punkt wohlwollend in diese Neudiskussion aufzunehmen, so Pauly. Er selbst finde diese „kleine Schleife“ eine „charmante Idee“, um mehr Verkehr aus der Stadt herauszubringen. Dabei türme sich eine weitere Hürde auf: die Neuausschreibung müsse für Elektrobusse erfolgen. Die seien teurer, eine Infrastruktur fehle bisher.

Behindertengerechtes Konzept gefordert

Martin Lienhard (CDU) sah in dem Bestreben, die Überlandbusse aus der Karlstraße zu nehmen, einen weitgehenden Konsens. Allerdings verursache ein Hop-on/Hop-off-Bus Kosten. Michael Blaurock (Grüne) sagte zum Thema Ideen für den Stadtbus: „Diese Ideen muss man bündeln und das Thema möglichst schon nach der Wahl im Herbst in Angriff nehmen.“ Man solle sich möglichen Innovationen stellen und sich nicht hinter dem erst 2027 ablaufenden Vertrag verstecken. Das Konzept müsse in einer älter werdenden Gesellschaft behindertengerecht sein. Der Hop-on/Hop-off-Bus bedeute zusätzliches Umsteigen, merkte Blaurock kritisch an.

Die SPD-Diskussion habe unterschiedliche Meinungen ergeben, sagte Martina Wiemer. Doch in einem Punkt sei man sich einig: Solange der Individualverkehr ungehindert und kostenlos überall in der Karlstraße parken könne, gäbe es keine Zustimmung für den Bus. „Es ist eine Unverschämtheit, dass man jemanden umsteigen lässt in einen kleinen Bus, und jedes Auto vor jedem Geschäft parken kann. Das geht gar nicht“, wetterte Wiemer. Außerdem werde damit das Hüsler-Konzept, das gut funktioniere, außer Kraft gesetzt.

Pauly sah das anders. Der Bus sei eine Ergänzung zu den drei Linien. Michael Klotzbücher von der FDP/FW-Fraktion kommentierte, es hänge von den überregionalen Bussen ab, ob man die wirklich aus der Innenstadt heraus bekomme. Es sei überdies sehr fraglich, ob man sich dieses zusätzliche Angebot leisten könne. Der Behindertenbeauftragte Manfred Kempter mahnte an, dass viele Bushaltestellen nur einseitig barrierefrei seien. Der Gemeinderat einigte sich darauf, dass der Antrag der GUB-Fraktion im Zusammenhang der Gesamtüberlegungen zum Stadtbus berücksichtigt werden soll.

Das Hüsler-Konzept

Der Stadtbus
Zwischen 2014 und 2016 arbeitete das Planungsbüro Hüsler für Donaueschingen ein Stadtbuskonzept aus. Drei Linien fahren im 30-Minuten-Takt. Am Bahnhof ist der zentrale Umsteigepunkt. Durch die Buslinien sind alle Wohngebiete verbunden – angestrebt ist eine möglichst direkte Verbindung zum Bahnhof und zum Stadtzentrum. Die Linienverläufe wurden so gelegt, dass die Fußwege zu den Haltestellen nicht mehr als fünf Minuten, entsprechend 300 Meter betragen.