Dort, wo im Frühling immer die Obstbäume blühten, werden in naher Zukunft Bagger rollen und Bauplätze erschließen.Foto: Fechter Foto: Schwarzwälder Bote

Gemeinderat: Bebauungsplan "Hinter Gärten II" als Satzung beschlossen / Naturschutz regt langfristig angelegte Konzepte an

Weit über ein Jahr wurde hart diskutiert und um Lösungen gerungen. Jetzt ist das höchst umstrittene Baugebiet "Hinter den Gärten II" in Hart im Ziel. Der Haigerlocher Gemeinderat beschloss den Bebauungsplan in seiner März-Sitzung. Nun kann auch dort neu gebaut werden.

Haigerloch-Hart. Damit dürfen vor alle jene aufatmen, die nach neuen öffentlichen Bauplätzen im eigenen Wohnort gerufen hatten. Die gibt es nämlich nicht mehr im kleinsten Haigerlocher Ortsteil. Das neue Baugebiet "Hinter den Gärten II" soll davon gleich 31 Stück bieten, die freilich nicht auf einen Schlag, sondern in zwei Abschnitten erschlossen werden.

Doch bis es im nächsten Jahr dazu kommen kann, waren viele Kompromisse erforderlich. Die Bauplätze liegen in einem weitgehend intakten Obstbaumgürtel am östlichen Ortsrand in Richtung Höfendorf. Diese in Bauplätze zu verwandeln, das sorgte vor allem bei Natur- und Umweltschutz-Institutionen wie dem Landesnaturschutzverband (LNV), dem Nabu und der Naturschutzbehörde beim Landratsamt für mehr oder weniger große Sorgenfalten auf der Stirn.

Gleich vier Mal mussten die vom Empfinger Planungsbüro Gfrörer überarbeitete Bebauungsplanentwürfe immer wieder in die öffentliche Anhörung, damit sich Behörden, Träger öffentlicher Belange oder auch Privatpersonen mit den Planungen befassen konnten.

Ein wesentlicher Bestandteil war der sogenannte artenschutzrechtliche Fachbeitrag. Er umfasst knapp 50 Seiten und beschreibt detailliert die von der Baulanderschließung betroffenen Biotop- und Habitatsstrukturen und zeigt Wege auf, wie man diesen Verlust an Lebenswelt für Pflanzen und Tiere kompensieren kann.

Auch bei der vierten öffentlichen Auslage des Bebauungsplanentwurfs "Hinter den Gärten II" gingen Stellungnahmen ein. Und zwar von elf Behörden und einer Privatperson. Die überwiegende Mehrzahl – nämlich sieben Behörden und Fachinstitutionen – beließ es dabei, auf ihre Stellungnahmen in den vorangegangenen drei Auslegungsrunden zu verweisen, vier Behörden machten aber erneut Anregungen oder äußerten Bedenken. Diese erläuterte Planer Gebhard Gfrörer in der Gemeinderatssitzung.

So gab zum Beispiel das Regierungspräsidium Tübingen zu bedenken, ob die im Verhältnis 2:1 vorgenommenen ökologischen Ausgleichsmaßnahmen nicht etwa andere geschützte Arten beeinträchtigen könnten, zum Beispiel den Lebensraum von Feldhasen auf Ackerflächen. Doch Planer Gfrörer gab Entwarnung. Bei den Begehungen habe man keine Hasen angetroffen.

Das Landratsamt des Zollernalbkreises wies auf die Vermeidung von "Lichtverschmutzungen" hin, die Art der Hausbeleuchtungen ist deshalb ebenfalls in die Bestimmungen zum Baugebiet aufgenommen worden.

Die weitreichendsten Forderungen dürfen vom Landesnaturschutzverband und Nabu gekommen sein. Nach längerem Widerstand stimmten sie der Bauplatzerschließung zu, weil sie das Ausgleichskonzept mit der Neupflanzung von 207 Obstbäumen auf 21 000 Quadratmeter Fläche überzeugte.

Der Naturschutz regte in seiner Stellungnahme indes zwei langfristig angelegte Begleitkonzepte an. Zum einen ein Konzept zur Erhaltung und Entwicklung von Streuobstbeständen in Hart inklusive einer Pflegeverpflichtung für die neu zu pflanzenden Bäume in den nächsten 30 Jahren. Dazu ein Konzept, das den Erhalt der Jagdreviere sowie der Ruhe- und Fortpflanzungsstätten der seltenen Mops-Fledermaus sichert. Der Erstellung beider Konzepte stimmte der Gemeinderat zu.

Damit soll zu gegebener Zeit ein Fachbüro beauftragt werden. Gemeinderat Konrad Wiget (SÖL) fragte nach, was dafür an Kosten zu erwarten sei, doch darauf konnte ihm die Stadtverwaltung noch keine Antwort geben. Zugesichert wurde aber, dass diese Kosten nicht auch noch auf die Bauplätze umgelegt werden.

Die Maßnahmen für Baumverpflanzungen und die Neuanlegung von Lebensräumen für gefährdete Tierarten treiben mit Gesamtkosten von rund einer halben Million Euro die Bauplatzpreise in Hart ohnehin in die Höhe.

Bürgermeister spricht von positiven Signalen in Richtung Naturschutz

Die ersten Arbeiten in Sachen Vegetationskonzept und Artenschutz vergab der Gemeinderat gleich nachdem er dem Bebauungsplan "Hinter den Gärten II" als Satzung beschlossen und dem städtebaulichen Vertrag zugestimmt hatte (siehe Info-Rubrik). Sechs Bieter hatten dafür Angebote abgegeben. Das günstigste kam von der Owinger Firma Raible & Schmocker und belief sich auf knapp 106 000 Euro. Es war fast 70 000 Euro billiger als das höchste Angebot.

Bürgermeister Heinrich Götz war nach den mit großer Mehrheit gefassten Beschlüssen und auch über die Zustimmung zu den vom NABU und LNV geforderten Konzepten erleichtert. Er bezeichnete das "als gutes Zeichen an den Naturschutz, dass man die Dinge ernst nimmt."

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