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Burladingen Vor Ausbau auf Fundament achten

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Gefragte erfahrene Europäer auf dem Podium in der Aula des Progymnasiums (von links): Urban Mayer, Laura Leibold und Mirko Drotschmann. Foto: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder Bote

VHS-Chefin Tanja Marquardt hatte allen Grund zur Freude. Nicht nur, dass sich die Aula des Burladinger Progymnasiums mit vielen Gästen, Schülern, Gemeinderäten und Kandidaten der Kommunalwahl füllte – die Anwesenden stellten auch tiefschürfende Fragen.

Burladingen. Die drei Podiumsgäste, Urban Mayer, Laura Leibold und Mirko Drotschmann waren gut gewählt. Drei ganz unterschiedliche Menschen, die jeweils, sensibel moderiert vom Gemeinschaftskundelehrer Chris Bartels, ihre eigenen Eindrücke der Staatenunion schilderten. Den Beginn machte die aus Portugal stammende Laura Leibold, die, vom portugiesischen Staat als Lehrerin angestellt, jetzt schon seit 28 Jahren den Menschen in Deutschland ihre Muttersprache beibringt.

In einer Diktatur aufgewachsen spürte sie, wie sie sagt, dass mit Europa die Freiheit kam. Und: "Plötzlich gab es geteerte Straßen, das hat sich entwickelt", schilderte sie ihre Eindrücke von den ersten Reisen in die Heimat. Förderprogramme hatten es ermöglicht.

Aber es gab auch Probleme. Der Euro hätte zu einer massiven Preissteigerung geführt unter der vor allem die Menschen in den Städten sehr litten. Die Landbevölkerung, die viele Lebensmittel anbaut, habe sich oft selbst versorgt und sich gegenseitig geholfen. "Aber das war für viele hart", kommentierte Leibold den Zustand nach der Einführung des Euro. Sie riet jungen Leuten Sprachen zu lernen und wenn irgend möglich einen längeren Auslandsaufenthalt zu machen – das inspiriere und führe letztlich zu mehr Solidarität.

Der Rentner Urban Mayer, seit 27 Jahren aktives Mitglied und jetzt Ehrenvorsitzender des Burladinger Fördervereins Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Le Plessis-Trévise, erzählte nicht nur von seinen zahlreichen Reisen als Jugendlicher nach Südeuropa, sondern auch von den Verhältnissen in Tunesien, wo er einige Zeit arbeitete und lebte.

In Mayers Jugend waren Grenzkontrollen normal, wer nach Spanien wollte, musste mit mehreren Währungen hantieren, und aus beruflichen Gründen ins Ausland zu gehen, scheiterte am Papierkram. Jetzt hätten Jugendliche in Europa enorme Freiheiten. Mayer bot den Burladinger Schülern gleich eine Kooperation mit dem Verein Städtepartnerschaft an, würde zu gern mit jungen Leuten und neuen Ideen etwas mit der Partnerstadt auf die Beine stellen. Er kritisierte aber auch: "Nach Macrons Vorschlägen hätte Deutschland sich stärker positionieren müssen, aber das hat nicht funktioniert."

Der Blogger, Journalist und Autor Mirko Drotschmann ist in Karlsruhe aufgewachsen. Die Grenze war nah, Kontakte zu den französischen Nachbarn, Schüleraustausch und kleine Reisen eine Selbstverständlichkeit. Inzwischen hat Drotschmann, nicht zuletzt wegen seiner Videos die er als "Mr. Wissen2go" auf youtube postet, Kontakte in viele andere Länder Europas. Er gehöre einer Generation an, die mit dem europäischen Gedanken aufgewachsen sei, sagte er.

Trotzdem, angesichts des schwierigen Brexits, einer Wahlbeteiligung von 13 Prozent bei den jüngsten Europawahlen in Slowenien und bedenklichen, antidemokratischen Tendenzen in manchen Ländern Osteuropas hofft er auf Frankreich und Deutschland. Die Staaten in Europas Mitte bezeichnete er als Anker der europäischen Idee. "Wir brauchen dafür wieder mehr Leidenschaft".

Von Schülern gefragt, ob eine Erweiterung der EU mit Ländern wie Serbien und Albanien sinnvoll wäre, warnte er vor der Ausdehnung. "Es ist wie mit einem Hochhaus, bevor man ans Aufstocken denkt, sollte man ein gutes Fundament haben." Den Schülern ging es in ihren Fragen dann nicht nur darum, ob sie sich mit einem Wahlrecht ab 16 besser Gehör verschaffen könnten. Sie fragten unter anderem zum Verhältnis Europa zu Russland, zur Urheberrechtsreform und zum Rechtspopulismus.

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